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We need more than one term for these big things, kuratiert von Melanie Ohnemus, Ausstellungsansicht, Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof, Wien, 2019/2020. Foto von Till Megerle
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We need more than one term for these big things, kuratiert von Melanie Ohnemus, Ausstellungsansicht, Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof, Wien, 2019/2020. Foto von Till Megerle
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We need more than one term for these big things, kuratiert von Melanie Ohnemus, Ausstellungsansicht, Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof, Wien, 2019/2020. Foto von Till Megerle
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We need more than one term for these big things, kuratiert von Melanie Ohnemus, Ausstellungsansicht, Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof, Wien, 2019/2020. Foto von Till Megerle
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We need more than one term for these big things, kuratiert von Melanie Ohnemus, Ausstellungsansicht, Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof, Wien, 2019/2020. Foto von Till Megerle
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We need more than one term for these big things, kuratiert von Melanie Ohnemus, Ausstellungsansicht, Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof, Wien, 2019/2020. Foto von Till Megerle
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We need more than one term for these big things, kuratiert von Melanie Ohnemus, Ausstellungsansicht, Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof, Wien, 2019/2020. Foto von Till Megerle

»We need more than one term for these big things«: Emanzipier’ dich!

January 23, 2020
Text by Kathrin Heinrich
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We need more than one term for these big things, kuratiert von Melanie Ohnemus, Ausstellungsansicht, Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof, Wien, 2019/2020. Foto von Till Megerle

Aus der Perspektive des spekulativen Feminismus blickt Melanie Ohnemus in der von ihr kuratierten Gruppenausstellung im Heiligenkreuzerhof über das Werk hinaus auf die Ausstellung als Medium.

Wie gelingt es, eine Ausstellung in Worte zu fassen, in der es im Wesentlichen um die Unzulänglichkeit der Sprache geht? Um all die Nuancen und Schattierungen eines Konzepts, die ein einzelner Begriff nicht fassen kann. Man könnte argumentieren, dass das bis zu einem gewissen Grad auf bildende Kunst im Allgemeinen zutrifft, auf ihre sprachliche Übersetzung sowieso. Doch die Gruppenausstellung »We need more than one term for these big things« in der Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof greift die Problematik nicht nur im Titel auf, sondern will das Ausstellungsformat und sein Verhältnis zur Rezeption an sich reflektieren. Der Titel, ein Zitat der Philosophin Donna Haraway, ist bezeichnend für das Ausstellungskonzept von Kuratorin Melanie Ohnemus.

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We need more than one term for these big things, kuratiert von Melanie Ohnemus, Ausstellungsansicht, Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof, Wien, 2019/2020. Foto von Till Megerle

In den sechs barocken Räumen versammelt Ohnemus 20 künstlerische Positionen. Auf einen konkreten thematischen Überbau, wie man von Gruppenausstellungen zumeist gewohnt ist, verzichtet sie dabei. Im einleitenden Text gibt sie vielmehr eine Arbeitsweise, eine inhärente Verortung der Künstler*innen als gemeinsamen Nenner und kuratorisches Prinzip vor: einen »emanzipierten Feminismus«, verkörpert von »emanzipierten Standpunkten, die in gleichberechtigter Kommunikation mit anderen Disziplinen stehen«. Die spekulative Kraft der Kunst soll so über die Einschränkungen eines einzelnen Begriffs hinauswachsen und eine Metasprache schaffen.

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We need more than one term for these big things, kuratiert von Melanie Ohnemus, Ausstellungsansicht, Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof, Wien, 2019/2020. Foto von Till Megerle

Konkret behandeln die gezeigten Arbeiten also nicht das feministische Anliegen an sich, sondern agieren aus einer bereits ermächtigten Position. Am vielleicht plakativsten zeigt dies Nicole Wermers »The Violet Revs« (2016) beim Betreten der Galerie. Über den Lehnen weißer Monobloc-Stühle hängen die Lederjacken einer scheinbar weiblichen Motorradgang, so als wären ihre Trägerinnen eben aufgesprungen. Auch Lilli Thiessens »container (that’s what she shed)« (2019) im nächsten Raum kehrt eine männlich konnotierte Idee um: Ein riesiger Karton, über und über mit popkulturellen Zeitschriftenausschnitten beklebt, wird zur She-Shed als Gegenprinzip zur Man Cave, dem testosterongeschwängerten Hobbykeller.

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We need more than one term for these big things, kuratiert von Melanie Ohnemus, Ausstellungsansicht, Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof, Wien, 2019/2020. Foto von Till Megerle

Melanie Ohnemus untergräbt nicht nur die Erwartungen an das Format der Gruppenausstellung, die ein Thema illustrativ verhandelt. Sie konfrontiert die Betrachter*innen – und die Kritikerin noch viel mehr – mit der Frage, was eine solche Ausstellung leisten kann und muss, wie darüber gesprochen und geurteilt wird. Der Abgleich von Thema und künstlerischen Arbeiten, dessen sich die Kunstkritik allzu oft als Gradmesser bedient, wird in der Abwesenheit eines solchen Themas ad absurdum geführt.

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We need more than one term for these big things, kuratiert von Melanie Ohnemus, Ausstellungsansicht, Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof, Wien, 2019/2020. Foto von Till Megerle

Denn die postfeministische Kunstbetrachtung alleine lässt die Werke noch nicht miteinander in Dialog treten. Ihre Lesart ist dementsprechend genauso subjektiv wie die Auswahl durch die Kuratorin. Es bleibt den Betrachter*innen überlassen, Zusammenhänge zwischen den einzelnen Positionen herzustellen. Für die Kuratorin hat das einzelne Werk quasi einen Stellvertretercharakter für die jeweilige künstlerische Praxis, es ist austauschbar.

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We need more than one term for these big things, kuratiert von Melanie Ohnemus, Ausstellungsansicht, Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof, Wien, 2019/2020. Foto von Till Megerle

Es ist Ohnemus‘ klugem Umgang mit dem Ausstellungsraum geschuldet, dass die Positionen miteinander zu kommunizieren beginnen. In einer Geste der Subversion spielt sie mit dem patriarchal geprägten Raum des ehemaligen Klosters. Der repräsentative Hauptraum ist verdunkelt, erfüllt von Andrea Frasers Stimme, die in die anderen Räume weitergetragen wird. Im Zwiegespräch »Projection« (2008) befragt sich die Künstlerin selbst zu Identität, Erfolg und Selbstzweifel. Themen, die sich durch die Schau ziehen, in der übermediatisierten Ära der Millenials längst zur Krux geworden sind – wie auch Sophie Gogls Gemälde unter Beweis stellen. »Anna« (2019) etwa porträtiert die Betrügerin Anna Sorokin beim medienwirksamen Auftritt im Gerichtssaal. Der weiche Pinselstrich evoziert unweigerlich die Filter von Instagram, jener App, die Sorokin nutzte, um sich in New Yorks Kunstszene als reiche Erbin auszugeben.

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We need more than one term for these big things, kuratiert von Melanie Ohnemus, Ausstellungsansicht, Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof, Wien, 2019/2020. Foto von Till Megerle

Insofern bildet »We need more than one term for these big things« durchaus zentrale Motive der Gegenwart ab, ohne jedoch Bedeutungsinterpretationen oder Handlungsanweisungen mitzuliefern. Sie regt die Betrachter*innen an, über das einzelne Werk hinaus zu denken – als Ermunterung zur Emanzipation.

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