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Foto von Clara Wildberger
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»Octopus«: Unter Wasser mit Kitsch, Kraken und Kluppen

February 9, 2020
Text by Wera Hippesroither
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Foto von Clara Wildberger

Gemeinsam mit Christoph Szalay erkunden Navaridas & Deutinger in der Multimedia-Performance Octopus emotionale Unterwasserwelten.

Etwas ist anders im Studio Brut, irgendwie ist es eng. Die Bühne ist nach vorne hin abgeschlossen, ungefähr ein Drittel des Raumes ist durch einen Vorhang abgetrennt. Auf diesen wird auch schon eine Videoarbeit projiziert, die Unterwasseraufnahmen zeigt. Zunächst von Wellengang, Seegras und Sand, später kommen glänzende Textilobjekte und schwimmende Performer*innen dazu. Endet die Filmsequenz, lässt sich erahnen, was hinter dem trennenden Vorhang verborgen liegt: auf einem Bühnenpodest räkeln sich Marta Navaridas, Alex Deutinger und Christoph Szalay in knappen Badehöschen. Der Vorhang öffnet sich und Szalays Stimme ertönt: »Think of… love… peace… unity…« Worte, die von den beiden anderen Performer*innen umgehend auf seiner Haut notiert werden. Szalays Assoziationskette mutiert bald zu einer gehauchten Darbietung des Popschinkens »Believer«, bevor sich der Vorhang wieder schließt und die nächste Videosequenz beginnt. In weiteren Szenen singen dann noch Deutinger und Navaridas ähnlich kitschige Nummern, wobei immer mehr verzerrende Effekte zum Einsatz kommen und bei Navaridas‘ Darbietung ihren Höhepunkt finden.

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Foto von Clara Wildberger

Die fluide-dynamische Ästhetik aus den Unterwasseraufnahmen übertragen die Performer*innen in den Bühnenraum und agieren als ein miteinander verbundenes Getier. Angelehnt an den im Programmtext genannten Oktopus mit drei Herzen bilden sie eine Einheit, die tentakulär verschlungen ist und zusammen agiert. Die Gesangseinlagen sind ein wiederkehrendes Element, auch die schwimmenden Bewegungsmuster des Films wiederholen sich in der Choreographie. Scheinwerfer beleuchten das silbrig glänzende Podest, sodass der Eindruck von Wasserreflektionen an der Bühnenwand entsteht und auch aus Mineralwasserflaschen ausgegossenes Wasser kommt zum Einsatz.

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Foto von Clara Wildberger

Das wird nicht nur glitschig, sondern auch ganz schön kitschig. Wie beim Duo Navaridas & Deutinger gewohnt, kommt der Humor dabei nicht zu kurz und auch fürs Akustische beweisen die Performer*innen ein feines Gespür. Rund um das Podest montierte Mikros verstärken etwa den Klang der zusammengedrückten PET-Flaschen, aufeinander klatschender Haut oder der grandiosen Kluppen. Diese werden an Deutingers Körper angebracht, zunächst nur an den Fingerkuppen, dann auch an Zehen, Ohren und Nippeln. In dieser eingeklemmten Lage absolviert er seinen Song, um dann gegen Ende der Szene die Kluppen, begleitet von Seufzern ins Publikum zu schnipsen.

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Foto von Clara Wildberger

Navaridas & Deutinger widmen sich in ihrer Zusammenarbeit mit dem Lyriker Szalay dem »verdammt eleganten« Meerestier nicht aus wissenschaftlicher Neugierde. Im Mittelpunkt steht offenbar die Idee, wie es sich wohl mit drei Herzen im Gleichtakt lebt. Wie sieht die Innenwelt dieses Tiers aus, das nicht nur mehrere Herzen, sondern auch Gehirne hat? Wie mag die Welt aus seinen Augen aussehen? Singt jedes Herz ein eigenes Lied? »Octopus« setzt diese Idee als Gewurstel dreier Körper um, die eins werden. Emotives Erleben und sinnliches Wahrnehmen sind im Fokus, wenn es gilt, die Gemütswelt des mystischen Unterwasserbewohners zu erkunden. Dabei ist es die Mischung aus stoischem Humor, schönem Kitsch und einer fluiden Choreographie, die diese Arbeit so bestechlich machst.

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