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Foto von Marie Haefner
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Monika Grabuschnigg: »Es geht um Speed«

May 29, 2020
Text by Paula Thomaka
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Foto von Marie Haefner

Monika Grabuschnigg kontrastiert in ihren Arbeiten das Glatte mit dem Fragilen, um über das Ausmaß totaler Beschleunigung zu reflektieren.

Beeinflusst von Popkultur und Kunsttheorie, widmet sich die in Berlin lebende Künstlerin Monika Grabuschnigg Phänomenen der Gegenwart und fordert dazu auf, unseren Istzustand neu zu überdenken. Selbstoptimierung, Hyperkapitalismus und Verlangen sind oft Motive, die sie mit ihren Skulpturen dekonstruiert. Im Interview mit Paula Thomaka spricht sie über die Angst vor Verwundbarkeit, darüber, wie das Jetzt unsere Gesellschaft formt und über die Ausstellung der Kunsthalle Wien »… von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden«.

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Du verhandelst in deinen Arbeiten Themen der Digitalisierung und verwendest dabei Keramik als Material. Wie bist du zu der Entscheidung gekommen, einen digitalen Komplex auf ein analoges Medium zu übertragen?

Ich wollte dem Digitalen, Virtuellen und Glatten etwas extrem Haptisches entgegenstellen und so die Dinge mit etwas völlig Gegensätzlichem beschreiben. Das extreme Interesse an Keramik, rührt wohl daher, weil diesem Material der eigene Handabdruck eingeschrieben ist. Zudem ist es fragil, zerbrechlich und eben nicht glatt, sondern haptisch. Aber mein Interesse beschränkt sich nicht nur auf Keramik. Eigentlich komme ich von der Malerei und habe mit Gusstechniken, Plastik und Kunststoffen gearbeitet. Ton ist jedoch ein Primärmaterial, mit dem ich in alle Richtungen gehen kann.

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Einem Akzelerationismus sowie einer beschleunigten und kapitalisierten Gesellschaft stehst du kritisch gegenüber. Gibt es für dich auch positive Aspekte der Beschleunigung?

Neue Technologien verdeutlichen aktuelle Entwicklungen und entsprechende Möglichkeiten. Im Hinblick auf das Internet bietet diese Infrastruktur Marginalisierten und Menschen, die zuvor keine Stimme hatten, eine Öffentlichkeit oder einen geschützten Raum für Konversationen. Wir müssen jedoch unsere Strukturen grundlegend überdenken und darüber reflektieren, wie wir leben und Arbeit definieren. Unsere elektronischen Geräte verwischen die Grenze zwischen dem Privaten und dem Öffentlichen, sodass wir jede freie Minute nutzen, um uns selbst zu optimieren.

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Die Ausstellung »… von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden« in der Kunsthalle Wien, bei der u.a. Skulpturen von dir zu sehen sind, nimmt Bezug auf den libanesischen Schriftsteller Bilal Khbeiz und verhandelt Visionen von einem »guten Leben«. Was ist deine Vision eines guten Lebens?

Mir kann es eigentlich nur gut gehen, wenn es auch den Leuten um mich herum gut geht. Wir tragen eine gewisse Verantwortung für unsere Mitmenschen, angefangen beim eigenen Freundeskreis. Somit sollten wir aufeinander Acht geben, da alle verschiedene Ressourcen haben. Zudem stellen sich im Zuge der Pandemie ganz viele Fragen: Wie können wir diese Phase nun nutzen? Was bedeutet es eigentlich, einen Job zu haben, der nicht systemrelevant ist? Das bedingungslose Grundeinkommen ist beispielsweise ein Konzept, das ich spannend finde und das zumindest mal ausprobiert werden müsste.

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Du hast davon gesprochen, dass das Brutale das Glatte stören möchte. Empfindest du deine Arbeit als Störfaktor?

Das hängt auf jeden Fall von den Arbeiten ab. Die Keramikskulpturen »Hubcaps« in Form von Radzierblenden in der Kunsthalle Wien haben wahrscheinlich etwas Brutales an sich. Sie erzeugen aber auch einen floralen Eindruck und wirken, als wären sie durch Hitze in einem bestimmten Zustand erstarrt. Das verleiht ihnen auch eine gewisse Brutalität, die aber nicht auf den ersten Blick erkennbar ist.

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Theoretische und literarische Verweise spielen bei dir immer wieder eine wichtige Rolle. Wie integrierst du die Recherche sowohl in deinen Arbeitsprozess als auch in dein Werk?

Zurzeit lese und recherchiere ich mehr als sonst, aber eigentlich geschieht das parallel zueinander. Während ich im Atelier bin, versuche ich, die Inhalte, die mich beschäftigen, zu reflektieren. Goethes »Faust« ist im Moment sehr präsent, aber auch Popsongs, Artikel, einfach alles Mögliche. Meine gedankliche Arbeitsweise ist sehr eklektisch und ich möchte Themen aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Inhaltlich bauen meine Arbeiten aufeinander auf – von dem Brunnen (2017) bis zu den Radzierblenden (2019/20) ist es eigentlich nicht weit. Ich versuche, den gegenwärtigen Zustand zu verstehen und gleichzeitig in die Vergangenheit zu blicken, um Arbeiten zu machen, die entweder für die Zukunft relevant sind oder helfen diese mitzugestalten. Insofern verhandle ich immer das Jetzt und die Frage, wie es uns formt. Trotzdem geht es um »Speed«, um Selbstoptimierung, um eine extreme Ökonomisierung und um die Frage, was der Hyperkapitalismus für den Menschen und unsere Umwelt bedeutet. Mit anderen Worten: eine Kombination diverser Stimmen, die ein komplexeres oder ein neues Bild entstehen lässt.

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Deine Arbeit »So it is a lover who bubbles and who foams« beschäftigt sich mit der Liebe im Zeitalter der Digitalisierung. Woher rührt dein Interesse an diesem Thema?

Ich interessiere mich für das Verlangen und die Einsamkeit unter dem Deckmantel der Liebe, insbesondere im Hinblick darauf, was Liebe überhaupt bedeutet. Die dreiteilige Serie »What shall I swear by« (2018) befasst sich diesbezüglich mit der Bedeutung von Beziehungen in Zeiten von Dating-Apps. Ich wollte genauer beobachten, wie sich unser Alltag verändert und welche Auswirkungen dieser Wandel auf unsere Strukturen hat. Die Art und Weise, wie wir Beziehungen gestalten, sagt viel über die Gesellschaft aus, in der wir leben. Obwohl die Liebe im Mittelpunkt dieser Verhandlung steht, spreche ich von »Desire« und »Longing« aber auch von Einsamkeit.

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Der Titel der Arbeit »So it is a lover who bubbles and who foams« ist meine Adaption von Roland Barthes Satz »Es ist ein Liebender, der sagt und sprach« in Anlehnung an den Song »Soap« von Melanie Martinez. Es spielt darauf an, dass die Musikerin es vorzieht, sich den Mund lieber mit Seife zu waschen, anstatt Worte der Liebe zu sagen oder sich Gefühle einzugestehen. Das Verlangen nach einer extremen Kontrolle, Sterilität sowie Unverwundbarkeit kristallisiert sich heraus. Wie bereits Alain Badiou sagte; es heißt »to fall in love« und verdeutlicht, dass in diesem Zustand keine Sicherheit existiert. Somit steht Barthes Werk in einem völligen Widerspruch zu meiner Arbeit, da er über die Liebe zu einer anderen Person schreibt, die nicht erwidert wird. Er seziert den Zustand der Liebe so stark, dass er in seinem Schreiben zur Essenz dieses Gefühlszustandes gelangt, während sich mein Brunnen in einem endlosen Loop selbst reinigt.

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Zurzeit bereitest du neue Werke für deine kommende Ausstellung bei Lehmann+Silva in Portugal vor.

Meine kommenden Arbeiten knüpfen an die Verhandlungen einer beschleunigten Gesellschaft an. Allerdings steht die Trauer im Fokus und reflektiert die Grundthemen von Verlangen und Einsamkeit. Es handelt sich dabei allerdings nicht um ein apokalyptisches Narrativ über das Ende der Welt. Denn ein Ende der Welt kann ja auch bedeuten, dass wir Grundstrukturen neu überdenken können.

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