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Johanna Bruckner, Quantum Brittle Stars, Kunstraum Niederösterreich. Produktion/Design der Objekte von Christin Rothe. Foto von eSel.at (Joanna Pianka)
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Johanna Bruckner, Quantum Brittle Stars, Kunstraum Niederösterreich. Objekte von Christin Rothe. Foto von eSel.at (Joanna Pianka)
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Johanna Bruckner, Quantum Brittle Stars, Kunstraum Niederösterreich. Produktion/Design der Objekte von Christin Rothe. Foto von eSel.at (Joanna Pianka)
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Johanna Bruckner, Quantum Brittle Stars, Kunstraum Niederösterreich. Produktion/Design der Objekte von Christin Rothe. Foto von eSel.at (Joanna Pianka)

Johanna Bruckner: Die Zukunft ist queer

January 26, 2020
Text by Wera Hippesroither
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Johanna Bruckner, Quantum Brittle Stars, Kunstraum Niederösterreich. Produktion/Design der Objekte von Christin Rothe. Foto von eSel.at (Joanna Pianka)

Der Kunstraum Niederoesterreich eröffnet sein Programm mit der Performance Quantum Brittle Stars, Johanna Bruckners Vision einer nahen transhumanen Zukunft. Und die ist vor allem eines: queer.

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Johanna Bruckner, Quantum Brittle Stars, Kunstraum Niederösterreich. Objekte von Christin Rothe. Foto von eSel.at (Joanna Pianka)

Ihre Münder stehen weit offen, die Leiber sind in sportliche, schimmernde Kleidung gehüllt, doch ihre Bewegungen sind alles andere als athletisch. Ruckelnd, zögerlich und disruptiv bewegen sich die vier Performer*innen durch den Raum. Sie agieren vor einer großen Projektion, auf der Bruckners Videoarbeit zu sehen ist. »Quantum Brittle Stars« widmet sich dem Thema Emotion in einer hypertechnologisierten Zeit und entwirft ein Bild, von dem man nicht recht weiß, ob es utopisch oder dystopisch ist.

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Johanna Bruckner, Quantum Brittle Stars, Kunstraum Niederösterreich. Produktion/Design der Objekte von Christin Rothe. Foto von eSel.at (Joanna Pianka)

Auf der Videowall sind 3D-gerenderte Fantasiewesen und Texturen zu sehen, die die Performer*innen umschließen. Textfragmente und im Raum verteilte Materialansammlungen geben Aufschluss über Bruckners transhumane Vision: Die Performer*innen agieren zwischen Material und Projektion als intersektionale Spezies. Mal rücken sie aufeinander zu, dann sind sie wieder vollkommen dissoziiert. Zu einer richtigen Annäherung mag es nie kommen, liebevolle Berührungen scheinen sie nur für die Materialanhäufungen übrig zu haben. Die Bewegungssprache bleibt stets inhuman: ruckartig, ziellos und ins Nichts laufend, trotzdem fluide und mit ihrer Umgebung verbunden wie in einer anorganischen Ökologie. Zwischen den digitalen Körpern der Projektion und den Materialhaufen sind sie gleichwertiges Element einer multimedialen Landschaft.

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Johanna Bruckner, Quantum Brittle Stars, Kunstraum Niederösterreich. Produktion/Design der Objekte von Christin Rothe. Foto von eSel.at (Joanna Pianka)

Am Anfang von »Quantum Brittle Stars« steht die Frage, wie sich unser Zusammenleben – vor allem in affektiver Hinsicht – in Zukunft verändern wird, leben wir doch jetzt schon eng mit nicht-humanen Akteur*innen wie Siri und Alexa zusammen. Die Protagonist*innen von Bruckners Vision sind längst transzendental und haben so lästige Dualitäten wie menschlich/nichtmenschlich, weiblich/männlich, digital/analog längst hinter sich gelassen. Die selbsternannten Sexroboter sind jederzeit bereit, das beweisen ihre erwartungsvoll offenen Münder. Brittle Stars, das sind zu deutsch Schlangensterne, Verwandte des Seesterns und sehr schön anzusehende Meeresbewohner. Nähe schätzen diese Tiere gar nicht: kommt ihnen jemand oder etwas zu nahe, können sie sogar einzelne Arme abwerfen. Diesen Mechanismus überträgt Bruckner auf ihre Performer*innen, die trotz ihrer erwartenden Haltung doch nie zueinander finden und mit Berührung nicht recht umzugehen wissen. So weiß »Quantum Brittle Stars«, reich an Metaphern, visuell zu überzeugen, birgt aber dennoch den faden Beigeschmack von Technopessimismus.

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We need more than one term for these big things, kuratiert von Melanie Ohnemus, Ausstellungsansicht, Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof, Wien, 2019/2020. Foto von Till Megerle

»We need more than one term for these big things«: Emanzipier’ dich!

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