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Abteilung für Grafik Design: Pauline Jocher, Marlene Kager, Maris Nisu, Maximilian Prag »AInimals«, 2020.
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Industrial Design: Stephanie Kneissl »Pillow Talk«, 2020.
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Transmediale Kunst: Faktisches Niemandsland. Verlassene Zivilisation. Was ist zu Hause?, 2020.
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Zultsetseg Narantsogt »Masken-Selfie«, 2020.
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Industrial Design: Barbara Katarzyna Ejds, Claudia Montalvo, Leo Mühlfeld, Paul Mairböck »Overcoming Disgust«, 2020
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Abteilung für Grafik Design: Pauline Jocher, Marlene Kager, Maris Nisu, Maximilian Prag »AInimals«, 2020.

Im Binge-Watching-Modus: Das Angewandte Festival 2020

June 24, 2020
Text by Editorial Team
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Abteilung für Grafik Design: Pauline Jocher, Marlene Kager, Maris Nisu, Maximilian Prag »AInimals«, 2020.

Das Angewandte Festival ist live: im Wohnzimmer, auf dem Smartphone oder bei einem Spaziergang in den Bezirken.

Als Reaktion auf die COVID-19-Pandemie zeigt das Angewandte Festival vom 23. bis 26. Juni 2020 im alternate.mode künstlerische Beiträge ihrer Studierenden, die unter anderem von den veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen erzählen, von denen die Kunstuniversitäten besonders stark betroffen sind. Im Gespräch über »AInimals« und Instagrammability erläutern die Kuratorinnen Lena Kohlmayr, Li Falkensteiner und Martina Schöggl, welche Potenziale ein digitales Festival bieten kann, und stellen die Eckpunkte des Programms vor: von Geotracking und Lastwägen über Litfaßsäulen bis hin zu Experimenten im virtuellen Raum.

Ihr selbst sagt, dass ein Festival eigentlich nicht in den digitalen Raum verlegt werden kann. Trotzdem findet das Angewandte Festival dieses Jahr im digitalen und im öffentlichen Raum statt. Wie kann man sich einen Festival-Besuch heuer vorstellen?

Lena Kohlmayr: Wir haben versucht, das Programm so zu gestalten, dass Besucher*innen sich je nach Uhrzeit von genau da zuschalten können, wo sie gerade sind: vom Frühstückstisch, aus dem Bett, vom Büro, von der alten Donau oder dem Karlsplatz. Also zum Frühstück gibt es täglich das Diskursprogramm »AILIEN TALK – Im Spannungsfeld zwischen Butter und Marmelade «und zu Mittag »The Pandemick Lockdown Cookbook«. Am Nachmittag können mit dem Fahrrad die 23 Litfaßsäulen in den 23 Bezirken abgefahren werden und danach – an der Donau liegend - Performances, Buchpräsentationen, Videos, Touren gestreamt werden.

Li Falkensteiner: Das Abendprogramm richtet sich auch möglichst danach, was man vielleicht sonst in der Freizeit macht. Am Mittwoch am Abend gibt es ein umfangreiches Video- und Filmprogramm und an allen anderen Abenden finden Live-Performances und DJ-Sets in Kooperation mit Donaufestival, Hyperreality und United We Stream statt. Der Fokus liegt dieses Jahr eher auf Live-Acts im experimentelleren Bereich und weniger auf Partysound, dennoch kann man sich mittlerweile ja auch wieder mit Freund*innen treffen und gemeinsam Musik hören.

Martina Schöggl: Im Idealfall führt der Besuch auf der Festival-Website zu einem Binge-Watching über 4 Tage – gemeinsam mit anderen oder allein.

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Industrial Design: Stephanie Kneissl »Pillow Talk«, 2020.

Das Festival ist die zweite Ausgabe seit der Neuausrichtung, für die ihr als kuratorisches Team verantwortlich seid. Jetzt musstet ihr alles anders machen. Wie sah euer Distance Curating Prozess aus?

Li Falkensteiner: Wir haben ja im letzten Jahr begonnen wöchentlich offene Treffen anzubieten, sodass sich alle Studierenden und Kolleg*innen an dem Prozess und der Programmgestaltung beteiligen konnten. Diese Treffen haben in den letzten Monaten digital stattgefunden und waren umso wichtiger, weil sie eine kleine Kompensation für den Austausch über Projekte in den Gängen der Angewandten oder der Cafeteria dargestellt haben.

Martina Schöggl: Diese Treffen haben es auch erleichtert, in so einer kurzen Zeit neben dem regulären Universitätsbetrieb, der dieses Semester schon herausfordernd genug war, das Festivalkonzept komplett auf den Kopf zu stellen. Das war teilweise spannend und aufregend, und gleichzeitig auch ganz schön herausfordernd.;

Lena Kohlmayr: Ich hab bemerkt, dass ich auf meine analoge Post-it-Wand nicht verzichten kann und innerhalb kürzester Zeit war mein Wohn- und Arbeitszimmer ausgekleidet mit Post-it-Timetable und Programmlisten. Es gab aber dann den Moment der Digitalisierung und die Post-its hängen nur noch als Reminiszenz des Entstehungsprozesses und ich freu mich aufs Runternehmen, wenn das Festival vorbei ist.

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Transmediale Kunst: Faktisches Niemandsland. Verlassene Zivilisation. Was ist zu Hause?, 2020.

Auch wenn die Verlegung in den virtuellen Raum der Coronakrise geschuldet ist: wo seht ihr im Format des Online-Festivals Stärken bzw. Chancen für die Zukunft?

Martina Schöggl: Nicht alles macht Sinn, ins Digitale zu übersetzen, aber um das herauszufinden, muss man es ausprobieren. Was von den Experimenten und alternativen Kommunikations- und Präsentationsformen bleibt, wird sich wohl auch erst zeigen.

Lena Kohlmayr: Auch ich habe mir immer wieder die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines digitalen Festivals gestellt. Einige Projekte sind nur durch die außergewöhnlichen Umstände und teilweise erst durch die Entscheidung das Festival in virtuelle Räume zu verlegen, entstanden. Diese Auseinandersetzungen hätten anders nicht stattgefunden.

Li Falkensteiner: Gefühlsmäßig hat sich vieles beschleunigt in der Kommunikation, auch wenn sich das allgemeine Leben draußen temporär verlangsamt hat. Ein Vorteil liegt sicher darin, dass Gastvortragende nicht lange Wegstrecken zurückgelegt haben, um eine Lecture zu halten, aber natürlich geht dabei einiges auch verloren.

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Zultsetseg Narantsogt »Masken-Selfie«, 2020.

Doch das Festival spielt sich nicht nur auf dem Bildschirm ab. Eine Menge an Projekten wird im öffentlichen Raum gezeigt. Was kann man bei einem Angewandte-Festival-Walk entdecken?

Lena Kohlmayr: Letztes Jahr haben wir ja die Straße am Oskar-Kokoschka-Platz vor der Universität für den Verkehr gesperrt und für uns und alle Festivalbesucher*innen umgenutzt und temporär eingenommen. Da wir uns heuer nicht an einem Ort versammeln können, verteilen wir uns in der Stadt. In allen 23 Bezirken gibt es die bereits angesprochenen Litfaßsäulen. Diese wurden von den unterschiedlichen künstlerischen Abteilungen gestaltet und werden im Rahmen der digitalen Eröffnungstour, heute am 23.6. um 18:45 Uhr auch digital hergezeigt.

Li Falkensteiner: So auch das Projekt Asphalt Gallery der Abteilung Fotografie, für das 3 Kleinlastwagen umfunktioniert und zur mobilen Ausstellung werden. Sie sind täglich zwischen 12:00 und 20:00 unterwegs und kehren am Abend immer wieder zum Parkplatz der Angewandten zurück – ihre Standorte können per Geo-Tracking über die Website mitverfolgt werden.

Martina Schöggl: Es gibt auch auch Projekte, die auf der Suche nach alternativen Präsentationsformen im privaten Raum landen und ganz entgegengesetzte Themen behandeln. Im Rahmen des Projekts Kunst geht nach Hause wurden Kunstwerke von Studierenden der Abteilung Malerei & Animationsfilm temporär verliehen und in privaten Haushalten. Ganz im Sinne von: »Wenn die Besucher*innen nicht zu uns kommen, kommen unsere Kunstwerke zu ihnen.«

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Industrial Design: Barbara Katarzyna Ejds, Claudia Montalvo, Leo Mühlfeld, Paul Mairböck »Overcoming Disgust«, 2020

Viele Kunstwerke werden heute vornehmlich unter dem Aspekt betrachtet, ob sie instagrammable sind. Digitalisierung ist also nicht nur ein demokratisierender Prozess, sondern auch Selektion.

Lena Kohlmayr: Wir haben im kuratorischen Prozess von Anfang an versucht die Projekte und Beiträge vom Inhaltlichen heraus zu denken und uns nicht von den technischen Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten leiten zu lassen. Wir sehen das Medium Instagram eher als Kommunikationskanal anstatt als Präsentationsplattform für künstlerische Prozesse oder Arbeiten.

Martina Schöggl: Ja, wobei es auch spannend sei kann, Instagram künstlerisch zu bearbeiten.

Li Falkensteiner: Auch innerhalb der Universität haben wir festgestellt, dass es unterschiedliche Herangehensweisen in Hinblick zu Digitalisierung und virtuellem Raum gibt - einige Abteilungen sind dem Digitalen sehr nahe, andere weniger. Deshalb gibt es auch so vielfältige und auch dezidiert kritische Auseinandersetzungen mit dem Thema.

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Abteilung für Grafik Design: Pauline Jocher, Marlene Kager, Maris Nisu, Maximilian Prag »AInimals«, 2020.

Die »AInimals«, die von der Abteilung für Grafik Design entwickelt wurden, zieren in diesem Jahr eure Werbesujets. Welche Analogien lassen sich hier zu der alternativen Ausrichtungsform des Festivals ziehen?

Li Falkensteiner: Die AInimals wurden eigentlich schon Anfang des Jahres von Studierenden der Abteilung Grafik Design entwickelt, also bevor Corona überhaupt ein Thema war. Sie sind eine kritische und zugleich humorvolle Auseinandersetzung mit  digitalen Prozessen, Artificial Intelligence und künstlich generierten Visualisierungen dar.

Lena Kohlmayr: Eine weitere Lesart sind auch die Übergänge von Mensch zu Tier, die Zoonosen und die unendlich vielen unterschiedlichen visuellen Ergebnisse bei der Generierung.

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