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Foto von Ina Aydogan
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Foto von Ina Aydogan

Von Menschenausstellungen und Alltagsrassismen: »WHAT’S THE DIFFERENCE?« bei imagetanz

March 19, 2019
Text by Wera Hippesroither
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Foto von Ina Aydogan

Cat Jimenez und Maiko Sakurai Karner verarbeiten in »WHAT’S THE DIFFERENCE?« ihre eigenen Erfahrungen mit Fremdenfeindlichkeit und gewähren einen künstlerischen Blick in den Alltag von in Österreich lebenden Asiatinnen.

Karner beäugt Jimenez kritisch aus der Distanz und beginnt dann, sie mit immer mehr und mehr Stofffetzen und Kleidungsstücken zu behängen. Sie lagert so viele Schichten übereinander, dass die Performerin kaum mehr zu sehen ist. Jimenez steht ganz ruhig da. Nur die Augen lugen noch hervor, doch Karners Blick auf sie bleibt misstrauisch. So ausgekleidet scheint sie ihr immer noch nicht zu gefallen. Sie entfernt sich und erst nach und nach gelingt es Jimenez, sich der Stoffberge zu entledigen und sich zu befreien. Die alltäglichen Erfahrungen aus dem Leben einer Philippina und einer Halbjapanerin, die in Österreich leben und ihren Platz zwischen zwei Kulturen erst finden mussten, verpacken die Künstlerinnen in eine aufrüttelnde Choreographie. Dabei ist nicht nur deutlich, wie die eigene Identität mit bunten Stoffen überladen und ausgeschmückt wird; in einer anderen Szene ist Jimenez in einer Art Spinnennetz gefangen und windet sich zwischen Fäden, die ihr kaum Bewegungsfreiheit lassen. Karner hantiert dann mit metallenen Rahmen, die sie begutachtet und über sich selbst, dann über ihre Partnerin stülpt und sich in dieser Rahmung ausprobiert. Auch Referenzen an verschiedene asiatische Kulturen kommen nicht zu kurz. So legen alle BesucherInnen ihre Schuhe vor dem Eintreten ab und ziehen die bereitgestellten Hauspatschen an, bevor sie eine aus Papier gefaltete Kirschblüte überreicht bekommen und in einer von Jimenez getanzten Szene lassen sich Bewegungsmuster erkennen, die an die chinesische Kampfkunst Taijiquan erinnern.

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Foto von Ina Aydogan

Das Spannende ist aber die Form, die das Duo für »WHAT’S THE DIFFERENCE?« gewählt hat. Performt wird in den Räumlichkeiten der ehemaligen TBA21 im Augarten, in der das diesjährige imagetanz Festival wegen dem Umbau des Künstlerhauses angesiedelt ist. Ein Museumsraum also. Das spiegelt sich dann auch in der Performance wieder: Es gibt weder einen Publikums- noch einen Bühnenraum, wir können uns frei bewegen, uns irgendwo hinsetzen oder stehenbleiben und herumschlendern. Performt wird immer woanders und auch zwischen den ZuschauerInnen. Jede Szene hat einen anderen Ort im Raum und ist dabei beschriftet. Wie Malereien, die im Museum an der Wand hängen, haben die einzelnen Szenen einen Namen und ein Datum, festgehalten mit einem Titel an der weißen Wand. Mich erinnert dieses Beschriften ausgestellter menschlicher Szenen an die lange rassistische Tradition der Menschenausstellung, eine beliebte Attraktion etwa auf Jahrmärkten des 18. Jahrhunderts oder auf Weltausstellungen, die maßgeblich mit der Historie des Theaters verknüpft ist. Karner und Jimenez erhöhen den dem Theater ohnehin innewohnenden Schauaspekt und doppeln so auf gewisse Weise den existenten rassistischen Blick auf sich selbst, der so nicht nur zum Ausgangs- sondern auch zum Angelpunkt der Performance wird.

»WHAT’S THE DIFFERENCE?« zeigt die Auswirkungen von Alltagsrassismen und fremdenfeindlichen Grauslichkeiten, mit denen sich sogenannte AusländerInnen in Österreich herumschlagen müssen. Den täglichen Kampf um Anerkennung und eine eigene Identität zwischen zwei Kulturen verpacken Karner und Jimenez in eine kraftvolle und mitunter ernüchternde Choreographie, die sich das Setting des musealen Raumes zunutze macht und in die Performance verwebt. Mit dieser klugen Doppelung eines exotisierenden Blicks können auch wir ZuseherInnen unseren eigenen Umgang – nicht nur mit asiatischen – MitbürgerInnen befragen.

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