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Romeo Castellucci / Socìetas: La vita nuova. Foto von Stephan Glagla
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Apichatpong Weerasethakul: Fever Room. Courtesy of Kick The Machine Films
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Toshiki Okada / chelfitsch: Five Days in March Re-creation. Foto von Hideto Maezawa
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Sarah Vanhee: Oblivion. Foto von Bernhard Mueller
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Ictus: Pneuma. Foto von Jarek Frankowski
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Bouchra Ouizguen: Corbeaux. Foto von Hasnae El Ouarga, Compagnie O

The Ultimate Guide to Wiener Festwochen 2019

May 5, 2019
Text by Wera Hippesroither
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Romeo Castellucci / Socìetas: La vita nuova. Foto von Stephan Glagla

Über einen Zeitraum von fünf Wochen präsentieren die Wiener Festwochen Arbeiten und Inszenierungen von mehr als 40 KünstlerInnen. Wera Hippesroither empfiehlt 11 Programmpunkte!

Die Festwochen punkten unter der neuen Intendanz von Christophe Slagmuylder, der bisher das Brüsseler Kunstenfestivaldesarts gestaltete, mit besonders vielen interdisziplinären Formaten. Neben Fixgrößen wie Anne Teresa De Keersmaeker, René Pollesch oder Romeo Castellucci überraschen nicht nur Produktionen, die Genre-, sondern auch (theater-)räumliche Grenzen überschreiten. Neben den schon bekannten Gösserhallen wird beispielsweise unbekanntes Terrain in der Donaustadt erschlossen.

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Apichatpong Weerasethakul: Fever Room. Courtesy of Kick The Machine Films

Apichatpong Weerasethakul: Fever Room

Fever Room ist die erste Bühnenarbeit des thailändischen Filmemachers und war bereits 2016 beim Steirischen Herbst und beim Kunstenfestivaldesarts zu sehen. Oszillierend zwischen Traum, persönlicher Biographie und Geisterwelt tauchen die ZuschauerInnen in diesen selbstdefinierten »dreidimensionalen Film« ein und begeben sich auf eine mystische Reise zwischen Leben und Tod.

René Pollesch: Deponie Highfield

Die Fixgröße der Berliner Volksbühne ist wieder in Wien zu Gast und präsentiert die Burgtheater-Koproduktion Deponie Highfield, das im Rahmen der Festwochen uraufgeführt wird. Pollesch fungiert hier wie so oft als Regisseur und Autor, inhaltlich beschäftigt sich das Stück mit Konventionen der gesellschaftlichen Repräsentation von Mann und Frau, ihren Möglichkeiten und möglichen blinden Flecken.

Phia Ménard / Compagnie Non Nova: Contes Immoraux – Partie 1: Maison Mère

Phia Ménard ist nicht nur ausgebildete Zirkusakrobatin und Performance-Künstlerin, ihre Arbeiten bewegen sich oft zwischen Tanz und Theater und vereinen die jeweiligen Genreeigenheiten. Die Contes Immoraux – Unmoralische Geschichten – sind ein Zyklus, dessen ersten Teil wir hier zu sehen bekommen. Die mit der documenta 14 koproduzierte Performance beschäftigt sich mit dem Zuhause Europas. Ménard tritt als futuristische Göttin Athene auf, um ein riesengroßes Kartonhaus auf der Bühne zu errichten, dessen instabiles Papiermaterial zwar ein Dach über dem Kopf schafft, gleichzeitig aber an die notdürftigen Behausungen geflüchteter und obdachloser Menschen erinnert.

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Toshiki Okada / chelfitsch: Five Days in March Re-creation. Foto von Hideto Maezawa

Toshiki Okada / chelfitsch: Five Days in March Re-creation

Five Days in March wurde 2004 in Tokio aufgeführt und gilt als state-of-the-art des zeitgenössischen japanischen Theaters. In einem politischen Kontext erzählen japanische Jugendliche von fünf Tagen im März, wobei aufwühlende Rahmenbedingungen um Krieg, Proteste und gesellschaftliche Schwierigkeiten auf geradezu banale Erzählungen über erste Liebe, Freundschaften und Parties treffen. Diese Gegensätzlichkeit und seltsame Apathie führt zu besonders expressiven Tanzbewegungen. Re-Creation ist eine Reflexion mit neuen DarstellerInnen und vor einer veränderten politischen Folie: diesmal werden die Erfahrungen der Jugendlichen mit der Nuklearkatastrophe von Fukushima kontextualisiert.

Romeo Castellucci / Socìetas: La vita nuova

Politik, Arbeit und gesellschaftliche Werte sind abgemeldet. Die jüngste Arbeit des Festwochen-Stammgastes Castellucci (Ende 2018 uraufgeführt) spielt in einem ausgestorbenen Parkhaus und beschäftigt sich mit dem Thema Neuanfang. Eine seltsame Bruderschaft will hier einen Messias heraufbeschwören, der das Leben der gesamten Menschheit verbessern soll. Mit künstlerischer Radikalität verfolgt La vita nuova das Ziel, den Spielort der Gösserhallen zu einem paradiesischen Transformationsraum zu machen, in dem die Kunst des Lebens erlernt werden soll.

Béla Tarr: Missing People

Der bedeutende ungarische Filmemacher präsentiert mit Missing People ein Auftragswerk der Festwochen, das für Menschlichkeit eintritt. Hingeschaut wird hier und zwar auf diejenigen Personen, die dem gesellschaftlichen Blick üblicherweise entfallen: »die Unsichtbaren«. Von Armut oder Obdachlosigkeit Gezeichnete sind die ProtagonistInnen in diesem interdisziplinären Format zwischen Film, Installation und Livemusik. »Missing People« erinnert an die blinden Flecken der eigenen Wahrnehmung und macht die elitäre Position, die wir als Publikum im Theater einnehmen, auf schmerzlich-eindringliche Weise bewusst.

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Sarah Vanhee: Oblivion. Foto von Bernhard Mueller

Sarah Vanhee: Oblivion

Für alle KonMari-Fans: die belgische Performerin Vanhee widmet Oblivion (CAMPO-Koproduktion) den unzähligen Dingen, die wir täglich wegwerfen. Ein Jahr lang sammelte sie materiellen und immateriellen Abfall, den sie nun ganz ordentlich in beschriftete Kisten verpackt, auf der Bühne präsentiert und Stück für Stück auseinandernimmt. Nicht nur um Fragen des Konsums geht es hier, denn in den Kisten finden sich auch Hautschuppen, Körperflüssigkeiten oder verworfene zwischenmenschliche Beziehungen, die nicht mehr funktionierten. So ergeben sich im Dialog mit den vergessenen Dingen überraschende Assoziationen, Geschichten und vor allem eines: ein Blick auf die Dinge, die vielleicht doch wichtiger sind als wir denken.

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Ictus: Pneuma. Foto von Jarek Frankowski

Ictus: Pneuma

Das Brüsseler Ictus Ensemble für zeitgenössische Musik zeigt in Kooperation mit dem Wiener Konzerthaus die Uraufführung Pneuma, gewissermaßen ein Atemstück. Irgendwo zwischen Konzert und Installation können sich die ZuschauerInnen frei bewegen und sich selbst einen Platz suchen in diesem besonderen Raum. Das Musikstück befasst sich mit dem menschlichen Atem und findet in einer Art Blase statt, die Geräusche der Atmung sind als Instrument genauso wichtig wie die klassischen Instrumente Geige und Querflöte.

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Bouchra Ouizguen: Corbeaux. Foto von Hasnae El Ouarga, Compagnie O

Schwerpunkt Donaustadt: Corbeaux, undercurrents, Beat House Donaustadt

Am 11. Mai können unbekannte Räume in der Donaustadt erschlossen werden: gleich drei Produktionen finden im 22. Bezirk statt und beschäftigen sich auf die eine oder andere Weise mit den räumlichen Gegebenheiten. Corbeaux von Bouchra Ouizguen beschäftigt sich mit der Kraft von Ritualen und steigert sich in einen Trance-artigen Tanz. Undercurrents von Sarah Vanhee widmet sich den künstlerischen Potenzialen des Schreis. Schreien betrachtet Vanhee als demokratisches Grundrecht, die Produktion wurde mit BewohnerInnen des 22. Bezirks erarbeitet und eröffnet die Möglichkeit, einfach mal zu schreien. Anna Witts Beat House Donaustadt untersucht Gemeindebauburgen als lebende Utopien und Festungen gegen Faschismus. Die Produktion richtet den Blick auf BewohnerInnen des Alfred Klinkan Hofs, lässt deren Herzschläge laut erklingen und stellt die Frage, was diese Einzelpersonen miteinander verbindet, wie Gemeinschaft zustande kommt.

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Foto von Nora Hollstein

Olga Holzschuh: »Welcher Konstitution ordnen wir uns unter?«

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