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Foto von Marie Haefner
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Marlene Obermayer: Das Kunstbuch als eigener Raum

October 4, 2019
Text by Paula Thomaka
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Foto von Marie Haefner

Marlene Obermayer spricht über ihr Engagement für die Förderung der Publishing-Szene, die Spannungsfelder, in denen sich das Kunstbuch bewegt, und die Vienna Art Book Fair.

Die Vienna Art Book Fair #1 ist die erste unabhängige Kunstbuchmesse Wiens und findet vom 4. bis 6. Oktober 2019 statt. Marlene Obermayer, die alleinige Organisatorin der Vienna Art Book Fair, außerdem Gründerin von Das Kunstbuch und Leiterin des Archives des steirischen herbsts, möchte mit der Messe das Kunstbuch als gleichwertiges Teil der Kunstwelt etablieren. Ein Interview von Paula Thomaka.

Wie bist du zum Kunstbuch gekommen?

Meine Liebe zu den Künstlerbüchern ist während meiner Tätigkeit in der mumok Bibliothek entstanden. Dort habe ich sieben Jahre gearbeitet und hatte Tausende Bücher in der Hand. Diese Bibliothek ist ein Geheimtipp, in der sich ziemliche Schätze aus den 1960er und 1970er Jahren verbergen. Die Haptik sowie die intensive Auseinandersetzung faszinieren mich und ich habe schnell gemerkt, dass ich einen totalen Zugang zu diesen Büchern habe. Konzeptkunstbücher sind beispielsweise unscheinbare Heftchen und zugleich unglaublich spannend, da man sich sehr lange mit ihnen beschäftigen muss. Die Idee steht im Fokus und diese wird im Katalog fertig gedacht. Deswegen ist das Künstlerbuch für mich ein eigener Raum, der sich erst durch das Durchblättern erschließt.

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Foto von Marie Haefner

Du sprichst explizit vom Künstlerbuch, nicht vom KünstlerInnenbuch. Sollte der Begriff nicht gegendert werden?

Vor Kurzem hatte ich darüber eine Diskussion mit Regine Ehleiter, die auch die Ausstellung »Re:Groups« auf der Vienna Art Book Fair #1 kuratiert. Uns ist aufgefallen, dass gerade in Wien KünstlerInnenbuch gesagt wird. Künstlerbuch ist an sich ein fester Begriff der Kunstgeschichte. Es ist, als würde ich Expressionismus sagen. Allerdings gibt es diese Begrifflichkeit erst seit kurzem, woraus sich natürlich ein Spannungsfeld und offene Fragen ergeben, die es zu diskutieren gilt.

Was sind die Gründe, warum Kunstbücher in Wien bisher nicht so viel Beachtung gefunden haben und wie kann die Vienna Art Book Fair diesen Umstand ändern?

Bisher gab es in diesem Ausmaß noch keine Messe für Kunstbuch in Wien. Mein großes Vorbild ist Printed Matter, Inc., die 2006 die NY Art Book Fair gegründet haben. Weltweit gibt es ungefähr 80 Messen dieser Art und ich halte es für wichtig, dass mindestens alle zwei Jahre eine Kunstbuchmesse in einer großen Stadt stattfindet. Dadurch erhalten KünstlerInnen die Möglichkeit, ihre produzierten Zines sowie Publikationen zu präsentieren, denn sie können nicht im üblichen Buchhandel erworben werden. Eine Messe bietet darüber hinaus die Möglichkeit sich zu vernetzten und fungiert als Ort des Treffens und Austauschs über Kreativität, Buchgestaltung und ein gegenseitiges Weiterhelfen.

Es gibt eine kleine, aber feine Szene in Wien mit Mark Pezinger Books, Black Pages oder dem Harpune Verlag, um ein paar Beispiele zu nennen. Bernhard Cellas Salon für Kunstbuch ist für mich ein wichtiger Ort in Wien. Die wirklich große Bühne blieb ihnen bisher aber verwehrt. Ich bin überzeugt, dass die Messe das ändern kann.

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Foto von Marie Haefner

Welchen Stellenwert wird dem Publishing sowie dem Kunstbuch in der Kunstwelt generell zugestanden?

Das Künstlerbuch wird tendenziell als Nebenprodukt künstlerischen Schaffens wahrgenommen. Beispielsweise treten auf der Vienna Contemporary oder der Parallel Vienna Künstlerbücher nur am Rande in Erscheinung. Deswegen findet die Vienna Art Book Fair unabhängig von diesen großen Kunstveranstaltungen statt, um die Eigenständigkeit des Publishings anzuerkennen und die Wertschätzung dafür zu steigern.

Welche Empfehlungen hast du für die Vienna Art Book Fair?

Meine ganzen Lieblinge kommen. Es freut mich, dass die Wiener Szene endlich eine Bühne bekommt. Es präsentieren sich auch einige Indie-Magazine, wie das C/O Vienna Magazine, Auslöser, Are We There Yet oder Blank. Sehr dankbar bin ich für die Förderung der US-amerikanischen Botschaft, die es ermöglicht hat, Printed Matter, Inc., Primary Information und Half Letter Press/Temporary Services einzuladen. Beide sind zum ersten Mal in Österreich, das ist wirklich etwas Besonderes.


Max Schumann, der Direktor von Printed Matter, Inc., wird die Keynote »The Possibilities of the Artists’ Book« halten. Wenn wir schon nicht nach New York kommen können, holen wir sie eben nach Wien. Paul Shortts Performance »How To Art Book Fair« wird ein schöner Einstieg für die erste Wiener Kunstbuchmesse sein.

HOMOCATS kommt speziell auf meine Einladung – in seine lustigen politischen Katzen-Artzines habe ich mich sofort verliebt. 2015 lernten wir uns auf der NY Art Book Fair kennen und scherzten darüber, dass ich ihn einladen würde, sollte ich jemals eine Kunstbuchmesse veranstalten. Jetzt ist es endlich soweit!

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Photo by Marie Haefner

»Curated By« Interview Series: Ed Fornieles

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