pw-magazine-vienna-mademoiselle-x-impulstanz-maria-metsalu pw-magazine-vienna-mademoiselle-x-impulstanz-maria-metsalu
Foto von Alan Proosa
pw-magazine-vienna-mademoiselle-x-impulstanz-maria-metsalu pw-magazine-vienna-mademoiselle-x-impulstanz-maria-metsalu
Foto von Alan Proosa
pw-magazine-vienna-mademoiselle-x-impulstanz-maria-metsalu pw-magazine-vienna-mademoiselle-x-impulstanz-maria-metsalu
Foto von Alan Proosa
pw-magazine-vienna-mademoiselle-x-impulstanz-maria-metsalu pw-magazine-vienna-mademoiselle-x-impulstanz-maria-metsalu
Foto von Alan Proosa

»Mademoiselle X« sucht mit Kerzendildos und schaulustigen Zombies das ImPulsTanz heim

August 10, 2019
Text by Wera Hippesroither
pw-magazine-vienna-mademoiselle-x-impulstanz-maria-metsalu
Foto von Alan Proosa

Die Performance Mademoiselle X der Estin Maria Metsalu wartet mit viel Kunstblut und Zombiefilmästhetik auf, aber wer hier wirklich für untot zu erklären ist, bleibt unklar.

Die ZuschauerInnen versammeln sich um ein mit Kunstblut gefülltes Becken, das die Mitte des Raumes markiert. Maria Metsalu wartet schon darin und nach einigem Plätschern wuchtet sie ihren nahezu regungslosen Körper aus der Wanne. Auf allen Vieren kriecht sie ins Publikum hinein, klammert sich immer wieder an Schuhen von ZuseherInnen fest, um sich vorwärts zu ziehen. Ihre Bewegungen sind ruckartig und werden von regungslosen Gliedmaßen erschwert. So schleppt sich die Performerin dann quer durch den großzügigen Raum in den Hofstallungen des Museumsquartiers. Mal werden die Publikumsmitglieder, die zu nahe am Becken stehen, mit reichlich Kunstblut bespritzt, dann interagiert die Performerin mit ihren zwei im Raum wartenden Zombiepuppen – Alter Egos ihrer Bühnenfigur Mademoiselle X. Klassischer Horrorfilmsoundtrack, ein schauriges Kostüm, Nebelschwaden und brennende Stabkerzen, die in unterschiedlichsten Körperöffnungen stecken, vervollständigen das leicht trashige, aber doch mystisch anmutende Setting.

pw-magazine-vienna-mademoiselle-x-impulstanz-maria-metsalu
Foto von Alan Proosa

Was hier passiert, weiß eigentlich niemand so genau. Aber egal, wohin es die Performerin verschlägt und welche Aktion vollzogen wird, das Publikum folgt. Um gut sehen zu können, versetzt es sich ständig in Bewegung. Im egalitär organisierten Raum gibt es keine Trennung zwischen Performerin und ZuschauerIn, es gibt weder Sitzplätze noch -kategorien. Das Geschehen rückt bedrückend nahe und wirkt abstoßend, doch die voyeuristische Schaulust siegt. Das wird spätestens dann klar, als mit großer Neugier sehr nahe an die Performerin gerückt wird, wenn sie eine der Kerzen zum Dildo umfunktioniert.

pw-magazine-vienna-mademoiselle-x-impulstanz-maria-metsalu
Foto von Alan Proosa

Inhaltlich passiert abgesehen vom eindeutigen Setting nicht viel, einer Erzählung ist kaum zu folgen, die Aktion gestaltet sich in nicht zusammenhängende Kurzszenen. Auf formaler Ebene ist »Mademoiselle X« umso interessanter, denn das gewählte Zombie-Thema wird geradezu auf das Publikum übergestülpt. Wie eine Herde, die blind vom Voyeurismus getrieben wird, folgt es der Performerin überallhin, auch wenn jede Aktion nach den gleichen Schemata ausgeführt wird und wenig Neues verspricht.

pw-magazine-vienna-mademoiselle-x-impulstanz-maria-metsalu
Foto von Alan Proosa

Die Lust am Blut, am Grauslichen und Erotisierten scheint größer zu sein als der Ekel. Es ist die Sensationsgeilheit, die das Publikum zu Zombies geraten lässt und das Grundmotiv aktiv überträgt. Bemüht man sich dann, von der Performance implizit angesprochene Themenkomplexe auszumachen, kann »Mademoiselle X« als Kritik gegenüber einer passiven Konsumhaltung im Theater- und Kunstkontext verstanden werden. Eine solche Haltung zeichnet sich zwar durch die Bereitschaft aus, auch schwer Verdauliches auf der Bühne zu betrachten oder dies geradezu zu genießen, aber nur aus sicherer Distanz im als passiv designierten Publikumsraum.

Next article

pw-magazine-akemi-prochart-zzremix-vienna-impulstanz
Foto von Helmut Prochart

Die Vermessung des Selbst: Akemi Takeyas »ZZremix«

About

PW-Magazine is a bilingual online magazine for contemporary culture.