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Loretta Fahrenholz, aus »Two A.M.«, 2019, Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York
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Loretta Fahrenholz, aus »Two A.M.«, 2019, Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York
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Loretta Fahrenholz, aus »Two A.M.«, 2019, Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York
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Loretta Fahrenholz, aus »Two A.M.«, 2019, Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York

Kino nach Cambridge Analytica: Loretta Fahrenholz über »Two A.M.«

December 17, 2019
Text by Lewon Heublein
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Loretta Fahrenholz, aus »Two A.M.«, 2019, Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York

Subjektivierung und soziale Kontrolle durchziehen thematisch Loretta Fahrenholz’ filmisches Schaffen. In ihrem ersten, fieberhaften Langspielfilm Two A.M. kreiert die in Berlin lebende Künstlerin ein Klima körperlicher und sozialer Unruhe.

»Two A.M.« ist ein Sci-Fi-Fairytale über die verschiedenen Staatsformen der Überwachung und basierend auf dem Roman »Nach Mitternacht« von Irmgard Keun aus dem Jahr 1937, der aus der Perspektive der 17-jährigen Sanna die Zeit des Nationalsozialismus beschreibt.

In »Two A.M« vermischt sich die Handlung des Romans mit der Geschichte der DDR und einer fiktionalen Zukunft in der Cyberpunk das neue Normcore geworden ist. Sanna entflieht nicht mehr ihrer nationalsozialistischen Familie, sondern den mit telepathischen Kräften ausgestatteten Watchers. In Berlin angekommen entzaubert das emotionale Elend von Sannas Umfeld das Versprechen der Großstadt. Nach der Premiere im ICA London war die Langspielfassung des Films unter anderem im mumok kino zu sehen.

»Two A.M.« zeigt, wie Digitalisierung unsere Körper und unsere Subjektproduktion prägt. Welche Beobachtungen sind konkret in den Film geflossen?

Ein sich veränderndes Verhältnis zwischen innen und außen, Subjekt, Objekt und Zeitlichkeit und die Frage, was das fürs Filmemachen bedeutet.

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Loretta Fahrenholz, aus »Two A.M.«, 2019, Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York

Der große Unterschied zu den historischen Folien des Filmes liegt darin, dass sich Überwachung kapitalisiert hat.

Die politischen Effekte sind ja ganz konkret sichtbar. Ich habe die narrativen Teile von »Two A.M.« 2016 gedreht, da war die Tragweite dieser Entwicklung noch gar nicht absehbar. Im Laufe der Postproduktion wurde dementsprechend auch der Film düsterer.

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Loretta Fahrenholz, aus »Two A.M.«, 2019, Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York

Du castest hauptsächlich aus deinem persönlichen Umfeld. So werden die Akteur*innen in deinen Filmen zu Expert*innen des Alltags des Kunstbetriebes. Kannst du deinen Umgang mit den Darsteller*innen etwas genauer beschreiben?

Filmen ohne Geld ist immer eine Mischung aus ökonomischer Notwendigkeit, Chaos und Gemeinschaft, egal in welchem Kontext man sich bewegt. Für mich geht es da eher um Vertrauen als eine Art Währung, die auf der Leinwand eine eigenständige Form produziert, unabhängig von persönlichen Umständen.

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Loretta Fahrenholz, aus »Two A.M.«, 2019, Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York

Überwachung wird in »Two A.M.« nicht als das überlegende Böse symbolisiert, sondern als soziales System, in dem alle Beteiligten ihre eigene Überwachung selbst mitproduzieren. Die leicht wacklige Kamera deutet eine Zeugenschaft der Betrachter*innen an, während die Egoshooter-Perspektive der Watchers verschwommen einen dokumentarischen Gestus aufweisen.

Genau, die Eindeutigkeit des einen oder anderen ist wohl aufgehoben. Verschiedene Rollen verlegen sich im Postcinema vielleicht ins Innere der einzelnen Charaktere. Von Auto-Erotik zu Selbstüberwachung dampfen sich klassische Plots zusammen, alles wird immer kleiner, auch die Dramen.

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