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Foto von Marie Haefner
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Independent Space Index: Die »freie Szene« als Institution

October 9, 2019
Text by Christian Glatz
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Foto von Marie Haefner

Mit Independent Space Index präsentieren sich die Wiener »Project Spaces« vom 10. bis 12. Oktober gemeinsam mit Eröffnungen, Screenings, Vorträge, Führungen und Performances. Der Independent Space Index ist ein umfassendes Verzeichnis und Repräsentionsplattform der unabhängigen Kunsträume in Wien und gleichzeitig Namensgeber des festivalähnlichen Programms. Bruno Mokross und Fanny Hauser, zwei der Verantwortlichen von Independent Space Index, klären auf über staatliche Subventionen, sprechen über Selbstausbeutung und begrüßenswerte institutionelle Annäherungen.

Welches Fazit zieht ihr zwei Jahre nach der Gründung von Independent Space Index?

Fanny Hauser: Die unabhängige Szene in Wien scheint immer mehr an Bedeutung in Wien zu gewinnen und hat in den vergangenen zwei Jahren auch viel Aufmerksamkeit bekommen. Ausstellungen wie »Über das Neue« im Belvedere 21 aber auch das wachsende Interesse an unserer Arbeit vonseiten des Kunstmarktes — wie etwa der Georg Kargl Galerie, der Vienna Art Week oder der Kunstmesse Parallel Vienna — zeigen, wie wichtig die junge, unabhängige Szene in Wien geworden ist.

Bruno Mokross: Dass der Index als Interessensgemeinschaft und Repräsentationsplattform sowie als Plattform für internen Austausch zwischen Betreiber*innen existiert, hilft dabei, unsere Arbeit zu kontextualisieren und uns oftmals in unserem Selbstverständnis und bei verschiedenen individuellen Entscheidungen zu bekräftigen.

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Der Independent Space Index wurde auch als Antwort auf die drohenden Kürzungen von staatlichen Förderungen gegründet. Wie hat sich die Lage seitdem entwickelt?

FH: Die politische Lage in Österreich hat sich seitdem bekanntlich mehrmals stark gewandelt und es ist fast unmöglich zu sagen, welche Auswirkungen das auf lange Sicht haben wird. Prinzipiell lässt sich zusammenfassen, dass auf Bundesebene für manche Räume Budgetkürzungen und -streichungen stattgefunden haben, die meisten bisher subventionierten Räume aber auch weiterhin gefördert werden oder sogar mehr Geld erhalten haben.

BM: Wir versuchen seit Beginn, unsere Anliegen auch auf politischer Ebene zu kommunizieren. Wichtig ist uns eine nachhaltige Förderung von bestehender Infrastruktur und ein Bewusstsein für die über lange Zeit gewachsene Szene, die durch ein Wegfallen von staatlichen Fördermitteln in der jetzigen Form und Vielfalt stark gefährdet wäre.

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Vordergründig existiert der Eindruck, dass die Wiener »Offspace-Szene« wächst und gedeiht. Teilt ihr diese Ansicht?

FH: Auf jeden Fall! Die Wiener Off-Szene existiert zwar bereits seit vielen Jahren, die Aufmerksamkeit, die diese Szene jedoch seit einiger Zeit generiert, ist nicht zu unterschätzen. Die unabhängige Wiener Szene bildet für viele der lokalen Künstler*innen nicht nur eine der ersten Möglichkeiten außerhalb der Kunsthochschule auszustellen, aber oftmals auch die einer ersten Einzelausstellung. Viele der Protagonist*innen aus Institutionen oder aus dem Kunstmarkt verfolgen das Programm der Spaces mit großem Interesse und verschaffen sich so einen Überblick über die Szene.

BM: Aber auch internationale Vernetzung beginnt oft in »Project Spaces«. Ich denke, es gibt in Wien ein gutes Bewusstsein für das Potenzial von selbstorganisierten, kleinen und unabhängigen Kulturinitiativen im Vergleich zu kommerziellen Galerien und großen Institutionen.

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Foto von Marie Haefner

Auf eurer Website sind rund 60 unabhängige Kunsträume verzeichnet. Kann es in einer Stadt zu viele Independent Spaces geben?

FH: Die Ausrichtung der bislang gelisteten Räume könnte unterschiedlicher nicht sein: Von diversen inhaltlichen Schwerpunkten wie Sound, Performance, Architektur oder Diskurs bis hin zu den individuellen und oftmals sehr charakteristischen Räumlichkeiten, die sich meist in ehemaligen Ladenlokalen, Kellern oder Wohnungen befinden und über die ganze Stadt verteilt sind. Ich denke also nicht, dass die Räume in Konkurrenz zueinanderstehen.

BM: Problematisch wird es dann, wenn sich die Stadt Wien und das Bundeskanzleramt entscheiden sollten, die über Jahre gewachsene Vielfalt der Räume nicht weiter zu fördern. Aber ich denke, die wachsende Anzahl auch öffentlich geförderter Projekträume ist ein guter Indikator für die hohe Motivation der Kulturschaffenden und die Bereitschaft der Stadt und des Landes, diese Motivation anzuerkennen.

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Was denkt ihr über die zunehmende Professionalisierung der »jungen« Kunstszene?

BM: Ich glaube nicht, dass Professionalisierungsdruck bloß Menschen in der Kunstszene betrifft. Allerdings ist die Kunst ein Feld, in dem trotz eines hohen Grades an Professionalität gerade bei jungen, motivierten Kulturschaffenden extrem viel unter- und unbezahlte Arbeit geleistet wird und oft nicht einmal jahrelange Selbstausbeutung einen Weg in halbwegs stabile Verhältnisse garantiert. Man kann also von einer Prekarisierung künstlerischer Arbeit sprechen, während gleichzeitig eine Romantisierung von problematischen Arbeitsverhältnissen und Strukturen stattfindet – unentgeltliche Arbeit »aus Liebe zur Kunst«. Ich finde es höchst begrüßenswert, dass sich junge Kulturschaffende zunehmend dem Wert ihrer Arbeit bewusstwerden.

FH: Auch wenn der Anspruch an eine professionalisierte Arbeitsweise natürlich oft auch gewisse Erwartungshaltungen steigert, habe ich prinzipiell nichts gegen eine »Professionalisierung« auszusetzen. Es sollte allen Akteur*innen der unabhängigen Szene freizustehen, selbst zu entscheiden wie sie arbeiten möchten. Was mir allerdings viel mehr Sorgen bereitet ist die unentgeltliche Arbeit, die Künstler*innen, Kurator*innen und andere Kulturschaffende dabei — oftmals auf höchstem Niveau — leisten. Ich halte es für unabdingbar, über prekäre Arbeitsverhältnisse zu sprechen und transparent zu sein.

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Die umstrittene Ausstellung »Über das Neue. Junge Szenen in Wien«, die heuer im Frühjahr im Belvedere 21 stattfand, warf die Frage auf, wie viel Nähe sich eine unabhängige Szene zu Institutionen erlauben darf. Was ist eure Meinung dazu?

BM: Ich bin nicht der Meinung, dass eine unabhängige Szene im Widerspruch zur Institution steht. Im Gegenteil könnte man behaupten, dass die Gesamtheit der unabhängigen oder »freien« Szene genauso eine Institution darstellt wie Museen, Kunsthallen oder Messen. Trotzdem agiert jeder einzelne Space natürlich nach eigener Überzeugung, und die kann – und sollte vielleicht sogar – inhärent institutionskritisch sein. Klar im Bewusstsein, dass jede Kritik im Rahmen der Institution sofort von ihr geschluckt wird… Es ist ein kompliziertes Verhältnis. Aber abgesehen davon finde ich die Arbeit, die das Kuratorenteam vom Belvedere 21 rein strukturell und im Rahmen der Möglichkeiten dieser Ausstellung geleistet hat, vorbildlich: Jeder Space hat ein Budget gestellt bekommen und eine inhaltliche Carte Blanche, die Auswahl der Spaces war sehr differenziert und ich hatte den Eindruck, dass die Arbeit, die wir als Betreiber*innen geleistet haben, wertgeschätzt wird.

FH: Das Problem bei einer Ausstellung wie jener im Belvedere 21 ist natürlich immer die Selektion, wobei »Über das Neue« auch nie den Anspruch auf Vollständigkeit gestellt hat. Auch wenn man mit einer solchen Ausstellung leider niemals alle Menschen glücklich machen kann, finde es generell sehr begrüßenswert, dass es diesen Annäherungsversuch gab. Man könnte durchaus auch wieder über eine langfristigere Ausstellungsreihe nachdenken, wie etwa damals »Lebt und arbeitet in Wien« in der Kunsthalle Wien. Lokale Künstler*innen sollten die Möglichkeit haben auch über die »Offspace-Szene« hinaus auszustellen, um sich auch in etablierteren Institutionen entfalten zu können.

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Zum Schluss: An drei Tagen im Oktober präsentiert ihr gemeinsam ein vielfältiges Programm. Was sind eure Highlights?

Das Programm fokussiert sich am Eröffnungstag (Donnerstag, 10. Oktober) auf Spaces nahe der Wienzeile: Guimaraes, Pina, SUPER und Size Matters. Es gibt auch eine Intervention von Philomena+ am Hauptbahnhof und zwei Openings im 1. Bezirk: VBKÖ und One Mess Gallery. Die meisten Events beginnen um 19 Uhr und man kann alles gut zu Fuß erreichen. Besonders unternehmungslustige Besucher*innen können aber auch noch die Openings bei GOMO und SORT im 2. bzw. 20. Bezirk mitnehmen. Am Ende des Abends findet die Eröffnungsparty mit Anton Kolo, Katia Curie, Nizar Sarakbi, Polyxene, Rumi von Baires und Therese Terror im celeste statt.

Die Events am Freitag sind verteilter, aber gut angebunden: im 20. Bezirk etwa Ausstellungen u.a. bei Kluckyland, New Jörg und Mz* Baltazar; verschiedene Programmpunkte im und um den 16. Bezirk, etwa ein Konzert von Paul Arambula bei Shoefrog; und eine Performance von Chin Tsao bei Pferd im 3. Bezirk. Highlight ist die zweite Edition von THE UNQUESTIONED ANSWER*, dem 12-stündigen feministischen DJ-Lineup bei school in 1050, wo von Mittag bis Mitternacht ausschließlich Tracks von Frauen* gespielt werden – das werden wir auf keinen Fall verpassen.

Am Samstag liegt der Fokus auf dem 2. und 3. Bezirk, wo man wieder gut zu Fuß unterwegs sein kann, mit Events bei Kevin Space, GOMO, See you next thursday, philomena+, Hoast, LLLLLL, White Dwarf Projects. Um 19 Uhr gibt es ein Konzert von Jung an Tagen bei Ssusudio und danach kann man Bar-Hopping betreiben zwischen der Bar Luce bei Foundation mit einer Ausstellung von Marysia Paruzel und der Dependence Bar bei Mauve, wo wir den Abend mit den besten Negronis der Stadt ausklingen lassen werden.

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