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LAX BAR, Christoph Meier, Ute Müller, Robert Schwarz, Lukas Stopczynski, 2019, Wiener Festwochen, Wien. Foto von Ute Müller
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LAX BAR, Christoph Meier, Ute Müller, Robert Schwarz, Lukas Stopczynski, 2019, Wiener Festwochen, Wien. Foto von Ute Müller
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LAX BAR, Christoph Meier, Ute Müller, Robert Schwarz, Lukas Stopczynski, 2019, Wiener Festwochen, Wien. Foto von Ute Müller
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LAX BAR, Christoph Meier, Ute Müller, Robert Schwarz, Lukas Stopczynski, 2019, Wiener Festwochen, Wien. Foto von Ute Müller

Goodbye LAX BAR!

June 28, 2019
Text by Pia-Marie Remmers
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LAX BAR, Christoph Meier, Ute Müller, Robert Schwarz, Lukas Stopczynski, 2019, Wiener Festwochen, Wien. Foto von Ute Müller

Sad-Hour zu Mitternacht, Klavierexerzitien und teurer werdender Gin-Fizz: Für die Wiener Festwochen installierten Christoph Meier, Ute Müller, Robert Schwarz und Lukas Stopczynski die dritte Variation ihrer »Loos Bar«-Kopie in einem ehemaligen Schallplattenladen in Wien Favoriten. Jetzt wird alles abgerissen. Goodbye LAX BAR! Ein Interview von Pia-Marie Remmers.

Die erste Version eurer abgewandelten Loos Bar in Los Angeles bestand aus Pressspan und Fliegengittern. Beim zweiten Mal in Brüssel habt ihr Schilf verwendet und heuer in Wien weiße Kacheln. Wie findet ihr das passende Material?

Christoph: Uns findet eigentlich immer ein Raum, dessen Grundriss sich bis zu einem gewissen Grad mit dem der American Bar von Adolf Loos deckt. In LA war er gleich lang, in Brüssel gleich hoch und breit, in Wien gleich lang und breit, allerdings nur halb so hoch wie das Original. In der sich daraus ergebenden Verzerrung, aber auch in der Distanz zum Original, der Lage vor Ort oder aus der möglichen Erwartungshaltung einer lokalen Szene ergibt sich dann für uns immer ein konstruktiver Kopierfehler, der sich auf Musik, Drinks, aber eben auch das Material anwenden lässt.

Manchmal kamen Leute an die Theke der LAX BAR und sie haben uns erklärt, dass sie soeben von der Seite in den Raum getreten sind, von der man normalerweise aus der Toilette unter der American Bar hochkommt, und dass wir deswegen mit den Fliesen die richtige Wahl der Oberfläche gewählt haben. Das war zum Teil auch unser Ansatz, da wir in Brüssel ja gerade noch unter der Toilette waren. Dort hatten wir den sogenannten Strohkoffer, Wiens ersten Artist-Run Space Anfang der 50er-Jahre, der in einem kleinen Raum unter der Loos-Bar untergebracht war, nachgebaut und als Strohvariante der American Bar interpretiert. Wir bauen also an einem Kippenberg‘schen Metro-Netz, das sich räumlich und auch zeitlich entwickelt. Diesmal fehlen allen Oberflächen in der LAX BAR ihre Identitäten, wir »sehen« alles in schwarz oder weiß und es spielt Bachs wunderbare Kunst der Fuge.

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LAX BAR, Christoph Meier, Ute Müller, Robert Schwarz, Lukas Stopczynski, 2019, Wiener Festwochen, Wien. Foto von Ute Müller

Es gab auch jedes Mal eine andere Auswahl an Drinks und Musik. Wie waren also die Stimmungen in den verschiedenen Bars?

Robert: In jeder Bar gab es unterschiedliche Skalierungsfaktoren der Raumdimensionen, die wir jeweils auf bestimmte Parameter der Musik übertragen haben. Da die Raumhöhe der LAX BAR nur etwas mehr als halb so hoch war wie im Original, haben wir alle Tonhöhen konsequent um 5 Halbtöne nach unten transponiert.

Die Musikauswahl geht Hand in Hand mit der Konzeption, sie muss dem Abstraktionsgrad entsprechen, mit den Transformationen funktionieren aber auch zur Materialauswahl passen. So wurde in der LAX BAR die Auseinandersetzung mit der Kunst der Fuge unvermeidlich und das hat die Stimmung auf jeden Fall stark beeinflusst. Fünfeinhalb Wochen LAX BAR, fünfeinhalb Wochen Klavierexerzitien!

In LA haben wir die Musik um unseren damaligen Skalierungsfaktor 0.65 gestaucht und dementsprechend schneller abgespielt. Das war sehr anstrengend und damit war langfristig keine Party zu machen, deshalb haben wir es dann auch wieder gelassen und das Verhältnis lieber auf unsere Skills als Barkeeper angewandt. Der Drink der ersten Saison wurde dann TGV: Tequila-Gin-Vodka.

Im Strookoffer in Brüssel war die Bar um 44% größer als das Original, im selben Verhältnis haben wir die Musik vergrößert, also langsamer abgespielt. Das hatte eine unglaublich angenehme Wirkung. Zum einen hat die extreme Verfremdung jede Musik von ihrer Konnotation befreit, zum anderen klingt es sehr beruhigend und lässt die Frequenzspektren der Sprache offener für Unterhaltungen. Der Drink damals war klarerweise Stroh Rum, wir haben Stroh 40, 60 und 80 zu Stroh 180 gemischt.

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LAX BAR, Christoph Meier, Ute Müller, Robert Schwarz, Lukas Stopczynski, 2019, Wiener Festwochen, Wien. Foto von Ute Müller

Was waren die Höhepunkte in der LAX BAR?

Robert: Eigentlich waren alle Performances Höhepunkte, jede für sich. Philipp Quehenberger, Rosa Anschütz, Jung an Tagen, Marino Formenti, Die Vorspielservice, der BachCHorWien, Bobby Would, Natascha Muhic und In My Talons. Aber vielleicht war der heimliche Höhepunkt auch die allabendliche Sad Hour um Null Uhr. Traurigere Musik und teurere Getränke, ich finde das sehr exklusiv.

Seid ihr auch ein bisschen froh, dass es mit der Bar jetzt erst mal vorbei ist?

Ute: Keinesfalls. Wie könnten wir das auch.

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LAX BAR, Christoph Meier, Ute Müller, Robert Schwarz, Lukas Stopczynski, 2019, Wiener Festwochen, Wien. Foto von Ute Müller

Aber ist wirklich alles vorbei oder wird es irgendwann irgendwo eine weitere Bar geben?

Lukas: Die LAX BAR ist wirklich vorbei, denn das ist auch für das Projekt essentiell. Die Reduktion auf die wenigen Momente, die es gemeinsam mit den PerformerInnen, uns und der Installation zu erleben gab, bildet einen wesentlichen Reiz und zugleich den Mythos der Bar.

Als wir damals in Los Angeles die LOS BAR für die Finissage abgebaut hatten und die Leute nur noch die Spuren des letzten halben Jahres auf dem Boden betrachten konnten, das war ein Rollercoaster der Gefühle — nur um sie dann im Wondervalley, in der Wüste für ein allerletztes Event wieder aufzubauen und endgültig abzubrennen. Diese Dramaturgie hat sich im Prozess gebildet, wir haben sie aber dann auch für die anderen Bar Projekte übernommen.

Ich glaube, dass nur das Verschwinden die Möglichkeit einer neuen Kopie eröffnet. Und jetzt, mit der dritten Bar, haben wir noch einen weiteren wesentlichen Aspekt des Kopierens erkannt, nämlich die Vielzahl. Denn während wir in LA die überdimensionierte Version der Bar in der Tate Modern Turbine Hall mit meterhohen Tresen nur erträumen konnten, erscheint es jetzt nur als logisch, auch diese Version zu bauen. Und auch das musikalische Thema der Fuge, gibt ja die Fortsetzung vor.

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