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Foto von Marie Haefner
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Dorit Margreiter: »Es gibt keinen Kanon, sondern einen Freiraum«

May 28, 2019
Text by Paula Thomaka
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Foto von Marie Haefner

Dorit Margreiter spricht über Solidarität in der Kunst, fordert Freiräume für ihre Studierenden und erklärt, warum sie immer wieder auf Ausgangsfragen zurückkommt.

Die Akademie der bildenden Künste Wien ist seit mehr als 300 Jahren eine der bedeutendsten Bildungseinrichtungen für Künstlerinnen und Künstler. Mit dieser Interviewreihe gibt das PW-Magazine Einblick in die Lehre und das künstlerische Schaffen der ProfessorInnen.

Seit 2006 bist du Professorin für Video sowie Videoinstallation an der Akademie der bildenden Künste. Was ist für deine Lehre von Bedeutung und inwieweit forderst du von deinen Studierenden ein emanzipatorisches Potenzial?

Es gibt keinen Kanon, wie unterrichtet wird, sondern einen Freiraum, den es zu definieren und immer wieder zu verändern gilt. Studierende sollen für sich selbst entscheiden können, woran sie arbeiten möchten. Das ist der Widerspruch zwischen einer institutionellen Organisation wie der Akademie und dem künstlerischen Handeln.

Mein Hauptanliegen ist, dass Studierende in ihrer Zeit gute GesprächspartnerInnen finden, mit denen sie diskutieren, ihre Sichtweise in verschiedene Richtungen schärfen und die ihnen helfen können, voranzukommen. Wichtig ist es, eine Sicherheit in der eigenen Arbeit zu entwickeln, damit man unabhängiger wird.

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Foto von Marie Haefner

Inwiefern nimmst du seit Beginn deines Agierens als Künstlerin eine Veränderung im Umgang mit der Position von Frauen und der Reproduktion von Genderrollen auf dem Markt wahr?

Natürlich hat sich dank der Arbeit Vieler einiges getan. Es gibt nun einen anderen Score im Schreiben in den Mainstreammedien sowie ein Überwinden des binären Geschlechtermodelles in der breiten Gesellschaft. Es zeigt, dass ein ständiges Hinweisen und Arbeiten etwas bewirkt.

Allerdings bin ich immer wieder erstaunt, wie weit man zurückgehen muss, um bestimmte, bereits überwunden geglaubte Fragestellungen, erneut zu definieren und zu diskutieren. Felicitas Thun-Hohenstein musste beispielsweise ihr Konzept, eine Frau im Pavillon auszustellen, während der gesamten Biennale-Vorbereitung wiederholt verteidigen. Es wurde ihr immer noch kritisch entgegnet, dass es sich um kein Konzept handle, da es um Qualität gehen würde. Natürlich geht es um Qualität. Aber um diese zu zeigen, muss in Zeiten wie diesen immer noch gezielt vermerkt werden, dass sich eines anderen Qualitätspools bedient wird.

Für mich ist diese andauernde Verteidigung unbegreiflich. Wie sollen Frauen mit dem Qualitätsbegriff assoziiert werden, wenn sie nicht gezeigt werden? Wie soll sich das verändern? Deswegen ist es wichtig, strukturelle Maßnahmen vorzunehmen und einzufordern.

Welchen Einfluss nimmt die Architektur eines Raums auf das Subjekt – vor allem in Bezug auf deine Arbeit?

Um den Zusammenhang von Raum und Subjekt genauer zu bestimmen, muss zuerst der Ort definiert werden: Was ist ein physischer, ein sozialer, ein medialer Ort? Wie konstituiert er sich und wo gibt es eine Verbindung?

Die Bewegung von Individuen oder gesellschaftlichen Formationen in einem Raum sagen viel über soziale Strukturen aus. Das sollte man dennoch nicht zu eng sehen, da es im Kontext des kulturellen Raums betrachtet werden muss. Das gilt es festzustellen und als kulturell determiniert zu verhandeln.

Gerade im Bewegtbild kehre ich in meiner Verhandlung oft zur Frage zurück: Wer steht hinter der Kamera und wer betrachtet? Aus dieser vermeintlich einfachen Konstellation ergeben sich daraufhin unglaublich komplexe Dinge.

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Foto von Marie Haefner

Am 24. Mai wurde deine Ausstellung Really! im mumok eröffnet. Dabei wird der Ausstellungsraum zu einer labyrinthischen Installation. Wie gehst du mit deiner Freiheit im institutionellen Rahmen um?

Meine künstlerische Arbeit ist eine modellierte Baustelle für gesamtgesellschaftliche Fragestellungen, die in einer abstrakten oder korrekten Form abgehandelt werden kann.

Anfang der 90er hat sich meine Arbeit sehr an den Themen der Institutionskritik der 70er Jahre angelehnt. Beispielsweise die Forderung einer Quote im Ausstellungs- und Museumsbereich. Betrachtet man die Anzahl der Frauen, die in Museen ausstellen, würde ich diese übrigens mit »Ja« beantworten. Somit ist das Ausstellen selbst immer Teil der Arbeit des Ausstellens.

Worauf auch immer wieder hingewiesen werden muss, ist beispielsweise das Ausbleiben finanzieller Honorierung, wenn man zu einer Ausstellung eingeladen wird. Die Forderungen nach einem KünstlerInnenhonorar, für die IG Kultur und diverse Vereinigungen zurecht eintreten, sind virulent. Denn natürlich ist das Ausstellen im institutionellen Rahmen eine total privilegierte Position. Wenn es jedoch keine Vereinigung gibt, die dafür kämpft, ist es wahnsinnig schwer, eine Solidarität zu erzeugen und auch zu behalten.

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