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Foto von Marie Haefner
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Barbara Kapusta: »Wir sind alle Technobodies, selbst- und fremdbestimmt«

September 5, 2019
Text by Paula Thomaka
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Foto von Marie Haefner

Barbara Kapusta spricht mit PW-Magazine über Körperpolitik, Science-Fiction und ihren Willen, Dinge neu zu denken.

Mit Text und Körper wehrt sich Barbara Kapusta in ihrer Arbeit gegen Dualismen und Muster. Passend dazu ist eine Arbeit der Künstlerin Teil der Gruppenausstellung Hysterical Mining im Rahmen der Vienna Biennale for Change 2019 in der Kunsthalle Wien. Kapusta schlägt vor, sich die Zukunft auszumalen, um die Gegenwart aktiv zu gestalten. Ein Interview von Paula Thomaka.

Das Schreiben ist für deine Arbeit zentral, dabei verbindest du nonverbale und verbale Sprache miteinander. In welcher Relation stehen Körper und Sprache zueinander?

In meinen neueren Arbeiten werden die gezeigten Figuren immer anthropomorpher. Dagegen waren sie früher eher über ihre mögliche Funktion definiert oder ihre Entstehung war an die Vorstellung von menschlichen Körpern gebunden. Ich habe mich immer wieder an Formen und Figuren bedient, die sozusagen doppelt sind: In »Empathic Creatures« treffen eine 8, eine Hand, zwei Klammern und ein O aufeinander – sprachliche Zeichen und Körperteile, die anthropomorphe Qualitäten haben. Bei der älteren Arbeit »The o and the Zero« verweisen Ketten und Ringe aus Metall auf sprachliche Zeichen, Laute und Gesten. Daher habe ich durchaus das Gefühl, dass RezipientInnen beim Anblick meiner liegenden, lehnenden und sich verbiegenden Figuren auf den eigenen Körper zurückgeworfen werden.

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Foto von Marie Haefner

Keramik ist ein fester Bestandteil deiner Arbeit und du sprichst in diesem Zusammenhang davon, »Material zu etwas zu bringen, das es eigentlich nicht kann«. Was meinst du damit?

Ich bin eher zufällig zur Verwendung von Keramik gekommen, da das Material etwas Haptisches und Körperliches besitzt. Daraus entstand die Arbeit »A Poem for 22 Small Objects«. Die Aussage, »Material zu etwas zu bringen, das es eigentlich nicht kann«, meinte ich in Verbindung mit meinem Bedürfnis, aus der Keramik etwas zu machen, das sie nicht ist. Sie ist starr und hart und ich will, dass sie weich und biegsam wird. Ähnlich ging es mir bei meinem vorletzten Film »The Vocalization of O«. Ich wollte leblose Objekte animieren und stellte mir die Frage, wie ich meine Figuren aus Metall und Keramik belebe. So bin ich zur Animation und »Empathic Creatures« gekommen. Die antagonistischen Ideen von weich und hart, Zärtlichkeit und Brutalität bleiben hier bestehen, weigern sich aber als gut oder schlecht identifiziert zu werden.

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Cathrin Mayer spricht im Zusammenhang mit deinen Arbeiten von einer »queer Agency«. Worauf bezieht sich diese Agency und in welcher Form finden wir sie in deinen Figuren wieder?

In der Zusammenarbeit mit Cathrin Mayer an der Ausstellung »Empathic Creatures« gab es einen intensiven Austausch über Empathie sowie Solidarität in unserer Praxis und unserem Leben. Bei Cathrin ging es dezidiert auch um eine Positionierung innerhalb der Institutionen, in denen sie arbeitet – mit wem man zusammenarbeitet, wie über Inhalte gesprochen wird und wie diese kontextualisiert werden. Die »queer Agency« setzt bei Körpern an, die den binären Ideen unserer Gesellschaft nicht entsprechen und aktiv die Frage danach stellen, wie sie solidarisch leben und handeln wollen. Den »Empathic Creatures« haben wir diese Agency zugesprochen, aufgrund ihrer Materialität, die im Versuch Gemeinschaft zusammen zu definieren jegliche Aktivität und Verletzlichkeit zulässt.

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»There is no state of satisfaction and we are not here to reconcile! Staying with trouble«, mit diesem Satz endet dein Text »The 8 and the fist« und ist eine Referenz an Donna Haraway. Wie bist du zu dem Themenkomplex des Cyber- und Technofeminismus gekommen?

In Bezug auf unsere Körper stellt sich die Frage, wie Politik Druck auf sie ausübt und wie sie sich in die Körper einschreibt. Folgend spielen Technobodies und Überlegungen zu deren Materialität eine Rolle. Wir sind alle Technobodies, selbst- und fremdbestimmt. Wir werden operiert, tragen Prothesen, medikamentieren uns und Hormone sind sowieso überall. Texte von Donna Haraway waren da sehr wichtig, aber auch Helen Hesters Xenofeminismus, Bücher wie Paul B. Preciados »Testo Junkie«, oder aktuell Sophie Lewis Buch »Full Surrogacy Now«. In »A Cyborg Manifesto« benutzt Haraway die Figur des Cyborgs als doppelte Figur, als »creature of social reality as well as a creature of fiction« um über eine soziale Realität und Feminismus zu sprechen. Einen Feminismus, der politisch, international und inklusiv ist und sich damit von einem weißen, exklusiven Feminismus abgrenzt. Es sind gesellschaftliche und politische Theorien sowie Haltungen, die über die Kunst hinaus notwendig sind. Natürlich findet das, was ich lese, Eingang in meine Arbeit, egal ob es Science-Fiction, Theorie oder das tagespolitische Geschehen ist.

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Die Gruppenausstellung »Hysterical Mining« im Rahmen der Vienna Biennale ist ein Sichtbarmachen von Exklusions- und Beschränkungsmechanismen und kämpft gegen Dualismen an. Inwiefern setzt die Ausstellung ihr Bestreben in die Praxis um?

Leider sind wir von einer inklusiven Gesellschaft weit entfernt. Im Gegenteil, Kritik an Identitätspolitik und internationaler Solidarität ist ganz gewöhnlich geworden, und zwar nicht nur von rechts. Von überall dröhnt es, dass man Essenzen schützen müsse: Weiblich-Sein, Männlich-Sein, Weiß-Sein etc. Deshalb ist ein genaues Lesen von Texten wie Haraways »A Cyborg Manifesto« auch so wichtig. Um zu sehen, wo und wie sich Repression ausbreitet, Narrative und Dichotomien zu erkennen und letztlich besser zu bekämpfen.

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Du zeigst innerhalb der Ausstellung »Hysterical Mining« die Arbeit »The Giant«. Diese bezieht sich auf eine Zukunft, eine Idee von Sympathie und Empathie. Welche Welt wünscht du dir im Jahr 2119?

»The Giant« beschreibt einen multiplen utopischen Körper und ist eine Figur, die gleichzeitig einer sozialen Realität sowie einer Fiktion entspringt. Es ist wichtig, dass die Fiktion einen realen Gegenpart hat, in dem es konkret um Körperentwürfe geht, sowie ihre Normierung und Politisierung. Das Vorwort von Ursula K. Le Guin zu »The Left Hand of Darkness« finde ich in diesem Kontext sehr schön. Sie schreibt, »I write science fiction, and science fiction isn‘t about the future … . I‘m merely observing, in the peculiar, devious, and thoughtexperimental manner proper to science fiction, that if you look at us at certain odd times of day in certain weather, we already are. I am not predicting or prescribing. I am describing«. Die ausgedachten Zukunftsvorstellungen sind eigentlich Beschreibungen unserer Lebensrealitäten, die uns helfen sie zu verstehen und Kritik zu formulieren. Das Potenzial von solchen Gegenwartsbeschreibungen wäre die Möglichkeit utopisch zu denken und sich vielleicht etwas für unsere Gegenwart zu wünschen.

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