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Foto von Marie Haefner
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Bad&Boujee: »Wir nehmen Räume ein«

February 8, 2019
Text by Paula Thomaka
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Foto von Marie Haefner

Bad&Boujee erzählen, warum Sensibilität so wichtig ist, welche politischen Dimensionen das Auflegen annehmen kann und wie sich ihre Zusammenarbeit mit Ebow gestaltet.

Elisabeth Taruvinga Mtasa und Enyonam Tetteh-Klu sind die Gründerinnen des Kollektivs Bad&Boujee. Ihre erste Bookingafrage erhielten sie von der Kunsthalle Wien für die Openingparty der Ausstellung How To Live Together.

Mittlerweile besteht das All Black All Female Kollektiv aus fünf Frauen, die in Wien, Genf und Stuttgart leben. Zusammen mit Tonica Hunter, Tmnit Ghide und Tanya Moyo engagieren sie sich für mehr Diversität in der Wiener Clubszene und begleiten die Rapperin Ebow ab Februar auf ihrer Tour Planet Kanak.

Mit dem PW-Magazine sprechen Elisabeth und Enyonam über das Einnehmen und das Gestalten von Räumen. Ein Interview von Paula Thomaka.

Ihr definiert euch als All Black All Female Kollektiv – inwiefern gestaltet sich das Auflegen und eure Arbeit im Kollektiv als politisch?

Eli: Wir nehmen Räume ein, …

Eny: … die nicht für uns gedacht wurden – vor allem in Bezug auf die Clubszene. 90 Prozent sind Männer, fast alle DJs sind Männer, weiße Männer. Auch weibliche* DJs sind größtenteils weiß. Alleine, dass wir, fünf schwarze Frauen aus dem deutschsprachigen Raum, zusammen auflegen, ist für uns politisch. Allerdings bezweifle ich, dass es politisch gelesen wird. Es hat viel damit zu tun, dass Leute für gewisse Themen nicht so sensibilisiert sind. Unter anderem, da sie sich mit bestimmten Thematiken nicht auseinandersetzen müssen.

Wie zufrieden seid ihr mit der Wiener Clubszene und welche Wünsche habt ihr?

Eny: Aufgrund der männlichen Dominanz innerhalb der Wiener Clubszene, habe ich das Gefühl, oft nicht ernst genommen zu werden. Zudem bekommen wir öfter zu hören, dass wir und unsere Sets so lustig seien. Im Club zu stehen und aufzulegen ist für uns Arbeit. Es macht uns Spaß, jedoch wollen wir, dass ein Bewusstsein für unsere Arbeit entsteht. Ich würde mir wünschen, dass die Leute mehr »aware of it« sind – deswegen sage ich auch, dass Sensibilität so wichtig ist.

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Foto von Marie Haefner

Auf euren Partys seid ihr bedacht einen Safe Space entstehen zu lassen – das Bewusstsein für Sex, »Race«, Gender ist für euch von elementarer Bedeutung. Wie kann man diesen »Space« auf andere Veranstaltungen übertragen?

Eny: Es kann kein Safe Space für eine Person entstehen, wenn es kein Wissen darum gibt, mit welchen Problemen sich diese Person auseinandersetzt. Deswegen ist mein Schlüsselwort: Sensibilität. Menschen müssen zuhören. Es sind Punkte, die immer beachtet werden müssen. Zuhören, wenn etwas gesagt wird und sensibel darauf reagieren. Außerdem habe ich das Gefühl, dass viele linke Menschen »People of Color« (PoC) buchen, um etwas Positives zu machen. Aber wenn Dinge geändert werden sollen sowie ein Supporten stattfinden soll, dann buchst du nicht nur PoC, sondern du arbeitest mit PoC und queeren Leuten und lässt sie Einfluss nehmen. So kann nämlich erst ein Safe Space für die gebuchten PoC und queeren Leute entstehen.

Eli: Inkludieren – wirklich – an jeder Ecke. Die meisten Teams sind nicht divers, somit kann eine Diversität kaum bis gar nicht nach außen gespiegelt werden. Viele KünstlerInnen fühlen sich geborgener beziehungsweise willkommener, wenn zum Beispiel im Team oder eine BetreuerIn eine PoC-Person ist. Eigentlich sollte diese Inklusion selbstverständlich sein und nicht erst angestrebt werden, wenn Personen wie wir darauf aufmerksam machen. Und dieses Mitziehen anderer, weil sie denken, es ist cool, PoC in einem Setting zu haben. Jeder soll einfach als Mensch angesehen werden.

In welchem Verhältnis steht ihr in diesem Kontext zu Anfragen, von denen ihr das Gefühl habt, dass sie genau aus diesem Grund kommen?

Eli: Wir müssen mehr darüber »aware« sein, welchen Raum wir betreten.

Eny: Wir PoC in Österreich müssen Orte einnehmen, die nicht für uns geschaffen worden sind, damit wir Safe Spaces für andere Leute schaffen und den Raum zusammen einnehmen können. Da es in Österreich relativ viele problematische Settings gibt, können wir leider nicht besonders wählerisch sein – wir müssten eigentlich mehr als die Hälfte absagen. Allerdings möchten wir Räume nicht unkommentiert betreten, das würde uns ebenfalls ignorant wirken lassen. Deswegen kommunizieren wir bei solchen Events, was wir problematisch finden und weswegen wir dennoch dort sind.

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Euch gibt es jetzt seit knapp zwei Jahren. Inwieweit hat sich die Arbeit im Kollektiv verändert und wie steht es um eure öffentliche Wahrnehmung?

Eli: Unsere Arbeit ist zwar nicht anstrengender geworden, allerdings gestaltet es sich schwieriger, alles so zu timen, dass es sich ausgeht. Wir studieren und arbeiten nebenbei, alles gleichzeitig zu balancieren, ist unser »heaviest Point« – vor allem, da wir jetzt mit Ebow auf Tour sind. Es zahlt sich jedoch vollkommen aus!

Es gab bereits mehrere Kollaborationen mit Ebow, unter anderem auf dem Hyperreality 2018. Wodurch kam eure Zusammenarbeit zustande?

Eli: Auf der Release Party für ihr Album Komplexität haben wir das erste Mal zusammengearbeitet. In dieser Zeit hat sie über ein neues Album sowie eine Tour nachgedacht und wollte uns in diesem Rahmen gerne dabeihaben. Wir sind jedoch davon ausgegangen, dass wir bis dahin noch Zeit haben. Im Sommer 2018 ist spontan eine kleine Tour entstanden.

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Foto von Marie Haefner

Wie geht es nach der Tour mit euch weiter - sind bereits neue Projekte in Planung?

Eli: Zurzeit arbeiten wir an unseren »independent Events«. Ich studiere an der Akademie der Bildenden Künste – mein Rundgangprojekt BoujeeBodega war gewissermaßen das Schwesterevent. Der Fokus liegt hier nicht auf Partys, sondern auf anderen Formaten wie Workshops. Unser erstes Event war eine Podiumsdiskussion, bei der unterschiedliche schwarze Frauen aus verschiedenen Berufsfeldern ihre Arbeitswege erklären. Was sie gemacht haben, was sie jetzt machen und wie sie dort hingekommen sind. Vernetzen spielt dabei eine große Rolle. Wir wollen in der Community versuchen, alt und jung zusammenzubringen. Vor allem, da die ältere Generation uns diesen Weg in gewisser Weise leichter gemacht hat. Dahin gehend wollen wir durch diese Events zeigen, wie dankbar wir der schwarzen und der queeren PoC-Community sind.

Eny: Es gibt so viele schwarze Personen, die schon sehr viel gemacht und erreicht haben, ohne, dass man es mitbekommt. Wir wollen da anknüpfen, wo die Generation vor uns aufgehört hat.

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