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Foto von Dorothea Tuch
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Am Ende des Öls? Kat Válastur erprobt in »OILinity« den Ausnahmezustand

March 20, 2019
Text by Wera Hippesroither
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Foto von Dorothea Tuch

Kat Válasturs »OILinity« ist genauso Bestandsaufnahme wie dystopischer Blick in die Zukunft: Was geschieht, wenn die natürlichen Vorräte an Erdöl zuneige gehen?

Sie tragen Tarnkleidung, sportlich, jederzeit bereit zum Sprung. Stehen sie in Konkurrenz zueinander oder gehören sie der gleichen Gruppe an? Diese drei wirken, als ob die Zivilisation schon zu Ende wäre. Zwischen ihren Verstecken – abstrakt dargestellt durch zwei riesige Malereien – und drei rätselhaften, von schwarzen Tüchern verhüllten Objekten performen die TänzerInnen das, was sich Kat Válastur unter der Getriebenheit von Öl vorstellt. Die Bewegungssprache ist langsam, irgendwie klebrig und doch getrieben, ständig in Wettbewerb stehend. Zaghaft und doch von kindlicher Neugier angestoßen nähern sich die PerformerInnen den Objekten an, begutachten sie, begehren sie und weichen dann doch immer wieder zurück. Im Tanz, zäh wie langsam tropfendes Öl, wird so eine unglaubliche Spannung aufgebaut und bald fragen sich alle, was sich wohl unter den Tüchern verbirgt. Die ausgeteilten Lagepläne geben vage Hinweise: In der dystopischen Landschaft verteilen sich eine »Warvase«, die »Spinning Melancholy« und eine »Ironic Fountain«. Als das Geheimnis gegen Ende gelüftet wird, offenbaren sich primitiv anmutende, schwarze Tonobjekte. Die Vase enthält dunkles Öl, das ausgeschüttet wird und die »Spinning Melancholy« ist eine sich drehende Scheibe, die dann aufgehoben und im Mittelpunkt des Settings gleich einer Sonne aufgehoben und in die Höhe gehalten wird. Die weiße Rückseite der Scheibe reflektiert das helle Scheinwerferlicht und so kommt es zu einem Schlussbild, das doch noch hoffnungsvoll wirkt.

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Foto von Dorothea Tuch

Unsere Kleidung besteht aus Öl, wir benutzen es, um unsere Haut zu pflegen und unsere Autos zu betreiben, in den Urlaub zu fliegen und unsere Lebensmittel darin aufzubewahren. Von der Zahnbürste bis zum Laptop: Erdöl in Form von Plastik ist selbst im Leben von umweltbewussten Menschen nicht wegzudenken. Kaum ein Rohstoff ist stärker mit Kapitalismus und modernem Wirtschaftswachstum verknüpft als Erdöl. Im amerikanischen Raum ist der Begriff der Petromoderne eine populäre Umschreibung, sie folgt auf die Postmoderne. Das von Laila Rosato gestaltete Bühnenbild vermittelt gemeinsam mit dem Kostüm (Lydia Sonderegger) eine deutliche Botschaft: Dies ist ein Ausnahmezustand, wir befinden uns mitten in einer kriegerischen Situation. Der Kampf um die letzten Reserven des Rohstoffs hat schon längst begonnen und so stellt sich die Frage, wie dystopisch Válasturs »OILinity« eigentlich ist.

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Foto von Dorothea Tuch

Seien die Thematik düster und die Zukunftsaussichten beängstigend, Válasturs Choreographie setzt sich mit dem wichtigsten Rohstoff der Moderne auf humorvolle Art und Weise auseinander. Unterstützt von einer eindringlichen akustischen Ebene entsteht ein Bild von in Öl klebenden, künstlich verlangsamten PerformerInnen. Ihre Bewegungen wirken kämpferisch, wie in Wettbewerb stehend und doch aufeinander eingespielt, in Relation zueinander handelnd. Sie alle wollen das gleiche: die Objekte enthüllen. Was der entdeckte melancholische Kreisel, der ironische Brunnen und die Kriegsvase dann wirklich offenbaren, ist nichts anderes als die Unausweichlichkeit des Rohstoffversiegens, die sich nicht so schnell ändern wird, wie sich die Scheibe der »Spinning Melancholy« dreht.

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