Young Art Spaces Koenig2 Robby Greif by Laura Schaeffer Young Art Spaces Koenig2 Robby Greif by Laura Schaeffer
Foto von Laura Schaeffer
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Vienna Art Spaces: KOENIG2

March 6, 2018
Text by Marie-Claire Gagnon & Amar Priganica
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In der Reihe Vienna Art Spaces gibt das PW-Magazine einen Einblick in die dynamische Landschaft der jungen Räume für zeitgenössische Kunst in Wien.

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Wie ist KOENIG2 entstanden?

Die Idee einen zusätzlichen Satelliten - neben der Galerie in der Schleifmühlgasse - zu etablieren, hatte ich schon länger. Ovidiu Anton hat 2015 den Hauptpreis des Ideenwettbewerbs „Create Your Bucharest“ im Rahmen der ersten Vienna Biennale gewonnen. Den daraus resultierenden Film wollte ich unbedingt in einem eigenen Raum präsentieren. An dem »Lager“ einer Konzertagentur am Anfang der Margaretenstraße bin ich monatelang vorbei gelaufen. Als ich dort Mitte Dezember 2016 nachfragte, ob dieses Lager noch genützt wird, hatten sie gerade den Vertrag gekündigt. Am 2. Januar 2017 bekamen wir Mietvertrag und Schlüssel, innerhalb von 10 Tagen haben wir alles entkernt und renoviert.  Am 12. Januar 2017 wurde die erste Ausstellung „Miroase a paradis – Über damals, jetzt und die Freiheit“ von Ovidiu Anton und Alexandru Bălăşescu eröffnet.

Was hat dich dazu motiviert, eine eigene Galerie zu gründen?

Ich habe das Glück, dass Christine König, für die ich seit 2013 als Direktor ihrer Galerie arbeite, von der Idee sofort begeistert war. Obwohl die Galerie das Projekt finanziert, gibt es keinerlei inhaltliche Interventionen oder Einmischungen. Ich habe 100% freie Hand und das ist definitiv nicht selbstverständlich. Daraus resultiert vielleicht auch die Motivation, sich zusätzlich zur täglichen Galeriearbeit an ein eigenständiges Projekt zu wagen und den damit verbundenen Aufwand zu stemmen.

Worin siehst du als Galerist deine Aufgaben?

Während des Studiums fokussierte ich mich auf Museumspädagogik und Kunstvermittlung und wollte später auch in diesem Bereich arbeiten. Heute vermittle ich täglich zwischen Künstlern, Kuratoren, Sammlern, anderen Galerien und natürlich auch an alle interessierten Besucher. Ich denke, das beschreibt auch am Besten das Aufgabenprofil. Ein guter Vermittler für die Künstler zu sein, sowohl inhaltlich als auch finanziell.

Wie positioniert du KOENIG2 in der Wiener Kunstszene? Was macht deine Galerie besonders und wie grenzt du dich ab?

Die Besonderheit ist wohl, dass ich die Künstlerinnen und Künstler nur für ein einmaliges Intermezzo einlade. Es geht nicht darum, einen „roster of artists“ im Sinne eines klassischen Galerieprogramms aufzubauen. KOENIG2 soll eher als Bühne und Agent für die Künstler dienen. Man bringt Positionen nach Wien, die hier überhaupt noch nie gezeigt wurden, oder von denen ich glaube, dass man ihre Arbeit prominent in einer Solo zeigen muss, um sie nachhaltig an Kuratoren und Sammler zu vermitteln. Dazu kommt für die Künstler die Herausforderung, speziell eine Installation oder raumbezogene Arbeit entwickeln zu müssen, die sowohl von außen über die große, 24/7 erleuchtete Schaufensterfläche funktioniert, aber auch dazu einlädt, anzurufen oder in der Galerie vorbeizukommen, um sie von innen sehen zu können. KOENIG2 ist nur »open by appointment“. Wer sich darauf einlässt, kommt automatisch mit mir/uns ins Gespräch.

Wie sieht dein Programm aus? Auf was blickst du zurück und was können wir in der Zukunft erwarten?

Das erste Jahr war geprägt von persönlichen Favoriten, die ich schon länger verfolgt habe und eigentlich nur auf die richtige Gelegenheit gewartet habe, sie endlich im richtigen Kontext einladen zu können. Natalia Stachon war vielleicht die Mutigste von allen. Als ich sie eingeladen habe, kannten wir uns nicht persönlich, niemand kannte den Raum, es gab kein fertiges Konzept wie eine Kooperation aussehen könnte - alles steckte noch in der Entwicklungsphase. Am Ende war ihre Ausstellung nahezu ausverkauft und wir wussten, dass KOENIG2 die richtige Entscheidung sowohl für sie als auch für mich war.

Wenn ich mir die Ausstellungen des ersten Jahres anschaue, waren die einzelnen Positionen super unterschiedlich. Felix Burger und sein absurdes Panoptikum rund um den »Weißen Zwerg“, Alona Rodehs Licht- und Soundinstallation um ihren Runner oder Radenko Milak, der eine neue Serie direkt für den Raum, zu Wien und seinem Eröffnungsdatum am 14. September entwickelte, um nur einige zu nennen. Alle Eingeladenen haben wunderbar agiert. Mit Thilo Jenssen konnte ich sogar die erste Messeteilnahme in der Zone1 Sektion der Vienna Contemporary realisieren. Das Programm für 2018 steht jetzt schon fest und wird sicher wieder einige Überraschungen bieten. Das Projekt soll sich immer weiter entwickeln und etablieren. Und wer weiß, vielleicht gibt es auch irgendwann und irgendwo KOENIG3…

Worauf setzt du deinen Fokus bei der Auswahl der KünstlerInnen?

Die Auswahl ist natürlich sehr persönlich und von meinem Wissenstand getragen. Ich versuche, taktische Entscheidungen bei der Künstlerauswahl komplett zu vermeiden. Da der Fokus zwar auf einer langfristigen Zusammenarbeit, jedoch nicht auf einer fixen Verbindung als Galeriekünstler liegt, muss ich das auch nicht. Für mich steht die Qualität im Vordergrund. Ich versuche aus jeder Ausstellung auch eine Arbeit für mich selbst zu erwerben. Die Fragestellung, ob ich mir auch persönlich etwas von dem Künstler oder der Künstlerin kaufen würde, ist für mich der perfekte Gradmesser und eine echte Entscheidungshilfe, ob ich die Position wirklich gut finde.

Gibt oder gab es bisher irgendwelche Schwierigkeiten oder Probleme – seien es die Behörden oder die allgemeine Stimmung in Wien?

Nicht dass ich wüsste. Vielleicht habe ich da aber auch einfach eine zu selektive Wahrnehmung. Fest steht, dass der Kunststandort Wien weiterhin sehr aufstrebend ist und neue Orte sofort mit Interesse aufgenommen werden.

Warum ist gerade Wien aktuell so ein spannender Ort um Ausstellungen zu gestalten?

Lage, Lage, Lage. Diese platte Immobilienweisheit trifft in jedem Fall auf Wien und die Kunst zu. Geografisch liegen wir in der Mitte von Europa und nicht mehr nur am östlichen Rand. Was die Infrastruktur, vorhandene und vor allem interessierte Institutionen im Verhältnis zu den Unterhaltskosten angeht, gibt es kaum eine vergleichbare Metropole. Wenn ich heute die freie Wahl hätte und eine Galerie gründen wollte, wäre es zu 100% in Wien.

KOENIG2 by_robbygreif
Margaretenstraße 5
1040 Wien
www.koenig2.com

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PW-Magazine is a Vienna-based online magazine for contemporary culture. By giving voice to a wide array of cutting-edge personas in art and culture, the magazine promotes diversity and a broad mix of artistic expression. The editorial team is tasked not only with reflecting current cultural production, but also with creating new visual content. The platform works with open structures and attaches great importance to collaborations that create new links between cultural creators and the public.
PW-Magazine was founded in May 2016 by Christian Glatz and Phil Koch.

Contact

editorial@pw-magazine.com

Team

Marie-Claire Gagnon
Christian Glatz
Ada Karlbauer
Phil Koch
Amar Priganica
Julius Pristauz
Laura Schaeffer

Authors

Hannah Christ
Elisabeth Falkensteiner
Wera Hippesroither
Juliana Lindenhofer
Pia-Marie Remmers
Alexandra-Maria Toth