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Foto von Peter Mochi

Vienna Art Spaces: Kevin Space

November 15, 2018
Text by Marie-Claire Gagnon
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Foto von Peter Mochi

In der Reihe Vienna Art Spaces gibt das PW-Magazine einen Einblick in die dynamische Landschaft der jungen Räume für zeitgenössische Kunst in Wien.

Wie ist Kevin Space entstanden? Worin lag die Motivation einen Art Space zu eröffnen?

Der Kunstverein Kevin Space wurde Ende 2015 von uns – Fanny Hauser, Carolina Nöbauer, Denise Helene Sumi und Franziska Sophie Wildförster – gegründet und eröffnete die erste Ausstellung im Februar 2016. Wir haben damals alle in diversen Institutionen wie der TBA21, dem TQW Wien und dem Künstlerhaus Graz gearbeitet und dabei wertvolle Erfahrungen gesammelt, was schließlich auch den Wunsch stärkte ein eigenes Programm zu konzipieren und zu realisieren. Der Zeitpunkt schien in Hinblick auf unsere jeweilige persönliche Situation aber auch auf Wiens Kunstlandschaft richtig zu sein und unsere Interessen und inhaltlichen Vorstellungen ergänzten einander gut. Von Anfang an war klar, dass der Fokus der wechselnden Ausstellungen, Performances und Rahmenprogramm auf kritischem und gesellschaftlichem Diskurs und enger Zusammenarbeit mit KünstlerInnen liegen sollte, nicht zuletzt weil wir als Kunsthistorikerinnen, Kuratorinnen und Dramaturginnen an diese Art des institutionellen Arbeitens gewohnt waren. Diese Brücke zwischen institutionellem und sogenanntem Off-Space, sowie lokalen und internationalen Szenen in Wien zu schaffen, war uns wichtig.

Unser erster Raum – eine heruntergekommene Garage mit darüber liegendem Dachboden – befand sich in einem ehemaligen Schlachthof am Brunnenmarkt im 16. Bezirk, den wir zusammen mit anderen Initiativen vorübergehend für die Realisierung unserer ersten beiden Projekte eine Einzelausstellung von Caspar Heinemann sowie eine Performance von Alex Baczynski-Jenkins nutzten. Bald darauf mussten wir das Gebäude allerdings verlassen und sind – über einen Umweg in temporäre Räumlichkeiten im 15. Bezirk – seit September 2016 am Volkertmarkt im 2. Bezirk ansässig.

Was sind eure Aufgaben bei Kevin Space?

Generell versuchen wir unhierarchisch zusammenzuarbeiten und teilen uns – nicht zuletzt aufgrund diverser Auslandsaufenthalte innerhalb des Teams – unsere Aufgaben je nach Kapazität und individueller Stärken untereinander auf. Dazu zählen unter anderem Administration und Vereinswesen, Konzeption und Planung der Ausstellungen mit den KünstlerInnen, der Ausstellungsauf- und abbau, Pressearbeit und die direkte Kommunikation und Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen vor Ort. Einmal im Jahr haben wir ein größeres, über mehrere Tage verteiltes Meeting im Rahmen dessen jede von uns ihre Programmvorschläge präsentiert und alle Optionen gemeinsam diskutiert und in Erwägung gezogen werden, wobei Franziskas Input unser Programm in den vergangenen Jahren am stärksten geprägt hat.

Wie positioniert ihr Kevin Space in der Wiener Kunstszene? Was macht diesen Space besonders und wie grenzt ihr euch ab?

Kevin Space hat sich zwischen den Modellen des Kunstvereins und des Off-Spaces positioniert. Wir arbeiten seit unserer Eröffnung 2016 mit jungen österreichischen, aber vor allem auch internationalen KünstlerInnen zusammen. Wir arbeiten meist im Format der Einzelausstellung, was uns erlaubt, als Team gemeinsam mit den eingeladenen KünstlerInnen in sehr engem Dialog zusammenzuarbeiten und diskursive und vielleicht auch experimentelle, prozessorientierte Formate des Ausstellens zu entwickeln. Dabei legen wir besonderen Wert auf die Unterstützung neuer Kommissionen, die kuratorisch begleitet und in der Produktion tatkräftig und finanziell unterstützt werden. Unser Residency Programm, das in Zukunft noch weiter ausgebaut werden soll, verkörpert diesen spezifischen Ansatz von Kevin Space, in dem eine intime Arbeitsweise und der langfristige Austausch mit den KünstlerInnen im Vordergrund stehen. Seit diesem Jahr haben wir auch eine Mitgliederstruktur. Was uns womöglich besonders macht, ist dass wir eines der verhältnismäßig wenigen, rein weiblichen Kollektive innerhalb dieser non-profit Szene sind, was sich letztlich auch in unserem Programm widerspiegelt.

Wie sieht euer Programm aus? Auf was blickt ihr zurück und was können wir in der Zukunft erwarten?

Ausgangspunkt unseres Programms sind meist gegenwärtige sozialpolitische und künstlerische Diskurse und das Hinterfragen gängiger Wissens- oder Machtstrukturen, die Erfahrung, Denken und Sprache beeinflussen. KünstlerInnen, die wir einladen – etwa Lydia Ourahmane, Paul Maheke oder  Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme – stellen sich oft die Frage, wie diverse Körper heute kontrolliert werden und wie Wissen neu positioniert und kontextualisiert werden kann.

Für die Zukunft möchten wir unser diskursives Programm weiter ausbauen indem jede Ausstellung von einer Rahmenveranstaltung begleitet werden soll. Gleichzeitig möchten wir stärker auf ephemere Programmpunkte wie Performances, Screenings oder auch Lesungen und Vorträge setzen und den Raum aktivieren. Wir können uns außerdem auch gut vorstellen in Zukunft vermehrt mit Institutionen oder anderen unabhängigen Kunsträumen im In- und Ausland zu kollaborieren und die kulturpolitische Debatte vermehrt zu adressieren.

Worauf setzt ihr euren Fokus bei der Auswahl der KünstlerInnen bei Kevin Space?

Meist handelt es sich dabei um KünstlerInnen, deren Praxis zumindest eine oder mehrere von uns bereits länger verfolgt. Wir arbeiten dabei vor allem mit KünstlerInnen zusammen, die sich mit gesellschaftlichen und politischen Themen auseinandersetzen. Es ist uns wichtig, dass die Arbeiten uns nicht nur ästhetisch ansprechen, sondern vor allem inhaltlich unser Interesse erwecken und wir selbst auch bei jeder Ausstellung etwas Neues dazulernen und überrascht werden können. Manchmal möchte man auch Risikos eingehen können.

Gibt oder gab es bisher irgendwelche Schwierigkeiten oder Probleme – seien es die Behörden oder die allgemeine Stimmung in Wien?

Die Stimmung in Wien ist trotz der besorgniserregenden politischen Situation im Land sehr motiviert und solidarisch. Wir schätzen uns glücklich, dass die Förderbedingungen in Österreich so einzigartig sind, wobei das Bangen um die notwendige Finanzierung natürlich jedes Jahr sehr nervenaufreibend ist und eine langfristige Planung schwierig macht. Der Independent Space Index wurde Ende 2017 als Reaktion auf den Rechtsruck und Ankündigungen von kulturpolitischen Förderungen in Wien gegründet. Dieser lose Zusammenschluss unabhängiger Kunsträume in Wien, von denen wir momentan 55 zählen, fungiert neben einer Plattform des Austauschs und Sichtbarkeit auch als Interessenvertretung auf kulturpolitischer Ebene.

Warum ist gerade Wien aktuell so ein spannender Ort um Ausstellungen zu gestalten?

Neben den bis dato guten wirtschaftlichen Bedingungen – Förderungen aus der öffentlichen Hand und noch leistbare Mieten – liegt Wiens Potential vor allem in der unabhängigen, alternativen Kunstszene. Es gibt hier eine überwältigende Anzahl unabhängiger Kunsträume in Wien, die oft auch ein qualitativ hervorragendes Programm vorzuweisen haben. Die Szene in Wien ist zwar relativ überschaubar, aber es gibt ein tolles Netzwerk an Leuten und man erhält innerhalb der Szene viel Unterstützung.

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