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Foto von Marie-Louise Häfner
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Ausstellungsansicht, Ute Müller. Kapsch Contemporary Art Prize 2018, mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Foto von Klaus Pichler
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Ausstellungsansicht, Ute Müller. Kapsch Contemporary Art Prize 2018, mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Foto von Klaus Pichler
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Ausstellungsansicht, Ute Müller. Kapsch Contemporary Art Prize 2018, mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Foto von Klaus Pichler

Ute Müller: »Je mehr Widerstand, desto besser«

November 6, 2018
Text by Paula Thomaka
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Foto von Marie-Louise Häfner

Ute Müller verrät im Interview mit dem PW-Magazine, wie sie mit Erwartungen umgeht und wie sich dies auf ihre Arbeit auswirkt.

Die in Wien lebende Künstlerin Ute Müller ist diesjährige Preisträgerin des Kapsch Contemporary Art Prize, der von der Kapsch Group und dem Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien vergeben wird. Mit der Auszeichnung ist auch eine Ausstellung im mumok verbunden. Dort können Ute Müllers raumgreifenden Installationen erstmals bis zum 10. Februar 2019 in einer musealen Umgebung erlebt werden. Die Künstlerin und Mitherausgeberin des Artzines Black Pages spricht mit Paula Thomaka über Räume, Grenzen und die Rolle von Volumen.

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Ausstellungsansicht, Ute Müller. Kapsch Contemporary Art Prize 2018, mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Foto von Klaus Pichler

Der Bildraum und der reale Raum treten bei dir in einen Dialog. Laut der Soziologin Martina Löw sind Wahrnehmung und Handeln im Raum repetitiv - Räume werden immer wieder auf die gleiche Weise hergestellt. Wie brichst du diese Konstitution der Raumkonstruktion?

In meiner Arbeit versuche ich räumliche Konstitutionen auf unterschiedlichen Ebenen zu verschieben, so zum Beispiel weg von einem gewohnt Zentralperspektivischen, hin zu einem Blick, der außerhalb von uns liegt. Gleichzeitig kann ich mit einem abgeschlossenen Werkbegriff immer weniger anfangen, verstehe die Arbeiten mehr und mehr als unterschiedliche Zustände des Gleichen. In Bezug auf Raum ist hier jedenfalls der Begriff des Volums relevant. Ein Volumen kann sowohl schwer als auch leicht, voll oder leer, konkret aber auch flüchtig sein. Eine Ambivalenz, die auf einen weiteren wichtigen Faktor der Arbeit hinweist, dass Dinge nicht nur eine festgesetzte Bedeutung haben und diese immer abhängig von deren Bezug zu den restlichen Elementen ist.

Du leitest den Blick von BetrachterInnen um, weitest ihre Perspektiven. Welche Rolle räumst du RezipientInnen ein - erweitern sie die Raumarchitektur?

Der Betrachter steht ja gewissermaßen an der Schnittstelle von Bildraum und realem Raum, von Text und Kontext. Und um auf die vorige Frage zurückzukommen. Es geht vielleicht weniger um einen Dialog als eine dynamische Wahrnehmung von beiden. Die Arbeit ist zwar eng an Sprache gebunden, mich interessiert aber was passiert, wenn gleiche Prinzipien von einem Medium in ein anderes, also von einem in einen anderen Raum übersetzt werden, wobei dies nie reibungslos funktioniert, sondern immer lückenhaft, fehlerhaft bleibt.

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Ausstellungsansicht, Ute Müller. Kapsch Contemporary Art Prize 2018, mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Foto von Klaus Pichler

Wie viel Raum benötigst du für die Realisierung von Ausstellungen - mit welchen Räumen kannst du nicht arbeiten?

Es gibt hier kein zu viel oder zu wenig, ich finde es großartig auf räumliche Gegebenheiten zu reagieren, je mehr Widerstand, desto besser. Es wäre jedenfalls unglaublich langweilig, die immer gleichen Arbeiten in die immer gleichen Räume zu bringen. Und dann gibt es ja noch einen anderen, den zeitlichen Rahmen und hier sind mir Projekte, die ich über eine möglichst lange Dauer entwickeln kann am liebsten.

In deiner ersten musealen Einzelausstellung thematisierst du ebenfalls das Ausstellen von Kunst. Welchen institutionellen Hürden und Grenzen warst du ausgesetzt?

Ich versuche mich weniger auf Erwartungen und mehr auf Möglichkeiten zu konzentrieren, dann ist das mit Hürden und Grenzen kein Thema.

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Ausstellungsansicht, Ute Müller. Kapsch Contemporary Art Prize 2018, mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Foto von Klaus Pichler

Es heißt, du überwindest in deiner Arbeit die Tradition, ohne mit dieser zu brechen. Inwieweit steht diese Herangehensweise in Zusammenhang mit der Verwendung von Grautönen in deinen Werken?

Ich verstehe meine Arbeit weder als These oder Antithese zu einer Tradition.

Der Schichtaufbau der Malereien entspricht in gewisser Weise einem Gedächtnis, wobei die Farbigkeit unter anderem ein Verweis darauf ist, dass es hier nicht um die Abbildung realer Dinge geht.

Zusammen mit Christoph Meier und Nick Oberthaler bist du Herausgeberin des Artzines Black Pages. Welchen Stellenwert nimmt das Publizieren in deiner künstlerischen Praxis ein?

Das Publizieren ist definitiv eine Erweiterung meiner künstlerischen Praxis und um hier wieder auf den Begriff Volumen zurückzukommen, so schwingt das ja schon in dessen englischer Variante volume mit und beinhaltet wiederum eine neue Form an Raum.

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