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Foto von Laura Schaeffer
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THE AGENCYs Postpragmatic Solutions für die Dilemmas der Gegenwart

July 17, 2018
Text by Amar Priganica
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Foto von Laura Schaeffer

THE AGENCY verwischt die Grenzen zwischen natürlichen und künstlichen Emotionen. PW-Magazine traf die Performance Gruppe beim donaufestival.

THE AGENCY experimentiert auf immersive Weise mit den Erscheinungsformen und Formaten des Neoliberalismus. Die dabei verhandelten Inhalte drehen sich um Technologien des Selbst, posthumane Nähe, um Post-Internet-Intimität und Entfremdung. Ein Interview von Amar Priganica.

Wie seid ihr darauf gekommen euch THE AGENCY zu nennen? Einerseits agiert ihr als Unternehmen und positioniert euch als Brand, andererseits ist der Name derart generisch, dass sich die Recherche über eure Projekte als nahezu unmöglich erweist.

Das hat sich damals tatsächlich entwickelt nachdem wir unsere erste gemeinsame Arbeit ASMR yourself (HAU Berlin, 2015) gemacht haben. Für diese Arbeit haben wir eine Agentur erfunden und damit war plötzlich der Name im Spiel. Weiterhin spielt auch die Doppeldeutigkeit des Begriffes agency eine wichtige Rolle. Einerseits im Sinne einer Agentur, die verschiedene Formate hostet, andererseits auch in einem diskursiven Feld - agency im Sinne von Handlungsmacht. In unseren Arbeiten entwickeln wir sogenannte postpragmatic solutions für gegenwärtige Dilemmata. Dabei ist der Grundgedanke, ein Unternehmen oder eine Bewegung zu entwerfen und dem Publikum in diesem Frame Handlungsmacht zu verleihen, indem sie sich positionieren und das Geschehen beeinflussen können. Insofern war das dann doch ein Begriff, den wir passend fanden.

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Eine Anspielung auf Leif Randts postpragmatic joy?

Richtig! Beim Begriff postpragmatic joy geht es um einen Zustand, der so eine seltsame Art von genussvoller Selbstbeobachtung miteinbezieht. Das heißt, man geht in einer gegebenen Situation nicht völlig auf, sondern ist in einer Form von Selbstbeobachtung oder Vogelperspektive, die immer auch eine Kontextualisierung der eigenen Handlung bedeutet. Und darin liegt nach Leif Randt eben ein bestimmter Genuss. Ein Genuss der gerade da entsteht, wo man sich zu einer Situation ins Verhältnis setzt und Distanz zu ihr einnehmen kann. Uns interessiert es nicht, wie man den Neoliberalismus genießen kann - sondern was Genuss in diesem ökonomischen System für eine Rolle spielt und wie man diesen Genuss subvertieren kann - also wie man darin Handlungsspielraum gewinnen kann.

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In welcher Form manifestiert sich dieser Handlungsspielraum konkret in euren Performances? Welchen Stellenwert nimmt dabei die Hierarchiestruktur zwischen PerformerInnen und Publikum ein?

Während wir die jeweilige Dienstleistung anbieten, nimmt der/die BetrachterIn ganz klar die Position des Konsumenten oder Members ein. Das ist eine Rolle, in die man wahnsinnig einfach reinkommt, und die einem nicht auferlegt, sich verstellen zu müssen. Der/die BetrachterIn kann anwesend sein, ohne dass ihm jetzt irgendein psychologisches Profil oder ein bestimmter Handlungsauftrag aufgedrängt wird. Die funktionellen Rollen wie KundIn und Member sind welche, die wir auch in unserem Alltag gewohnt sind einzunehmen. Dennoch ist immer sehr klar, wer gerade PerformerIn und BetrachterIn im Raum ist - wir haben eine bestimmte Spielhaltung, die das auch sehr deutlich macht. Es geht uns weder darum, unsere ZuschauerInnen jetzt plötzlich auch Theater spielen zu lassen, noch die Grenze zwischen Fiktion und Realität in dem Sinne aufzulösen, dass man nicht mehr weiß wer wer ist.

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Uns interessiert eher, wie man mit diesem fiktiven Framing gezielt umgehen kann: Was heißt es, wenn ich als ZuschauerIn ganz genau weiß, ich stehe einer Performerin gegenüber, und erlebe etwas sehr Reales? Ist beispielsweise der Flirt, den man in unserer Arbeit Perfect Romance als ZuschauerIn erleben kann, realer oder fiktiver durch das Framing der Performance? Die These more than real von Perfect Romance impliziert sogar, es sei noch geiler als ein Treffen in der profanen Realität. Man kann es ganz gut mit der Situation vergleichen, wenn man sich in einem Store befindet und Komplimente vom Verkäufer bekommt. Obwohl man ganz genau weiß, dass es sein Job ist, fühlt man sich auf eine gewisse Art und Weise geschmeichelt - so, dass man sich ständig in einer Schlaufe befindet. Inwiefern kann eine Emotion im fiktiven Framing einen realen Input auf die Situation haben? Genau in dieser Ambivalenz können sich sehr schöne Momente auftun.

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Wie geht es euch in der Rolle der PerformerInnen damit? Wie konstruiert ihr eure Character?

Wir arbeiten durchaus mit realen Gegebenheiten und bauen darauf auf. Mit den Diskursen, mit denen wir in unseren Arbeiten umgehen, haben wir alle auf eine gewisse Art auch persönlich zu tun. Wenn man in einer westlichen neoliberalen Gesellschaft aufwächst steckt man in diesen Themen fest, ob man will oder nicht.

Dennoch versuchen wir uns nicht einzufühlen - es ist kein psychologischer Aufbau, sondern man arbeitet mit einer gewissen Distanz zu seinem Character. Diese Distanz hat natürlich auch wieder etwas mit der Frage nach neoliberalen Arbeitsverhältnissen zu tun. Es geht mehr darum die jeweilige Funktion innerhalb des performativen Rahmens zu erfüllen, als jetzt seine persönliche dark side auszuleben. Für unsere Spielweise ist es sehr wichtig bestimmte Tools zu entwickeln, die das vermeintliche Näheverhältnis zum Publikum wieder brechen können - Distanz schaffen, um einen Zustand der Selbstbeobachtung zu ermöglichen.

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Im Gegensatz zu anderen immersiven Formatenin denen es darum geht, moralische Grenzen auszutesten, indem bei den Teilnehmenden starke emotionale Affekte erzeugt werden, stehen bei uns eher strukturelle Fragen im Vordergrund. Dennoch sind die Themen wie gesagt immer schon sehr nah an uns dran und kommen von alltäglichen Fragen, die sich uns stellen. Und sie kommen einem noch näher dadurch, dass man damit arbeiten muss. Um Medusa Bionic Rise durchführen zu können, müssen wir ganz real fit sein. Indem wir für die Performance trainieren und sich unsere Körper plötzlich verändern, generieren wir eine Wirklichkeit, die ans uns selbst plötzlich beobachtbar wird.

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Da wären wir wieder bei real vs. fake.

Genau, es ist allgegenwärtig. Als wir gestern die Wildwasserbahn im Prater gefahren sind, hat das so krasse Emotionen ausgelöst, dass man anfängt zu hinterfragen warum jetzt Kanufahren im Rhein mehr Gültigkeit hat als die konstruierte Instant-Erfahrung im Prater. Dadurch, dass die körperliche Reaktion dieselbe ist, wird die Unterscheidung zwischen natürlich und künstlich ziemlich angekratzt. In unseren Arbeiten bringen wir die Unterscheidung zwischen natürlichen und künstlichen Emotionen ins Schwimmen und fragen danach, wie Emotionen produziert werden. Die gerade wieder politisch vereinnahmte sogenannte natürliche Ordnung von Emotionen, Identitäten und Geschlechtern lassen wir ganz gerne einstürzen. Und vielleicht liegt genau in der Entfremdung, also in einer distanzierten Selbstbeobachtung, das Potential diese natürliche Ordnung knirschen zu lassen.

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About

PW-Magazine is a Vienna-based online magazine for contemporary culture. By giving voice to a wide array of cutting-edge personas in art and culture, the magazine promotes diversity and a broad mix of artistic expression. The editorial team is tasked not only with reflecting current cultural production, but also with creating new visual content. The platform works with open structures and attaches great importance to collaborations that create new links between cultural creators and the public.
PW-Magazine was founded in May 2016 by Christian Glatz and Phil Koch.

Contact

editorial@pw-magazine.com

Team

Marie-Claire Gagnon
Christian Glatz
Ada Karlbauer
Phil Koch
Amar Priganica
Julius Pristauz
Laura Schaeffer

Authors

Hannah Christ
Elisabeth Falkensteiner
Wera Hippesroither
Juliana Lindenhofer
Pia-Marie Remmers
Alexandra-Maria Toth