Rade Petrasevic by Maša Stanić Rade Petrasevic by Maša Stanić
Photo by Maša Stanić
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Rade Petrasevic: »All Gallerists Are Bastards«

June 13, 2018
Text by Julius Pristauz
Rade Petrasevic by Maša Stanić
Photo by Maša Stanić

Rade Petrasevic im Gespräch über die großen Themen der Malerei, die Wiener Szene und warum der Wiedererkennungswert in der Kunst völlig überschätzt wird.

Der Wiener Künstler Rade Petrasevic bewegt sich in seiner Arbeit im Spannungsfeld zwischen Zeichnung und Malerei. Nach einem abgebrochenen Studium an der Akademie der Bildenden Künste, entwickelte er sich durch hohe Produktivität und ausgeprägter künstlerischer Konsequenz zu einer hervorstechenden Figur in der lokalen Szene. Durch die gekonnte Inszenierung der zumeist alltäglichen Motive wecken seine Werke eine gewisse Sympathie beim Betrachter. Ob klassisches Stillleben, Alltagsmotiv oder Akt, Rade Petrasevic stellt seine Sujets gleichberechtigt auf Papier oder Leinwand dar. Wer den Künstler schon persönlich erlebt hat, weiß jedoch, dass sich hinter den großen malerischen Gesten auch eine gesunde Portion Humor verbirgt. Ein Interview von Julius Pristauz.

Rade Petrasevic by Maša Stanić
Photo by Maša Stanić

Typisch für einige deine Werke ist die »Filzstift-Ästhetik«, die du mit Öl auf Leinwand übersetzt. Wie stehst du zum Begriff Zeichnung? Vor allem im Kontrast zur Malerei?

Die Zeichnung spielt in meiner Arbeit eine sehr dominante Rolle. Ich sehe das in Bezug auf meine Arbeit auch gar nicht getrennt. Das zeichnerische Element ist ja in der Malerei ohnehin stark vorhanden: Ob es Studien in Form von Skizzen sind oder Vorzeichnungen direkt auf der Leinwand, die Malerei spielt immer eine Rolle, nur bleibt sie halt meistens im Hintergrund. Man sieht hier und da Alte Meister ausgestellt mit ihren schönen Rötel-Studien, aber der Stellenwert der Zeichnung wird ein wenig unterschätzt. Das wollte ich in meiner Arbeit ein wenig deutlich machen. Interessanterweise funktionieren meine Bilder ganz gut als Zeichnungen sowie als Malereien.

Rade Petrasevic by Maša Stanić
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Du bist in deinem Stil sehr konsistent. Wie lange hat es gedauert zu dieser Form zu finden? Hast du manchmal das Gefühl, diese wieder zu durchbrechen zu müssen?

Ich habe nie das Gefühl, irgendetwas in meiner Arbeit unbedingt durchbrechen zu müssen; und wenn, dann ist das mehr ein Akt als ein Gedanke. Da wird dann nicht lange gefackelt. Im Moment macht es für mich noch Sinn in dieser Form zu malen und sollte ich das mal anders sehen, dann werde ich das auch ändern. Ich habe nie nach einer Art Stil gesucht. Die ganze Sache mit dem Wiedererkennungswert oder dem »Strich«, wie man so schön sagt, wird komplett überbewertet und dient eigentlich nur dazu, dass sich gelangweilte Pensionist*innen gegenseitig beweisen können, wie gut sie sich in der Kunst auskennen, weil sie Maler X oder Malerin Y gleich benennen können. Ich sehe es auch gar nicht als Stil, eher als meine persönliche Unfähigkeit mit dem Material Öl umzugehen. Das ist auch eigentlich alles dadurch entstanden, dass ich dieses Gematschte und die langen Trockenzeiten bei Ölmalerei nicht ausgehalten habe und mir dann überlegt habe, wie ich diese lästigen Tatsachen umgehen kann.

Rade Petrasevic by Maša Stanić
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Viele deiner Arbeiten haben etwas sehr fotografisches oder dokumentarisches an sich. Empfindest du deine Bilder als eine Art Momentaufnahme?

Figurative Malerei täuscht oft das Gefühl vor, ein Ausschnitt eines Moments zu sein. Wenn man die Bilder aber etwas länger betrachtet, merkt man schnell, dass da nichts Erzählerisches ist. Da fehlt jedes Gefühl von einer Geschichte. Wenn du also Momentaufnahme sagst, denke ich automatisch an ein Vorher und Nachher. Fotografien entstehen ja auch nicht aus dem Nichts, sondern da muss, im Idealfall, eine Person an einen Ort gelangen, das Foto knipsen und eben danach den Ort wieder verlassen. Das fällt bei Malerei komplett weg. So gesehen, empfinde ich das nicht als Momentaufnahme.

Rade Petrasevic by Maša Stanić
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Du beschäftigst dich neben deinen Stillleben, viel mit Körper und Nacktheit. Auch Sex und Fetisch spielen eine Rolle. Wie und wann fanden diese Themen in deine Kunst?

Körper und Nacktheit sind - genauso wie Stillleben - immer große Themen der Malerei gewesen. So gesehen reizt es mich schon sehr, zu versuchen so alte und schon unzählig oft durchgekaute Themen noch ein wenig weiter auszureizen. Stillleben haben mich schon immer interessiert, da es so ein klassisches Genre ist und sehr schnell in eine Art Kitsch kippen kann. Besonders Blumenbilder bergen diese Gefahr in sich. Ja, nackte Figuren kommen mittlerweile immer öfter vor. Da finde ich es besonders spannend den Körper so zu verformen, dass er sich der Komposition des Bildes unterwirft, aber trotzdem noch als Körper zu funktionieren scheint. Fetisch ist eher in meiner Realität als in den Bildern zu finden. Höchstens wenn ich versuche Themen wie Homosexualität oder Sex in das Bild einzubeziehen, reduziere ich es auf eine Art Fetisch. Fetisch als Information in einem Bild lässt leicht verständliche Assoziationen zu. Das mag ich sehr.

Rade Petrasevic by Maša Stanić
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In deinen Arbeiten findet man immer wieder große Marken; am häufigsten taucht die Cola-Flasche auf. Was steckt dahinter? Ist es vielleicht sogar subtile Kritik?

Bei der Cola-Flasche interessiert mich eben diese Assoziation. Man sieht diese Flasche und weiß sofort, was es ist. Da es eine PET-Flasche ist, katapultiert sich das Bild damit sofort in unsere Zeit. Die Massenproduktion dieser Flaschen startete irgendwann Ende der 70er Jahre, also ist das nicht so weit von uns entfernt. Subtile Kritik ist es nicht, da geht es rein um die leicht vermittelbare Assoziation.

Du bewegst dich schon eine Zeit lang in der Wiener Szene und das ohne fixe Galerie. Worin siehst du Vor- und Nachteile der Stadt als Kunststandort?

Oh Wien! Ich mag Wien, da es einem die Möglichkeit gibt, sich in Ruhe auf die Arbeit fokussieren zu können. Die Mieten sind noch relativ erschwinglich und wenn man weiß wohin man gehen kann, ist es auch möglich täglich einen drauf zu machen. Es liegt relativ gut, so gesehen kann man so ziemlich überall in Europa gut hinkommen. Was besonders bei Transporten ganz gut ist. Stichwort Galerien: All Gallerists Are Bastards! 1712!

Rade Petrasevic by Maša Stanić
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Was sind die Schwierigkeiten des Künstler*innen-Daseins?

Eigentlich sehe ich kaum Schwierigkeiten. Dieses ganze Gejammer von Künstler*innen wie schwierig alles ist, kommt ja meist nur daher, dass sie sich von einem Markt unterrepräsentiert fühlen und gekränkt sind. Am lautesten jammern meistens die, die ohnehin am meisten geerbt haben, beziehungsweise an sich aus einem gutem Background stammen. So kommt es mir jedenfalls vor. Wenn David Hockney großformatige Schinken mehr oder weniger in seinem Bett malen konnte und nicht gejammert hat, warum sollten wir uns, in einer Zeit, in der es einfacher ist denn je seine Arbeit einer breiten Masse zu präsentieren oder in einen Diskurs zu stellen, beschweren? Ich zahle eh auch ungern Miete, aber so ist das »lem« halt …

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PW-Magazine was founded in May 2016 by Christian Glatz and Phil Koch.

Contact

editorial@pw-magazine.com

Team

Marie-Claire Gagnon
Christian Glatz
Ada Karlbauer
Phil Koch
Amar Priganica
Julius Pristauz
Laura Schaeffer

Authors

Hannah Christ
Elisabeth Falkensteiner
Wera Hippesroither
Juliana Lindenhofer
Pia-Marie Remmers
Alexandra-Maria Toth