Liesl Raff by Laura Schaeffer Liesl Raff by Laura Schaeffer
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Liesl Raff: »Harte Materialien dürfen bei mir empathisch werden«

January 23, 2018
Text by Cathrin Mayer
Liesl Raff by Laura Schaeffer

Liesl Raff schafft Objekte und Skulpturen. In ihrem Atelier trifft man auf weinende Tische aus Stahlblech und Schnüre aus Latex, die sich wie Kinder über Teppichstangen biegen. Maurice Merleau Ponty begründete seine Phänomenologie auf dem Körper, der zugleich ein sehender und gesehener ist. So ähnlich funktionieren die Arbeiten der Künstlerin. Liesl Raffs Skulpturen haben etwas zutiefst Menchliches. Sie blicken in die Welt hinaus, gehen Beziehungen mit anderen ein und lassen den Betrachter in der vermeintlich unbeseelten „Welt der Dinge“ Verwandte finden.

Was werden BesucherInnen in deiner Einzelausstellung in der Galerie Sophie Tappeiner vorfinden?

Mehrere Arbeiten die ich schon seit einiger Zeit entwickle: Ein Objekt aus Latex und Stahlrohr befindet sich in einem der beiden Durchgänge. Wie schlaffe Körper hängen Latexseile über Stahl und verschließen den Durchgang. Sozusagen eine Wand, aber nicht bis zur Decke, das Latex umklammert das Rohr und schmiegt sich an. Dann gibt es zwei große, weinende Objekte aus Stahlblech. Das Weinen, der Ausbruch, Energieentladung, Erleichterung - auch positiv betrachtet.

Liesl Raff by Laura Schaeffer

Was bedeutet der Ausstellungstitel »Maximal Soft«?

Es geht nicht nur um die »Softness« des Materials, sondern auch um ihre Eigenschaften: sanft und geschmeidig. Obwohl ich harte Materialien benutze, wirken meine Arbeiten oft sehr weich. Harte Materialien dürfen bei mir weich werden, man könnte auch sagen: empathisch. Softer Stahl in jederlei Hinsicht. Ich reize Materialien auch gerne aus, deswegen vielleicht auch das »Maximal« - das Extrem - und es ist ein unglaublich gutes Wort.

Deine Materialien besitzen eine sogenannte »Agency«, also eine Handlungfähigkeit. Wie suchst du die Materialien aus, was ist zuerst, Material oder Idee?

Es ist unterschiedlich. Manchmal verliebe ich mich einfach in Materialien, auch weil sie viel können und sich gut anfühlen. In Latex habe ich mich sofort verliebt. Stahl benutze ich schon lange - ich mag ihn sehr. Aber ich bin immer offen für neue Materialien mit denen ich Zeit verbringen darf. Es geht einem ja auch auf die Nerven mit manchem zu viel Zeit zu verbringen - das ist wie mit Menschen.

Liesl Raff by Laura Schaeffer

Darf man deine Arbeiten anfassen?

Sagen wir mal so: sie fühlen sich anders an, als sie ausschauen. Du weißt ja, wie sie sich anfühlen.

Welche Rolle hat Sprache für dich?

Sprache ist immer ein Beiwerk zu meiner Arbeit. Ich schreibe sehr viel nebenbei auf.
Dieses Mal habe ich die Schrift, die Sprache weggelassen.

Das Element der Sprache ist, wenn es nicht direkt buchstäblich auftaucht, dennoch indirekt vorhanden. Vielleicht könnte man sagen, dass die neuen Arbeiten eine Figuration in dein Werk einbringen, welche so in der Form noch nicht da war.

Ja, ich glaube eben, dass meine Sprache hier in Textform nicht mehr gebraucht wird. Sie sprechen auch so.

Liesl Raff by Laura Schaeffer

Die Objekte strahlen eine gewisse Theatralik aus wie Protagonisten in einem räumlichen Gefüge.

Sie sind schon Charaktere, aber ich entwickle sie nicht in einem Raumgefüge, sie entstehen einzeln. Die Arbeiten sollen unabhängig vom Raum existieren können. Die Objekte müssen sich ihren Raum selbst erzeugen können, sodass man sie überall hinstellen kann. Es geht mir mehr um die Beziehungen, die sie miteinander und mit anderen eingehen und was daraus entsteht: eine Situation, ein soziales Gefüge.

Spiegelt dieses Beziehungsgeflecht, welche die Materialien und Arbeiten miteinander pflegen, auch dein privates Leben?

Natürlich fließt meine Lebensrealität mit ein, aber es sind auch Konstrukte wie Wunschverbindungen, eine Mischung aus Realität und Traum - eine Tagträumerei. Das Eine gab es und es wird bearbeitet und das Andere wünscht man sich und bearbeitet es auch.

Text von Cathrin Mayer
Fotos von Laura Schaeffer

MAXIMAL SOFT
Liesl Raff

Sophie Tappeiner
An der Hülben 3
1010 Wien

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Christian Glatz
Ada Karlbauer
Phil Koch
Amar Priganica
Julius Pristauz
Laura Schaeffer

Authors

Hannah Christ
Elisabeth Falkensteiner
Wera Hippesroither
Juliana Lindenhofer
Pia-Marie Remmers
Alexandra-Maria Toth