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Photo by Ali Tollervey
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Insekten mit Autotune und Spitzenschuhen: »Insect Train« beim ImPulsTanz Festival

August 11, 2018
Text by Wera Hippesroither
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Photo by Ali Tollervey

Insect Train von Cecilia Bengolea und Florentina Holzinger zeigt Szenen aus dem Leben eines Insekts und wirft dabei philosophische Fragen über das menschliche Dasein auf.

Als das Publikum den Saal im Odeon betritt, sind auf der Bühne bereits zwei dunkle Schatten zu sehen. Was da bewegungslos lauernd auf uns wartet, ist kaum zu erkennen. Sie haben Fühler, sie haben Stacheln und pelzige Glieder. Neben mir fragt jemand, ob das denn Menschen seien. Dann setzt eine schaurig-schöne Musik ein, die an ein Horrorkabinett erinnert: Es kreucht und fleucht und immer mehr Tierchen finden sich auf der Bühne ein.

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Photo by Ali Tollervey

Was wie ein Blick ins Kuriositätenkabinett beginnt, wird ein abwechslungsreicher und vielseitiger Abend, der mit beeindruckender tänzerischer Präzision, popkultureller Montage und aufwendigen Kostümen Szenen aus dem Leben eines Insekts zeigt, was am Ende zu einer philosophischen Fabel über das Mensch-Sein wird. Da werden Szenen von Gewalt und Gemeinschaft durchgespielt, genauso wie tierisches Sexual- und Fressverhalten. Eine übergroße Spinne denkt über die Vorteile von Hermaphroditen nach, die sich selbst und ohne Partner befruchten können. Eine riesige Raupe fängt ihre Beute im giftigen Schleim, um sie dann langsam zu verschlingen, und auch eine Paarung findet statt.

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Photo by Ali Tollervey

Fressen, Fortpflanzen und der Kampf ums Überleben: Die vier Tänzerinnen Cecilia Bengolea, Erika Miyauchi, Valeria Lanzara und Katharina Senk spielen die Stationen im Leben eines Insekts mit unterschiedlichen Stilmitteln durch. Es wird mit verzerrter Insektenstimme gesungen, in einer Reihe zum Song Insect Train getanzt, sich zum Kinderlied I Love Bugs verausgabt oder sich gegenseitig mit Schleim übergossen. Das Ganze vor einer Leinwand mit einem riesigen Foto, das Florentina Holzingers breites Grinsen und einen naturwissenschaftlichen Schaukasten voller Insekten zeigt. Durchgehend auf Spitzenschuhen und stark von Ballettelementen durchzogen sind auch Bengoleas Dancehall-Einflüsse deutlich zu erkennen.

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Insect Train ist gleichsam schauderhaft wie berührend. Der kuriose und absurde Einstieg mausert sich zu einer packenden Erzählung nicht nur über die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt, sondern auch über seine sozialen Beziehungen. Der vielschichtige Mix aus musikalisch-populärkulturellen Referenzen, stilistischer Präzision, abstrahierten Bewegungsabläufen und augenzwinkerndem Humor überzeugt. Die Performerinnen tanzen den Lebenszyklus eines Insekts und erzählen dabei auf kluge und durchgehend humorvolle Weise viel mehr über das menschliche Wesen, als uns vielleicht lieb ist.

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Julius Pristauz
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Elisabeth Falkensteiner
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Juliana Lindenhofer
Pia-Marie Remmers
Alexandra-Maria Toth