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Foto von Anja Beutler
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Explosive Energie: Meg Stuarts Werkschau beim ImPulsTanz Festival

August 7, 2018
Text by Wera Hippesroither
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Foto von Anja Beutler

Meg Stuart zeigt mit ihrer Compagnie Damaged Goods eine speziell fürs ImPulsTanz ausgearbeitete Retrospektive. Solos and Duets gibt in fünf Ausschnitten Einblick in ihr vielfältiges Schaffen.

Die gerade erst bei der Tanzbiennale in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnete Choreographin Meg Stuart ist eine der Schlüsselfiguren des zeitgenössischen Tanzes. Seit den 90er Jahren begeistert sie mit hochenergetischen und kraftvollen Choreographien, die immer auch Grenzen erforschen und emanzipatorisch wirken. Vor allem die Verknüpfung von Bewegung und menschlicher Emotion steht im Mittelpunkt. Als regelmäßiger ImPulsTanz-Gast hat sie gemeinsam mit ihrer Compagnie Damaged Goods eine Retrospektive für das Festival erarbeitet. In fünf Miniaturen werden im Odeon Ausschnitte aus den wichtigsten Choreographien Stuarts gezeigt, die passend zum diesjährigen ImPulsTanz-Thema Musik ausgewählt wurden. Zwei Duette und drei Solos für vier TänzerInnen und drei MusikerInnen geben Einblick in Stuarts vielfältige Formensprache.

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Foto von Anja Beutler

Wie explosiv und energiegeladen Stuarts Performances oft sind, wird gleich am Anfang eindrücklich bewiesen, wenn im Duett Inflamável pyrotechnische Effekte zum Einsatz kommen. Márcio Kerber Canabarro trägt lange Stelzen aus Holz, dessen Enden in Brand gesetzt werden und so an Streichhölzer erinnern. Gemeinsam mit seiner Partnerin Vânia Rovisco werden die Möglichkeiten der eigenen Bewegungsfreiheit erkundet und in einer an einen Kampf erinnernden Choreographie die Verletzlichkeit der beiden Körper ausgetestet. Begleitet wird die Performance von technoiden Rhythmen, die am Rande der Bühne live entstehen.

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Foto von Anja Beutler

Nach diesem Einstieg geht es deutlich ruhiger zu, es folgen die zwei Solos oh yeah huh, ein Ausschnitt aus dem populären Stück No One is Watching und Dust. In beiden Performances befinden sich die Tänzerinnen ganz alleine auf der Bühne und erkunden in abstrahierten Bewegungsabläufen die eigenen Gefühlswelten. Wird Claire Vivianne Sobottke in oh yeah huh noch von atmosphärischer Musik begleitet, ist es um Maria Scaroni in Dust ganz still geworden. Beide Performances begeistern mit besonderer Ausdruckskraft, die Tänzerinnen scheinen sich stets in einem Kampf mit sich selbst zu befinden und erforschen tastend die eigenen Möglichkeiten.

Das nächste Solo wird von Canabarro bestritten und besticht mit dem Spiel zwischen Extremen. Begleitet von einem explosiven Schlagzeugspiel beginnt Sings of Affection zunächst mit einem exzessiven Freudentanz, der den Performer dazu bringt, seinen Oberkörper minutenlang auf ekstatische Weise zu schütteln, um eins zu werden mit dem energiegeladenen Sound. Auf diesen Gefühlsausbruch folgt dann die absolute Stille. Der Performer erkundet nun das gesamte Spektrum seiner Emotionen und tastet den gesamten Körper ab, um Empfindungen an bestimmten Stellen zu finden.

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Die abschließende Performance ist ein Ausschnitt aus UNTIL OUR HEARTS STOP. Scaroni und Sobottke treten nackt auf und erkunden den weiblichen Körper auf besonders humorvolle Weise. Typische Pin-up Posen und Blickgewohnheiten des male gaze werden von den beiden Frauen gespiegelt, indem sie sich gegenseitig erkunden, anfassen, abwatschen, begutachten. So wird die Frage aufgeworfen, wer Blickobjekt und -subjekt ist. Die Choreographie sorgt für viele Lacher aus den Publikumsreihen und endet in einem energetischen Tanz, der wiederum von Live-Musik begleitet wird. Ein kraftvoller und emanzipatorischer Höhepunkt einer Werkschau, die einen sehr vielfältigen Einblick in Meg Stuarts Schaffen bietet.

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