Ashida Park (Markus Blahus & Antonia Matschnig) by Dominik Geiger Ashida Park (Markus Blahus & Antonia Matschnig) by Dominik Geiger
Foto von Dominik Geiger Make-up: Naomi Gugler
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Ashida Park oder Dekonstruktion als Hybrid

January 26, 2018
Text by Ada Karlbauer
Ashida Park (Markus Blahus & Antonia Matschnig) by Dominik Geiger
Foto von Dominik Geiger Make-up: Naomi Gugler

Im Herbst 2016 ist ein neues Label aus dem Netz gefallen: Ashida Park. Der Name steht vor allem für hybride Formen des Clubsounds, Übersetzungen von virtuell zu real, den Clubraum als Utopie und die Lust am Experiment.

Ashida Park wurde von Antonia Matschnig und Markus Blahus gegründet, die beide sowohl als DJs als auch PromoterInnen in der zeitgenössischen Wiener Clubkultur verankert sind. Das Label ist ihr Versuch eines autonomen Raumes, ohne auf die ökonomischen Parameter des klassischen Labelbetriebs angewiesen sein zu wollen — zumindest bis jetzt. Von Osaka nach Bristol, von Bristol nach Zagreb, von Zagreb nach Südtirol. Das Label ist global gedacht und legt den Blickwinkel in erster Linie auf musikalisch unterrepräsentierte Städte und Szenen. Eine konkrete Verbindung von Künstlerinnen zwischen Ost und West, denn hier herrscht immer noch eine repräsentative Kluft. Das zeigt sich gerade an der Zusammenstellung der bisherigen Ashida Park-Artists. Das Ziel sind neue künstlerische Zusammenhänge und Kollaborationen, die über das Label zueinander finden um ihre Sprache außerhalb von Genre oder geographischen Grenzen zu finden.

Ashida Park (Markus Blahus & Antonia Matschnig) by Dominik Geiger
Foto von Dominik Geiger Make-up: Naomi Gugler

Hybrid Club Musik oder Post-Club Sound, irgendwo zwischen diesen Worten lässt sich der Sound von Ashida Park verorten, doch gerade diese strukturelle Verortung soll eigentlich vermieden werden. Zwänge überwinden, Schwellen übertreten. Es geht stets darum, die vorgegebenen Schemata der musikalischen Zuordnungen zu vergessen, zumindest temporär. Der Begriff der sogenannten Hybrid Club Musik dient im Gesamtkontext aber mehr als Lückenfüller als eine festgefahrene Soundbeschreibung, denn das Label Ashida Park will sich loslösen von Genre-Zwänge.

Ashida Park (Markus Blahus & Antonia Matschnig) by Dominik Geiger
Foto von Dominik Geiger Make-up: Naomi Gugler

Die Einflüsse der Ashida Park- Artists wie LeMakeup, Bean, FVBIO oder Lil Taty kommen aus den unterschiedlichsten musikalischen Bereichen: Ob Popreferenzen, Techno, Grime oder Reggaeton: ein Merkmal, das fast alle Künstlerinnen vereint, ist die Dekonstruktion. Dekonstruktion als künstlerisches Werkzeug. Hierbei werden neue ästhetische Zusammenhänge durch bewusste Demontage geschaffen — und damit gleichsam der eigentliche Ursprung des um-kodierten Sounds verändert. Bereits Vorhandenes wird genutzt. Urheberrecht-Fragen werden bei dieser Arbeitsweise bewusst umgangen, denn die jeweiligen Tracks erscheinen meist online, in Compilations zum „free download“. Die Dekontextualisierung ist gewissermaßen die ästhetische Verbindung. Von RnB bis zum fragmentierten Post-Clubsound, weg von den klar strukturierten Techno-, und Rap-Erwartungshaltungen. Sound dient hier als nonverbaler Vermittler, Dekonstruktion als Hybrid.

Die Künstlerinnen-Communities finden sich meist online und Ashida Park findet sie dort. Ein Raum, der durch das Zusammenfließen von individuellen Kontingenzen wuchert. Multiple Austauschprozesse in der sich ständig wandelnden Umwelt. Das Internet hat neue Arbeitsweisen geschaffen und verändert damit gleichsam die Vorstellungen darüber, wie ein zeitgenössisches Label zu agieren hat.

Die hypervernetzte Realität teilt und trennt, verbindet und zerstreut. Deshalb spielt der Club als sozial begehbarer Raum für Ashida Park eine zentrale Rolle, auch als reale Utopie. Weg von der Unbeweglichkeit, hin zu einem Möglichkeitsraum zum körperlichen Austoben. Der Club besitzt die Fähigkeit, die Internet-Communities auch als lokale Subkultur abbilden zu können. Dabei ist der Übergang von virtuellem zu realem Raum wesentlich, denn es handelt sich hierbei um eine ständige räumliche Übersetzungsbewegung. Das Internet als künstlerische Sammelstelle und Community-Bildung, der Club als lokale Umsetzung, Treffpunkt, Safe Space und Raum des Experiments. Das Internet hat verbunden.

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