pw-magazine-vienna-club-fortuna-xenia-lesniewski-sarah-sternat-julia-rublow pw-magazine-vienna-club-fortuna-xenia-lesniewski-sarah-sternat-julia-rublow
pw-magazine-vienna-club-fortuna-xenia-lesniewski-sarah-sternat-julia-rublow pw-magazine-vienna-club-fortuna-xenia-lesniewski-sarah-sternat-julia-rublow
pw-magazine-vienna-club-fortuna-xenia-lesniewski-sarah-sternat-julia-rublow pw-magazine-vienna-club-fortuna-xenia-lesniewski-sarah-sternat-julia-rublow
pw-magazine-vienna-club-fortuna-xenia-lesniewski-sarah-sternat-julia-rublow pw-magazine-vienna-club-fortuna-xenia-lesniewski-sarah-sternat-julia-rublow
pw-magazine-vienna-club-fortuna-xenia-lesniewski-sarah-sternat-julia-rublow pw-magazine-vienna-club-fortuna-xenia-lesniewski-sarah-sternat-julia-rublow
pw-magazine-vienna-club-fortuna-xenia-lesniewski-sarah-sternat-julia-rublow pw-magazine-vienna-club-fortuna-xenia-lesniewski-sarah-sternat-julia-rublow

Club Fortuna: Alles was sein kann oder das Universum

October 31, 2018
Text by Magdalena Stöger
pw-magazine-vienna-club-fortuna-xenia-lesniewski-sarah-sternat-julia-rublow

Mit den Künstlerinnen von Club Fortuna sprechen wir über das Ausloten von Grenzen, Formen der Intervention und dem Bedürfnis nach Definitionen.

Club Fortuna bezeichnet sich selbst als Kombinationspräparat bestehend aus Xenia Lesniewski, Julia Rublow und Sarah Sternat. Das Kollektiv bewegt sich an der Schnittstelle von Kunst und Gesellschaft und hinterfragt akribisch die gegenwärtige Künstlerinnenrolle. Ein Interview von Magdalena Stöger.

Für eure Aktionen wählt ihr eher ungewöhnliche Szenarien, wie eine Hochzeit am Dachboden, eine Filmvorführung mit Strippern, eine Eislaufbahn im Ausstellungsraum etc. Was bedeutet das Ausloten und Überschreiten von Grenzen für euch?

Julia: Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit unserer Rolle als Künstlerinnen. Dabei versuchen wir in der künstlerischen Arbeit Situationen zu schaffen, die über die klassischen Erwartungen an Kunst und Künstlerinnen hinausgehen.

Xenia: Für mich ist das totaler Alltag, wenn die Dorfshoppingmall einmal im Jahr ihre Eislaufbahn aufbaut oder die Bürogemeinschaft sich auch mal einen gemeinsamen Stripclubbesuch gönnt. Warum sollte die Kunst da in ihren Formaten zurückbleiben?

Sarah: Leben und leben lassen.

pw-magazine-vienna-club-fortuna-xenia-lesniewski-sarah-sternat-julia-rublow

Ihr wart heuer Teil der Ausstellung Haus der Sinnsuche in den Kunstsaelen Berlin. Wie geht ihr mit dem klassischen Format Gruppenausstellung um? Hat das einen Einfluss auf euren Arbeitsprozess?

Julia: Auf jeden Fall beeinflusst es die Konzeption der Arbeit. So zum Beispiel in Berlin, wo die Kuratorin hauptsächlich Arbeiten in ihr Konzept eingeschlossen hat, die leicht zu transportieren, möglichst klar lesbar und praktisch für ihr eigene kuratorische Karriere sind. Bis zur Ausstellungseröffnung hieß es für uns viel Überzeugungsarbeit leisten und für unseren damals noch abstrakten Ansatz einer Eislaufbahn beharrlich bleiben.

Xenia: Was Julia gerade teilweise schon beschrieben hat, ist, dass wir sehr kontextsensibel vorgehen. Dazu haben wir den Anspruch, mit jeder neuen Arbeit nicht nur einer Einladung zur Ausstellungsbeteiligung zu folgen und eine schon vorhandene Arbeit einfach ein weiteres mal zu inszenieren, sondern unserem künstlerischen Ansatz gerecht zu werden. Das heißt jeweils aufs Neue und aus der Situation heraus, eine aktuelle und adäquate Antwort für uns zu formulieren. Im Grunde spielt es also keine Rolle, ob es sich um eine Gruppenausstellung oder ein Soloprojekt handelt. Wir reagieren immer präzise auf den uns zur Verfügung stehenden Rahmen. Am besten gefällt es uns natürlich, wenn er groß und aus Gold ist.

pw-magazine-vienna-club-fortuna-xenia-lesniewski-sarah-sternat-julia-rublow

Stellt euch vor, ihr würdet für ein Projekt ein unbegrenztes Budget zur Verfügung gestellt bekommen …

Julia: Wenn ich das richtig verstehe, wäre dann das unbegrenzte Budget der Rahmen unserer Aktion. Bei unserem Vorhaben Motu Matatahi Island geht es zum Beispiel darum, eine große Summe in einen Inselkauf zu investieren und diese dann ihrem eigenen Schicksal zu überlassen. Die Insel soll weder besucht noch geschützt werden. Uns gefällt dabei der Gedanke, Besitzerinnen eines unkontrollierten Zustandes zu werden.

Xenia: In diesen Dimensionen lässt sich derweil leider nur spekulieren. Und das würde ich dann eher an der Börse. Falls es aber interessierte Investoren gibt, stehen wir jederzeit mit unserem 24h-Service und brillanten Ideen bereit.

pw-magazine-vienna-club-fortuna-xenia-lesniewski-sarah-sternat-julia-rublow

Ein wiederkehrendes Motiv in euren Aktionen ist die Uniform. Was interessiert euch an Rollen(-bildern)?

Julia: Die verschiedenen Rollen haben immer auch unterschiedliche Ursprünge. Es können Referenzen sein, Identifizierung mit bestimmten Berufsgruppen oder das Künstlerinnen-Sein an sich, dass uns auch im Alltag in die verschiedensten Rollen bringt.

Xenia: Daneben wird man natürlich auch visuell direkt als Einheit beziehungsweise kollektiver Zusammenschluss lesbar. Bei Club Fortuna geht es ja gerade darum, ineinander aufzugehen und gemeinsam zu einer neuen Position zu verschmelzen, um mit den darin liegenden Potentialen spielen zu können.

Ihr beschreibt eure Arbeit auch als Aktionen beziehungsweise listet sie auf eurer Website unter »Episodes«. Was haltet ihr von den kunsthistorischen Begriffen Happening oder Fluxus?

Julia: Festgelegte Begriffe oder bereits abgestempelte künstlerische Herangehensweisen, wollen wir neue Begrifflichkeiten und Definitionen entgegensetzen. So versuchen wir das auch in der Umsetzung unserer Kunst.

Xenia: Also ich mag ja die Kunstgeschichte ganz gern und würde sagen, wir stehen eh total auf Happening und Luxus.

Sarah: Leben und leben lassen.

pw-magazine-vienna-club-fortuna-xenia-lesniewski-sarah-sternat-julia-rublow

Ihr werdet oft als feministisches Kollektiv interpretiert. Inwiefern ist Club Fortuna eurer Meinung nach ausdrücklich feministisch?

Xenia: Vielleicht 20% oder 50% oder 100%? Oder vielleicht auch ein bisschen mehr?

Sarah: Als Frauen sind wir direkt von struktureller Unterordnung betroffen und können gar nicht anders, als aus einer nicht gleichberechtigten Position heraus zu agieren. Solidarität unter Frauen und Männern ist für uns selbstverständlich und ein bestimmender Teil unseres Lebens.

pw-magazine-vienna-club-fortuna-xenia-lesniewski-sarah-sternat-julia-rublow

Im Rahmen der Ausstellung Newstalgia wurdet ihr ins Austrian Cultural Forum nach London eingeladen. Was habt ihr geplant?

Julia: Unter dem Titel Alles was sein kann oder das Universum wollen wir dem Chorus der Erde lauschen.

Xenia: Leider ist das, was wir geplant haben, wieder einmal etwas anderes als das, was sich die Institution vorgestellt hat. Man glaubt gar nicht, mit welchen minimalen Interventionen man gewisse Rahmen sprengen kann. Space is the place. Da hilft nur mehr Selbsthypnose.

Next article

pw-magazine-vienna-pakui-hardware-exile-gallery-laura-schaeffer
Photo by Laura Schaeffer

Pakui Hardware: »It’s Essential to Trust Each Other«

About

PW-Magazine is a bilingual online magazine for contemporary culture.

The Vienna-based PW-Magazine promotes diversity and a broad mix of artistic expression. The editorial team is tasked not only with reflecting current cultural production, but also with creating new visual content. The bilingual platform works with open structures and attaches great importance to collaborations that create new links between cultural creators and the public.
PW-Magazine was founded in May 2016 by Christian Glatz and Phil Koch.

Contact

editorial@pw-magazine.com

Team

Marie-Claire Gagnon
Christian Glatz
Ada Karlbauer
Phil Koch
Amar Priganica
Julius Pristauz
Laura Schaeffer

Authors

Hannah Christ
Elisabeth Falkensteiner
Wera Hippesroither
Juliana Lindenhofer
Pia-Marie Remmers
Alexandra-Maria Toth