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Cäcilia Brown: »Sitzgelegenheit war er schon einmal«

December 18, 2018
Text by Juliana Lindenhofer
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Cäcilia Brown spricht mit dem PW-Magazine über riskante Materialverbindungen, musikalische Referenzen in ihrer skulpturalen Praxis und Farbe als Material.

Eine neue Novelle der Wiener Bauordnung verlangt seit Juli 2018 eine Genehmigung um Gründerzeitbauten abzureißen, was in den Monaten vor deren Inkrafttreten zu einer stärkeren Abrisswelle führte. Es gibt Ecken, aus denen kommt man nicht mehr raus heißt die aktuelle Ausstellung der Künstlerin Cäcilia Brown in der Gabriele Senn Galerie. Ausgangsmaterial dafür sind Dachbalken aus Abrisshäusern. Ein Interview von Juliana Lindenhofer.

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Der Titel deiner Ausstellung Es gibt Ecken, aus denen kommt man nicht mehr raus ist ein Zitat aus dem Buch Poetik des Raumes von Gaston Bachelard. Um welche Ecken geht es dir?

Man/Frau befindet sich doch dauernd in einer Ecke, aus der heraus man die Welt betrachtet, oder eben nicht, weil einem etwas die Sicht versperrt, oder man verrennt sich, und kommt nicht mehr raus, wie ein ferngesteuertes Auto. Oder gerade als Künstlerin wird man doch gerne in eine thematische Ecke gestellt – die Arbeiten ziehen Vergleiche nach sich, denen sie nicht mehr entrinnen.
Bachelard spricht von einer Geborgenheit, die einen umgibt, wenn man sich in eine Ecke zurückziehen kann, und dass das Bett oft von Winkeln umgeben ist. Es ist ein Titel, der einlädt eigene Assoziationen zuzulassen, das mag ich an ihm. Er versperrt nicht.

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Deine Skulptur Der Altmieter erinnert an einen Contract Chair vom Architekten Karl Schwanzer, allerdings durchbohrt von einem mit Taubendreck verkrusteten Dachpfosten.

Eher ist der Dachbalken durchbohrt von dem Sessel. Sitzgelegenheit war er schon einmal, das erzählen die Spuren von den ehemaligen Sitzern.
Aber es beschreibt schon eine Problematik, die Der Altmieter in der Familienaufstellung der beteiligten Skulpturen mitbringt. Da geht es um mangelnden Respekt, um eine gewisse Brutalität im Aufeinandertreffen der Materialien und eine Verbindung zwischen Neu und Alt. Oder irgendetwas wurde ganz falsch verstanden, so wie die Musikerin Aldous Harding das in ihrem Song What If Birds Aren’t Singing They’re Screaming beschreibt.

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Neu sind in dem Fall die pastellenen Farben, die du wie ein Material verwendest?

Das stimmt, die Ausstellung ist wirklich bunt geworden. Als ich Wachs und Silikon als Material für mich entdeckt habe, ist auch die Möglichkeit des Einfärbens ins Spiel gekommen. Da geht es nicht darum die Oberfläche mit einer Farbschicht zu überdecken, das hat für mich immer was von Schönschreiben gehabt, wie eine Hausaufgabe. Wenn die Skulptur oder deren Hintergrund nicht vorgegeben hat, dass sie eine bestimmte Farbe braucht, habe ich die Materialien eher so gelassen wie sie sind. Mit dem Wachs ergibt sich jetzt etwas anderes, da ist das ganze Stück eine Farbe, die ich zwar zu einem Teil bestimmen kann, aber eben auch nicht ganz. Der Farbton verändert sich in warmem und kaltem Zustand, die einzelnen Schichten sind sichtbar — eigentlich ähnlich wie bei Beton, so wie ich ihn benutze. Der Zufall darf wieder mitspielen, und so ist es zum Beispiel bei Die Lehnende passiert, dass der Abguss Wachsflecken hat – als hätte jemand Farbbeutel gegen die Tür geworfen – das hat mich gefreut.
Mit dem Silikon verhält es sich ein bisschen anders, das habe ich zum ersten Mal bei den Parasiten ausprobiert, sie sind Teil der Skulpturengruppe Suso klebt sich in die Ecke und schreibt Biedermeier an die Wand, die ich mit Maruša Sagadin und Noële Ody für die Veranstaltungsreihe Gemeinsame Wagnisse im Foyer vom Belvedere 21 entwickelt habe. Hier habe ich Haken aus Stahl geformt, um die Schwanzer-Sessel des Belvedere 21 miteinander zu verbinden – aus Sicherheitsgründen dürfen die Sessel bei Veranstaltungen nicht mehr ohne Verbindung verwendet werden – und diese Haken habe ich mit eingefärbtem Silikon überzogen. Eigentlich hätte ich gerne Wachs benutzt, so gezogen, wie bei Kerzen, aber es musste ja praktisch sein – da hat das Schönschreiben Spaß gemacht und hat darüber hinaus eine Funktion: im 21er Haus damit die Stühle nicht beschädigt werden, und in der Gabriele Senn Galerie, damit die Skulptur nicht rutscht. Sie hat eigentlich Babysocken angezogen bekommen. Außerdem konnte man so noch schnell eine Referenz zum Album Pretty Vacant reinquetschen, das wäre eh der schönste Titel gewesen.

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Dachpfosten aus Abrisshäusern, FPÖ Plakatständer, eine WC Anlage vom Wagenplatz Treibstoff – das Material für deine Skulpturen ist oft aus dem öffentlichen Raum oder gebraucht.

Hier spricht die Band Ideal am besten für mich: »Ich brauch nur eines auf der Welt, ‘ne schöne Frau mit Geld«. Ich würde auch gerne mit anderen Strukturen aus dem öffentlichen Raum arbeiten, mit Ordnung, Nutzungsrecht, Anspruch, Macht – aber die lassen sich sehr schlecht ausstellen, also muss ich mit Fragmenten arbeiten.
Außerdem verstehe ich das Material, mit dem ich arbeite, als Archivmaterial – ich erfinde ja auch die Themen nicht neu, und Kaufen nimmt sowieso auch im Rest meines Alltags eine kleine Rolle ein. Ich wüsste gar nicht, wieso ich mir immer neues Material besorgen sollte, wo es doch schon soviel gibt, mit dem ich arbeiten kann.

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Foto von Juliana Lindenhofer

Besonders bei Die Versehrte oder Fragment: Die Lehnende wird klar, dass du auf dauerhaftes fixieren oder verschrauben verzichtest, und auch fragil-brutale Materialverbindungen riskierst, wie die aus Beton und Wachs.

Statt zu stellen – anders als bei Ausschweifendes Reden ist ein schöner Laster, wo ich interessiert war, die Skulpturen abhängen zu lassen – war es diesmal ein Versuch zu lehnen. Die ganze Thematik ist ja auch brüchiger – stützen und lehnen sind ja neben einer Handlung fast schon Eigenschaften, und neben der erwähnten Auseinandersetzung wie Skulpturen auftreten, geht es ja auch sehr oft um Verbindungen von Material oder Inhalt.
Vielleicht geht es dieses Mal eher um schlechte Verbindungen.

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Du zündest deine Skulpturen an, wirfst sie von Brücken, für ein gutes Foto kletterst du auch mal auf ein Dach.

Frei nach den Goldenen Zitronen: »Ich halte brennende Autos für ein starkes Ausdrucksmittel, getraue ich mich aber nicht, eines anzuzünden, da ich viele Freunde habe …«. Oder besser: Patti Smiths Smells Like Teen Spirit.

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Sofie photographed by Laura Schaeffer with a shirt by Wendy Jim. Hair&MakeUp by Naomi Gugler

Sofie Fatouretchi: Zone of Escapism

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