Asfast by Evelyn Plaschg Asfast by Evelyn Plaschg
Zeichnung von Evelyn Plaschg
Asfast by Evelyn Plaschg Asfast by Evelyn Plaschg
Foto von Evelyn Plaschg
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Foto von Evelyn Plaschg

Asfast: Der Körper als Opferaltar der Gefühle

April 21, 2018
Text by Ada Karlbauer
Asfast by Evelyn Plaschg
Zeichnung von Evelyn Plaschg

Leon Leder alias Asfast öffnet mit seiner neuen EP Altar fließende Übergänge zwischen Innen und Außen sowie zwischen Distanz und Unmittelbarkeit. Asfast stellt dabei Fragen zu Körperlichkeit und Performativität im Clubraum und zu Intimität als immersiv brachiale Live-Experience. Die Sounds sollen anspringen, physisch greifbar werden, egal ob am Dancefloor oder vor dem Bildschirm. Der Künstler positioniert sich mit seiner neuen Veröffentlichung augenzwinkernd zwischen zeitgenössischer Metal-Mystik, physischer Zerbrechlichkeit und realer Emotion. Ein Interview von Ada Karlbauer.

Kürzlich erschien die neue EP »Altar« auf dem Wiener Label AMEN. Welche Entwicklungen gab es seit dem letzten Album?

Ich hatte nach der Produktion meines letzten Albums „Peace In Drifts“ wieder stärker das Bedürfnis mich in meinen Ideen der Kälte und Direktheit der Club-Atmosphäre zu widmen. Ich wollte alles ein bisschen roher lassen. Die Sounds sollen die HörerInnen anspringen und physischer klingen. Die Themen, die mich musikalisch beschäftigen, sind eigentlich seit Jahren die gleichen. Form und Sprache haben sich verändert, wobei ich das Gefühl habe, dass „Altar“ wieder an Sachen anschließt, die ich vor Jahren gemacht habe. Ich bin mir nicht sicher wie linear meine musikalische Entwicklung verläuft. Es ist ein vor und zurück, wobei ich nur selten das Gefühl habe, mich tatsächlich zu wiederholen – das versuche ich in vielerlei Hinsicht zu vermeiden.

Asfast by Evelyn Plaschg
Foto von Evelyn Plaschg

Für das Release bist du von Ventil Records zu AMEN gewechselt. Warum?

Ich bin schon länger mit Aleksandar von AMEN in Kontakt. Ich wollte mich ein bisschen in Mystik und Dunkelheit ausleben, womit Aleksandar ja auch durch die Ästhetik seines Labels kokettiert. Wir haben die Titel der Tracks und das Artwork gemeinsam erschaffen und dabei versucht alles konzepttechnisch an das Label anzupassen, was mir echt Spaß gemacht hat. Vor allem weil wir Lust hatten mit einer gewissen Metal-Ästhetik zu spielen. Mir ist durchaus bewusst, dass dieser Stil gerade Trend ist. Es hat mich zwischenzeitlich schon zögern lassen, ob ich da mitmachen will, aber schließlich fand ich alles doch sehr stimmig und wollte eine Position innerhalb dieses Trends beziehen.

Der Begriff „Altar“ ist mit einer Vielzahl unterschiedlicher kulturgeschichtlicher Symbole aufgeladen.

Ich beziehe mich mit dem Begriff »Altar« unter anderem auf meinen Körper und dessen Teile, in denen sich meine Emotionen bemerkbar machen. Deswegen auch die Namen „Chest Piece“, „Head Piece“ und „Belly Piece“. Der Körper als Altar an dem meine Gefühle geopfert und verbrannt werden. Sie werden mir durch den Körper zugänglich gemacht und ich kann sie durchleben. Die Mystik und Symbolträchtigkeit dieses Begriffes, schließt wiederum den Kreis zur musikalischen Ästhetik und die des Labels AMEN.

Im musikalischen Vorgänger „Peace in Drifts“ hast du eine fast introvertierte Formensprache gewählt. „Altar“ dagegen ist impulsiv und wirkt wie die musikalische Manifestation innerer Konflikte.

Ich war in den Produktionsphasen beider Veröffentlichungen in ähnlichen Gefühlszuständen. Meine Probleme sind irgendwie die gleichen geblieben, die Sprache hat sich wohl ein bisschen verändert. Interessant, dass du introvertiert sagst. Ich denke, das trifft es gut. Bei „Altar“ wollte ich anscheinend wieder mehr aus mir rausgehen.

Asfast by Evelyn Plaschg
Foto von Evelyn Plaschg

Die Track-Titel „Geotrauma“, „Gapping“ oder„Mnemosyne’s Lobotomy“ entwerfen Dystopien, verhandeln Konflikte, öffnen dabei Blicke auf eine Zukunft, die möglicherweise gar nicht mehr so weit entfernt ist.

Politisch gesehen habe ich in der Produktion meiner Musik noch nie bewusst auf das Weltgeschehen Bezug genommen. Ich gehe davon aus, dass das auf einer feinstofflichen Ebene durchaus passiert, aber es stand bisher kein Konzept dahinter. Die Titel, die du ansprichst, beziehen sich eher auf persönliche Erfahrungen und emotionale Zustände. Inwiefern diese mit dem Weltgeschehen zusammenhängen, habe ich noch nicht herausgefunden.

Dein Sound besteht meist aus einer sehr offenen Form, erweckt aber dennoch den Eindruck einer kontinuierlichen Erzählung.

In einem ABC-Schema zu produzieren war noch nie mein Ding, dennoch versuche ich manchmal eine Art Struktur, ein Feeling innerhalb der Abstraktheit zu erzeugen. Prinzipiell gefällt mir aber die Idee von einer fortlaufenden Erzählung innerhalb eines Tracks, auf die ich mich auch meistens konzentriere. In vielen Fällen beziehen sich auch die Tracks innerhalb eines Albums aufeinander. Ich mache mir schon viele Gedanken zur Dramaturgie einer Veröffentlichung.

Welche Rolle spielt die Unmittelbarkeit der Musik, wenn Worte keine Option sind?

Ich glaube eine große. Manchmal fällt mir auf, dass gewisse Synthesizerspuren den Gesang übernehmen, wie beispielsweise dieser gepitchte Synth, der im ersten Drittel von „A Higher Call (Head Piece)“ vorkommt. Ich mache das nie bewusst, aber ich denke, dass ich oft unbewusst versuche die Lücke zu füllen, die entstehen kann, wenn man gänzlich ohne Stimme arbeitet.

Was sind deine Gedanken zu medialen Genre-Trends wie etwa Post-Club, Hybrid oder ähnliches?

Das was allgemein als Post-Club Musik bezeichnet wird, ist für mich eigentlich nicht Post-Club Musik. Es ist doch noch immer Musik für den Club, die extrem tanzbar produziert ist. Für mein Verständnis müsste sich der Begriff Post-Club auf Musik beziehen, die eben nicht funktioniert wie zum Beispiel Drum & Bass oder Techno, mit all seinen Breaks, Drops und 4/4 Takt Beschränkungen. Mir scheint als wäre da eine Marke konstruiert worden, für etwas, das sich zumindest in der Musikstruktur nicht von herkömmlicher Club-Musik unterscheidet und meines Erachtens nach mittlerweile stark eingeschränkt ist. Damit kann ich mich nicht identifizieren, wobei ich den Begriff Post-Club, durchaus für meine Musik passend finde. Ich nehme mich der Club-Atmosphäre sehr wohl an und verwende auch gewisse soundästhetische Club-Codes.

Wie wichtig sind Konzerte für dein Projekt?

Live zu spielen finde ich mittlerweile sehr wichtig. Früher hatte ich viel Angst und hätte eigentlich am liebsten gar nicht gespielt. Mittlerweile sehe ich wie sinnvoll es sein kann, mit dem Publikum meine durchaus intime, musikalische Welt zu teilen. Da meine Musik oft sehr physisch und brachial ausgelegt ist, kann sie im Live-Erlebnis bei hoher Lautstärke nochmal anders wahrgenommen werden, als wenn man sie Zuhause hört. Manchmal bleibt meine Musik distanziert, manchmal öffnet sie sich dann doch wieder und kommt einem ganz nah.

Wie steht Asfast zum Dancefloor?

Einerseits finde ich es total spannend in einem Club-Setting aufzutreten. Andererseits kommt es immer wieder vor, dass sich die Leute vor den Kopf gestoßen fühlen, wenn zu später Uhrzeit keine Musik zum Feiern gespielt wird. Man müsste diesbezüglich ein Club-Setting schaffen, dass sich nicht primär aufs Feiern und Tanzen konzentriert. Es gibt seit ein paar Jahren Trends in diese Richtung, was ich gut finde. Ich bin jeder VeranstalterIn dankbar, die sich dieser Problematik annimmt. Außerdem beobachte ich, dass es auch immer mehr Publikum gibt, das sich offen und freudig auf dieses Terrain begibt.

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Hannah Christ
Elisabeth Falkensteiner
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Juliana Lindenhofer
Pia-Marie Remmers
Alexandra-Maria Toth