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Verena Dengler and HC Playner at Kunsthalle Bern

Verena Dengler at Kunsthalle Bern
HC Playner, Kunsthalle Bern, 2017, installation view

Jackie of All Trades & Her Radical Chic Academy mit (((HC Playner)))

„Jackie of All Trades“ lässt sich frei mit „Hanna Dampf in allen Gassen“ übersetzen. Hanna hat Hans die Behauptung weggenommen, er könne einfach alles.

Die Jackie aller Geschäftszweige heisst Verena Dengler (*1981 in Wien, lebt in Wien). Sie weiss, wie wenig zukunftsweisend und äusserst unpolitisch es wäre, im anbrechenden Matriarchat patriarchale Vorstellungen von Können weiterzustricken. Aber was soll man tun, wenn man einfach alles kann?
Als frau dem Denken poststrukturalistischer Theoretiker noch Bedeutung beimass und sich am Psychoanalytiker Jacques Lacan abarbeitete, hätte frau vielleicht von „Dekonstruktion“ gesprochen. Dengler tut das aber nicht. Sie hält sich lieber an den auf das Seelenleben spezialisierten Sigmund Freud und seinen Begriff von der Frau, die sich anmasst, (zu) viel zu wollen – und versteckt ihre Allmachtsfantasien hinter der Maske einer Universal-Dilettantin, die sie aufspaltet und immer weiter verzweigt.

Denglers Werke und Anti-Werke sind aneignungsfreudige und anspielungsreiche Bricolagen, die sie aus Malereien, Zeichnungen, Skulpturen, Texten, selbst erzeugten, erstandenen und gefundenen Objekten im Raum arrangiert. Dengler bedient sich der Bricolage im weitesten Sinne, denn viele ihrer Arbeiten entspringen dem Interesse an Kreisläufen kultureller Erzeugnisse, an den Übergängen von Massengeschmack und Hochkultur und der Verwandlungsfähigkeit ästhetischer Symbole.

Ihre Ausstellung in der Kunsthalle Bern steht unter dem Begriff des „Radical Chic“. Diesen Ausdruck prägte der US-amerikanische Schriftsteller Tom Wolfe im Jahr 1970 in seinem gleichnamigen Essay, in dem er kommentierte, wie reiche Bildungsbürger die radikalpolitische Black Panther Party unterstützten, allein aus dem Grund, weil es modisch war. Der Begriff hat seither einige Wandlungen durchlebt, bezeichnet aber nach wie vor ineinandergreifende Spielarten von Mode, Kunst, Lifestyle und politischem Radikalismus.
Verena Dengler beleuchtet diese Begriffsverhältnisse, nicht um sie zu klären, sondern um sie humorvoll zu verhandeln. Zugleich hat sie im Bewusstsein, wie problematisch der Anspruch an die Kunst ist, politisch wirksam sein zu müssen, auch und gerade in einer Zeit, in der ständige Reaktion auf aktuelle Ereignisse gefordert wird. Moden und ihr Spiel mit dem Schein wiederum gelten, so Denglers Befund, als labil und oberflächlich: Für seriöse Menschen und ernstzunehmende Kunst gehört es nicht zum guten Ton, modisch zu sein. Solch bürgerlich-konventionelle Vorstellungen von Bewahrung und Erhalt fordern Verena Dengler heraus und bereiten ihr Vergnügen, ohne dass es ihren Arbeiten dadurch an hintergründigem Ernst mangelte.

Ihre Radical Chic Akademie, an der sie an der Kunsthochschule in Genf Studentinnen und Studenten „drillte“ und aus der auch ein Film entstand, installiert einen Nonsense, der Sinnerwartungen unerfüllt lässt.

Als Mitglied der Burschenschaft Hysteria in Wien verkündete sie dagegen das uneingeschränkte Matriarchat. Verena Dengler hat die Künstlerin HC Playner, ebenfalls Mitglied der Burschenschaft, eingeladen, im Hauptraum der Kunsthalle Bern auszustellen. Hysteria, mit dem Wappensymbol einer Hyäne, mimikriert Symbole rechtsradikaler nationalistisch geprägter Burschenschaften. Wie Hysteria betreibt Verena Dengler häufig eine Art détournement, d.h. die Zweckentfremdung und Umwertung von Codes und Symbolen, um diese gegen etwas zu verwenden.

Hinter vielen von Denglers Masken des Unernstes verbirgt sich mehr: künstlerische Ambitionen von Rechtsextremisten in Österreich, männliche Sexismen, „Regretting Motherhood“ – Reue der Mutterschaft, Denglers Familienverhältnisse. Im Subtext solcher Themen reflektiert sie ihre Rolle als Künstlerin im Fahrwasser der Contemporary Art und der gesellschaftlichen Erwartungen an die Kunst. Dengler untererfüllt die ungeschriebenen Vereinbarungen des guten Geschmacks und des angemessenen Tons im Sinne des ästhetisch Vorbildhaften und Originalen. Sie ist dabei nicht an der polemischen Vorführung von Nobilitierungsprozessen interessiert, im Vordergrund steht vielmehr ihre Lust an Gesten der Überzeichnung bis hin zur Satire.
Dengler stellt mit ihren Zumutungen ständig infrage, was als guter Ton gilt, etwa wenn sie private Angelegenheiten in ihre künstlerische Arbeit einfliessen lässt. Doch zugleich bewahren diese Zumutungen Distanz, durch Humor und durch ein immerwährendes Spiel mit Alter Egos und fiktiven Figuren.

Arbeiten von Verena Dengler (*1981 in Wien, lebt und arbeitet in Wien) wurden u.a. präsentiert in Einzel- und Gruppenausstellungen im Museion, Bolzano (2016), Zabriskie Point, Genf (2016), Thomas Duncan Gallery, Los Angeles (2015), New Museum, New York (2015), Hacienda, Zürich (2015), Galerie Meyer Kainer, Wien (2014), Kunsthalle Wien (2014), MAK, Wien (2013), mumok, Wien (2013), 21er Haus, Wien (2012), Kunsthalle Düsseldorf (2011), Kunsthalle Zürich (2011).

Verena Dengler at Kunsthalle Bern
Verena Dengler, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Andy Warhol (Lenin), 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, 500 Jahre Reformation, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, 500 Jahre Reformation, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Denglisch 2, 2013, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Denglisch 2, 2013, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, The Nutwork, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, The Nutwork, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Let’s Paint Sinéad O’Connor and pope John Paul II!, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Regretting Motherhood, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view (detail)
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Verena Dengler, Regretting Motherhood, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view (detail)
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Verena Dengler, Regretting Motherhood, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view (detail)
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Verena Dengler, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Regretting Motherhood, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view (detail)
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Verena Dengler, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Jill Mulleady, Regretting Motherhood II, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Rabenmuttermilch (Lentos Kunstmuseum Linz), 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Bussi, Mama!, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Hassfut, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Hysteria Lieder, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Heil Hysteria!, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Liedergruppe Hysteria, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Portrait Stefanie Sargnagel, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Zwei Burschen, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Sauhilde, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Wichshilde, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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HC Playner, Artemisia, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Danke für den Laptop, Papa!, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Ansteckersammlung Manfred Dengler, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Ansteckersammlung Manfred Dengler, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Carpet Diem, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Die Lyrik-Maschine, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Sondermagazim zum Ruhestand, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view
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Verena Dengler, Sondermagazim zum Ruhestand, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view (detail)
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Verena Dengler, Sondermagazim zum Ruhestand, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view (detail)
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Verena Dengler, Sondermagazim zum Ruhestand, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view (detail)
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Verena Dengler, Sondermagazim zum Ruhestand, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view (detail)
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Verena Dengler, Sondermagazim zum Ruhestand, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view (detail)
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Verena Dengler, Sondermagazim zum Ruhestand, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view (detail)
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Verena Dengler, Ein digitaler Wasserhahn – aber wozu?, 2017, Kunsthalle Bern, 2017, installation view

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PW-Magazine is a Vienna-based online magazine for contemporary culture. By giving voice to a wide array of cutting-edge personas in art and culture, the magazine promotes diversity and a broad mix of artistic expression. The editorial team is tasked not only with reflecting current cultural production, but also with creating new visual content. The platform works with open structures and attaches great importance to collaborations that create new links between cultural creators and the public.
PW-Magazine was founded in May 2016 by Christian Glatz and Phil Koch.

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Pia-Marie Remmers
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