Studio Visits Daniel Ferstl Marianna Vlaschits by Laura Schaeffer Studio Visits Daniel Ferstl Marianna Vlaschits by Laura Schaeffer
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Studio Visits: Marianne Vlaschits und Daniel Ferstl

September 7, 2017
Text by Alexandra-Maria Toth
Studio Visits Daniel Ferstl Marianna Vlaschits by Laura Schaeffer
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Marianne Vlaschits und Daniel Ferstl bewegen sich zwar thematisch auf ähnlicher Ebene, arbeiten aber in unterschiedlicher Weise, um ihre künstlerischen Arbeiten zu schaffen.

Die Arbeiten von Marianne Vlaschits und Daniel Ferstl vereint das Interesse an gesellschaftlichen Realverhältnissen sowie der Thematisierung und Vorstellung von Utopien. Ansetzend an das Medium der Malerei schaffen beide KünstlerInnen installative Arbeiten, die optisch unähnlich, aber inhaltlich harmonisch wirken.

Marianne Vlaschits: „Penistiere“ und Zukunftsperspektiven

„You know, Burke, I don’t know which species is worse. You don’t see them fucking each other over for a goddamn percentage“

 

(Sigorney Weaver als Ellen Ripley in Alien, 1979).

Die Astronautin Ellen Ripley glänzt als farbenstarkes Porträt an der Wand des Studios der Künstlerin Marianne Vlaschits (*1983). Im Bild treffen sich Zukunfts- und Gegenweltentwürfe und erzeugen eine heterogene Mischung aus radikal zynischen bis absolut hoffnungsvollen Ansichten. Während die chaotische Wirklichkeit noch um Quote und Lohngleichheit kämpft, extrapoliert die österreichische Künstlerin vorherrschende Tendenzen. Sie arbeitet dabei nicht prognostisch, sondern nähert sich dem Diskurs der Gegenwart an.

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Frühe Werke: The „Girl Gaze“

Marianne Vlaschits frühe Werke deuten auf einen karikierten Charakter, der sich in der Malerei entblößter, behaarter und dickleibiger Männlichkeit manifestiert. Eingebettet in ein tropisches Klima bewegen sich diese grotesken Männlichkeitsbilder eher unattraktiv zwischen Schamlosigkeit und subtiler Perversion. Laut Angaben der Künstlerin begannen diese Arbeiten als feministische Auseinandersetzung mit dem klassischen „Male Gaze“ der frühen, westeuropäischen Malerei und somit als Kritik an der Objektivierung und Sexualisierung weiblicher Darstellungen in der Kunst. Bereits 1972 öffnete der Schriftsteller John Berger mit seinem Werk „Ways of Seeing“ unser Auge für die ungleiche, künstlerische Illustration der Geschlechter und begann die Diskussion um das Verhältnis zwischen „Maler“ und „Gemalter“.

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Vlaschits bewegt sich einen Schritt weiter und präsentiert ihren unmissverständlichen „Girl Gaze“, denn „die Männer, die schöne Frauen malten, entsprachen selbst oft keinem Schönheitsideal“, erklärt die Künstlerin, während sie auf ein weiteres Frühwerk – „das Penistier“ deutet. Der, oftmals von Jugendlichen gezeichnete, erigierte Phallus, verliert durch Vlaschits an Symbolkraft, wenn sie das männliche Geschlecht als kleines „Tierchen“ darstellt. Frühe Arbeiten der Künstlerin zeigen eine Kritik gegenüber patriarchalen Strukturen. Indem sie ihr Werk in das Genre des Science-Fiction auslagert, zeichnet sie einen Gegenweltentwurf, der als feministische Utopie betrachtet werden kann.

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Von feministischer Kritik zu Science-Fiction

In „Alien“ wird Ellen Ripley als weiblicher Offizier in die männlich dominierte Raumfahrt eingeführt, um eine visionäre Heldin zu stellen. 2017 wurden zum dritten Mal Gravitationswellen gemessen, die von verschmelzenden schwarzen Löchern ausgesandt wurden. 2016 installierte Marianne Vlaschits für die Galerie DUVE Berlin die Ausstellung „A disturbance travelling through a medium“ und thematisierte damit die Energie physikalischer Wellenbewegungen und sprach die Raumfahrt den Frauen zu. Die Erdanziehungskraft wird zum außerirdischen „Flirt“ und Gravitationswellen gelten als Sinnbild weiblicher Expansion. Zwei kollidierende schwarze Löcher ergeben eine kosmische Vereinigung – die Liebe.

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Marianne Vlaschits hat einen außergewöhnlichen Zugang, physikalische Großereignisse mit kräftiger Farbe spielerisch und ausdrucksstark wiederzugeben. Sie vermengt den gegenwärtigen Geschlechterdiskurs mit der Logik des Kapitalismus und ergänzt ihr Werk um wissenschaftliche Erkenntnisse über das Weltall. Daraus entstehen zukunftsträchtige Szenarien, die sich rund um die Beseitigung, Umkehrung oder Veränderung bestehender Geschlechterverhältnisse drehen, sowie die Kunst der Zukunft in den Mittelpunkt stellen. Vergleichbar der „Hubble-Konstante“ expandiert Marianne Vlaschits auf künstlerischer Ebene. So reicht ihre Arbeit von der Malerei bis zur Video- und Performancekunst und schafft ein installatives Werk, dass sich zukünftig auch einem der klügsten Lebewesen unserer Erde, dem Schwein, widmen wird.

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Daniel Ferstl: „The impossible Dream“

„I still believe in paradise. But now at least I know it’s not some place you can look for. Because it’s not where you go. It’s how you feel for a moment in your life when you’re a part of something“ (Leonardo DiCaprio als Richard in The Beach, 2000).

1900 prognostizierte der Bauingenieur John Elfreth Watkins in seinem Schreiben „What may happen in the next hundred years“ einen explosionsartigen Bevölkerungszuwachs der westlichen Welt, sowie den unaufhaltsamen Fortschritt der Mobilität. 100 Jahre später findet Leonardo DiCaprio „The Beach“, um einer hochtechnisierten Welt zu entfliehen und sich einer harmonischen Solidaritätsgemeinschaft anzuschließen. Da der Mensch voller Tragödien steckt, denen er sich nicht zu entziehen vermag, entwickelt sich der Wunsch nach Rückzug und Rückkehr zur Natur zu einer Utopie, die keine mehr ist, sobald sie gelebt wird.

„The impossible Dream“ lautet der Titel eines Werks des Künstlers Daniel Ferstl (*1982).

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Traum und Realität

Die utopischen Sehnsüchte westlicher Individuen nach der Wiedergewinnung des paradiesischen Urzustandes bilden die Kernelemente Daniel Ferstls’ Arbeiten. Ebenso setzen sie sich kritisch mit neoliberalen Tendenzen, sowie den daraus gebildeten Egoismen und Machtstrukturen unserer Zeit auseinander.

Daniel Ferstl verbiegt seine Werke, addiert eine bewegliche Struktur in seine Bilder, um objekthafte Elemente zu erzeugen und schafft Atmosphären, die jederzeit in sich zusammenbrechen können. Die Suche nach dem „Paradies“ ist für den Künstler eine ästhetische Illusion und innerhalb der Thematisierung von Depression und Sinnkrise von existenzieller Bedeutung. Wo menschliche Unzulänglichkeiten nicht beseitigt werden können, ist auch das Wertesystem der Moderne nicht abzulehnen. Daniel Ferstl vertritt mit seinen Werken einen spielerischen Realismus, den er gerne um sprachliche Elemente ergänzt.

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„Undoing Gender“

Das Nähen und Stricken von Stoffen liegt historisch betrachtet in weiblicher Tradition und gehört zu den bevorzugten Arbeitstechniken des Künstlers, der ausgiebig liebliche Pastelltöne für seine Werke einsetzt. Dies kann als Praktik des „

undoing gender

“ gesehen werden, um sich normativen Definitionen von Männlichkeit zu entziehen, die einen Zugriff auf die Persönlichkeitsebene untersagen würden. „Ich bin in meiner Arbeit gerne persönlich“, erklärt Ferstl.

Was Weiblichkeit und Männlichkeit definiert, wird von dem Künstler in Frage gestellt, durchbrochen und in Form von erweiterter Malerei und Skulptur neu verhandelt. Männlichkeit ist nichts als künstlich erzeugtes Gewebe, das sich mit Vorstellungen geladen auf eine Leinwand spannen und auflösen lässt.

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Daniel Ferstls Werk ist vielschichtig und bedeutungsgeladen. Über Holz gespannte Textilien werden mit der Technik des Batiks neu eingefärbt. Durch die breite Anwendung weicher Farbstrukturen, die an die Epoche des Rokoko erinnern, bilden sie einen interessanten Kontrast zu hart gemalten Pinselstrichen, die oftmals dem Zufall überlassen sind und eine „comichafte“ Linienführung aufweisen. In losen Stichen angebrachte Seile und Patches tragen seine Bilder in einen skulpturalen Diskurs, der um Objekte aus ungebrannten Ton ergänzt wird. Die „Lieblichkeit“ seiner Werke wirkt anziehend und erzeugt ein vertrautes Gefühl von Intimität, das zunächst die Ernsthaftigkeit seiner Arbeiten verhüllt. Eine Wirkung, die bewusst erzielt wird, denn der Künstler möchte „Seelenängste“ zwar aufdecken, aber auch trivialisieren, um zu verhindern, dass uns der Schmerz der Realität einholt.

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Zu den KünstlerInnen

Marianne Vlaschits studierte von 2005 bis 2010 bei Gunter Damisch an der Akademie der bildenden Künste in Wien und 2009 an der „Slade School for Art“ in London. Ihre Arbeiten stellte sie bereits in Wien, Berlin sowie in Kairo und Paris aus. Im September zeigt Vlaschits Arbeiten im Rahmen der Gruppenausstellung „Queer Encounters – Vienna Trans L.A.“ in Los Angeles.

Daniel Ferstl studierte von 2003 bis 2008 Malerei bei Christian Ludwig Attersee an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. 2012 gründetet er zusammen mit Titania Seidl und Lukas Thaler den Projektraum MAUVE. Sein vielschichtiges Werk konnte in Wien, Amsterdam, Polen, Berlin und zuletzt in London in der Belmacz Gallery gesehen werden.

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Marie-Claire Gagnon
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Amar Priganica
Julius Pristauz
Laura Schaeffer

Authors

Hannah Christ
Elisabeth Falkensteiner
Wera Hippesroither
Juliana Lindenhofer
Pia-Marie Remmers
Alexandra-Maria Toth