Thomas Bo Nilsson's Jinxxx by Luca Fuchs Thomas Bo Nilsson's Jinxxx by Luca Fuchs
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Schönes Schaudern: Club Jinxxx lädt zur sinnlichen Spurensuche

December 5, 2016
Text by Wera Hippesroither
Thomas Bo Nilsson's Jinxxx by Luca Fuchs
Photo by Luca Fuchs

Thomas Bo Nilsson kehrt nach Cellar Door mit seinem Team zurück ins Schauspielhaus Wien. Vom 1. bis 20. Dezember öffnet sich die Tür des mysteriösen Clubs Jinxxx auf Klingeldruck. Wieder werden Abgründe erforscht, doch das Medium ist diesmal ein anderes.

Jinxxx folgt der gleichen theatralen Strategie wie schon Cellar Door und die abgeranzte Ästhetik ist bekannt aus Arbeiten wie „Meat“ an der Schaubühne Berlin. Thomas Bo Nilsson schafft mit seinem Team einmal mehr eine begehbare Installation, die eigentlich ein ganzer Mikrokosmos ist. Der Einlass erfolgt nur einzeln und mit Voranmeldung durch einen Nebeneingang des Schauspielhauses, an einer Tür bittet ein Hinweisschild darum, zu klingeln. Aufwendig gekleidete und geschmückte Frauen führen herum und bieten Getränke an, das Ganze erinnert stark an ein Boudoir. Kitschige Verzierungen und starker Parfumgeruch mischen sich mit gedämpftem Licht und grellen Farben. Nach Sichtung eines kurzen Einführungsvideos wird klar, dass „Jinxxx“ ein Art Club ist: Hotel, Puff und Kino in einem. Der Club finanziert sich über die selbst gedrehten Filme, die in den Kino-Kabinen angesehen werden können. Die PerformerInnen sind allesamt Bedienstete des Clubs, die den Gästen zur Verfügung stehen und auch für die Nacht buchbar sind. Thomas Bo Nilsson agiert in der bereits bekannten Rolle als Dragqueen wieder selbst im Geschehen und führt durch die Installation, geleitet in enge Videokabinen und an die Bar. Unterstrichen von kitschiger Musik wird schnell klar: das ist ein Ort der Vergnügung, hier ist alles möglich und das Publikum nimmt die Rolle eines Gastes ein.

Gelingt es, in einen abgelegenen Raum vorzudringen, kippt das vergnügliche Bild und aus Gast wird Eindringling. Alle Figuren sprechen ehrfürchtig von ihrer „Mutti“, sie habe das Hotel vor vielen Jahren gegründet und aufgebaut, doch es ginge ihr gesundheitlich schlecht. Die Mutti haust weniger glamourös, sie bewohnt eine heruntergekommene Hütte im Wald. Langsam wippt sie in einem Schaukelstuhl hin und her, offensichtlich ist es ihr nicht mehr möglich, sich zu bewegen und sie bringt nur schwer schnaufend unverständliche Laute heraus. Diese betagte Dame ist allerdings alles andere als harmlos. Sie lebt gemeinsam mit zwei Frauen, einem jungen Paar und zwischen den dreien herrschen gefährliche Abhängigkeitsverhältnisse. Mutti hat Macht und lässt ihre Gespielinnen körperlich leiden, diese scheinen ihr ausgeliefert und doch hörig. Auffällig ist die Videokamera, mit der Mutti hantiert. Das Medium Film scheint hier eine wichtige Rolle zu spielen, nicht nur in den Kino-Kabinen können Videos angesehen werden, Fernseher und Videokasetten verteilen sich auf nahezu alle Räume. Die Mutti-Figur dürfte den gesamten Betrieb kontrollieren, es ist jedoch unklar, warum sie in so schlechter körperlicher Verfassung ist.

In gewohnter Manier bleibt es dem Zuschauer, der Zuschauerin überlassen, Hinweise zu sammeln und zusammenzusetzen. Bruchstücke der Geschichte reichen von kannibalistischen Handlungen bis hin zu Menschen-Experimenten und Pornographie. Ob Mutti das im Programmheft angekündigte Opfer eines Verkehrsunfalles ist und unter welchen Umständen die Kino-Filmchen entstehen, bleibt offen. „Jinxxx“ ist immersiver Erfahrungsraum und bleibt der Tradition der begehbaren Geschichte treu, die Bo Nilsson bereits in der Arbeit mit SIGNA begonnen hat, ist jedoch erstmals deutlich kleiner und privater gestaltet. Die Installation zielt nicht mehr auf ein Kollektiv, sondern auf den Einzelnen, auf die Einzelne. Die ZuschauerInnen werden mit Vornamen angesprochen und durch die Räume geleitet, der Raumaufbau ist labyrinthisch und zielt auf klaustrophobische Effekte. Das Setting mit den „Bediensteten“ lädt dazu ein, sich voll und ganz auf den sinnlichen Raum einzulassen. Die Wahrnehmung mit allen Sinnen spielt eine wichtige Rolle, Empfindungen wie Enge und Beklommenheit mischen sich mit kitschigen Liebesliedern und süßlichem, – im wahrsten Sinne des Wortes – atemberaubenden Duft. Figuren in glamourösen Abendkleidern stöckeln durch die heruntergekommene Waldhütte und der süßliche Duft kann nicht über das beklemmende Gefühl hinwegtäuschen: hier stimmt etwas nicht.

Thomas Bo Nilsson's Jinxxx by Luca Fuchs
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