Torstraßen Festival Torstraßen Festival

Torstraßen Festival: »Lieber Trends setzen als hinterherlaufen.«

May 31, 2016
Text by Christian Glatz
Torstraßen Festival

In Berlin findet am 4. und 5. Juni das Torstraßen Festival statt. Wir sprachen vorweg mit Veranstalter Norman Palm über das „Musikfestival auf einer Straße“ und verlosen dafür Tickets.

Warum gerade die Torstraße? Berlin-Mitte genießt ja nicht unbedingt den Ruf eine subkulturelle Hochburg zu sein.

Andrea, Melissa (ebenfalls Organisatorinnen; Anm. d. Red.) und ich leben alle in Laufweite zur Torstraße und das teilweise schon seit der Zeit, als es noch ein bisschen mehr Subkultur in Mitte gab. Da lag es nah, das Festival vor der Haustür zu starten und nicht wie die anderen nach Neukölln zu „fliehen“. Außerdem gibt es ja auch weiterhin interessante Orte hier. Das ACUD zum Beispiel ist momentan wahrscheinlich der interessanteste Live-Club der Stadt und hat erst vor ca. 2 Jahren neu in Mitte gestartet. 

Das Torstraßen Festival vereint bekannte und neue Gesichter der DIY bis Artpop Szene – auf welche Acts freut ihr euch besonders?

Das ist immer schwer zu sagen, da wir natürlich alles toll finden und es auch gemeinsam ausgewählt haben. Meine geheime Favoritin ist Kedr Livanskiy aus Moskau. Sie macht fantastische Musik, elektronischen Pop mit 90er Drum’n’Bass Einflüssen und das Ganze auf Russisch. Ich denke, dass man sie bald öfter hier zu sehen kriegt. In Sachen DIY / Artpop ist Alex Cameron interessant, ein Australier in Berlin, der im Sommer ein Album auf Secretely Canadian rausbringt.  DAWN MOK sind super, DJ PAYPAL ist ja schon ziemlich bekannt, Jessica Slighter ist eine große Entdeckung. 

Können alle individuellen Wünsche der OrganisatorInnen umgesetzt werden oder müssen Kompromisse eingegangen werden?

Kompromisse werden immer gemacht zugunsten einer guten Mischung. Wir versuchen das Booking immer sehr offen anzugehen, das heißt erstmal ist jede Art von Musik oder Genre interessant. Es kommt uns darauf an zeitgemäß oder gerne auch ein Stückchen vorneweg zu sein, also lieber Trend setzen als hinterherlaufen. Das benötigt eine Menge Recherche, sich in verschiedenen Szenen herumtreiben, aber das macht natürlich auch großen Spaß. Generell sind wir im Team schon ziemlich auf einer Wellenlänge und jeder hat bestimmte Spezialgebiete. 

Von Berlinern für Berliner? Zwei Drittel des Festival-Line-Ups sind in Berlin ansässig. Wie durchbricht man die Blase und spricht ein neues, internationales Publikum an?

Ach, ich weiß nicht ob das überhaupt unser Ziel ist. So riesig ist das Festival nicht und es ist immer gut besucht. Wir sind ein bisschen das jährliche Klassentreffen der Berliner Independent- und DIY-Szene. Wir freuen uns natürlich über internationalen Besuch, auch Labels und Booker kommen mittlerweile aus dem Ausland zu uns. Aber den Berlinern an ein paar Tagen zu zeigen was in der Stadt so alles musikalisch passiert ist auch sehr reizvoll. 

Wie generiert man ein Festivalfeeling an acht verschiedenen Orten mitten in Berlin?

Festivalfeeling entsteht auf jeden Fall. Die Venues sind in Laufweite voneinander, man trifft sich zwischen den Konzerten zum Beispiel im Weinbergspark. Ich mag keine Konzerte in großen Locations oder auf Outdoor-Bühnen, meist klingt es nicht gut und man ist weit weg. Am liebsten würde ich alle Bands in kleinen Clubs sehen. 

Das Torstraßen Festival scheint besonderen Wert auf eine familiäre Atmosphäre zu legen – benachbarte Geschäfte und Lokale werden zum mitwirken eingeladen und im Line-Up tauchen häufig gewohnte Namen auf. Was ist die Idee dahinter?

Mehrfach spielen die Bands bei uns (fast) nie! Aber oft in neuen Konstellationen, mit neuen Projekten, das stimmt schon. Naja, wir kommen halt selbst aus dieser Szene, wir kennen viele Künstlerinnen und Künstler persönlich und verfolgen deren Entwicklung. EASTER, Fenster und Jaakko Eino Kalevi haben alle schon bei uns auf kleinen Bühnen gespielt und spielen dieses Jahr in der Volksbühne. Das ist schon cool. Und in Sachen Nachbarschaft: Wir wollen mit dem Festival einen Ort schaffen an dem es vor allem um die Musik und die Community geht, aber offen ist. Underground für alle, quasi. Daher sagen wir allen im Kiez Bescheid, hoffen, dass sie mitmachen und sich das Viertel einen Tag im Jahr um gute Musik dreht.  

Danke für das Gespräch!

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