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“Jugendzimmer” Curated by Dirk Schönberger at Galerie Crone

Artists: Ammar al-Beik (*1972, lives in Berlin), Kai Althoff (*1966, lives in Cologne), Cosima von Bonin (*1962, lives in Cologne), Gregor Hildebrandt (*1974, lives in Berlin), Mark Morrisroe (*1959, †1989), Albert Oehlen (*1954, lives in Switzerland), Elizabeth Peyton (*1965, lives in New York City), Collier Schorr (*1963, lives in New York City), Wolfgang Tillmans (*1968, lives in Berlin and London), Rosemarie Trockel (*1952, lives in Cologne) and Andy Warhol (*1928, †1987)

Curator: Dirk Schönberger (*1966 in Cologne) is Creative Director at adidas and has a collection of contemporary art in Berlin.

Duration: September 9 - October 15, 2016

Location: Galerie Crone Wien, Getreidemarkt 14, Eingang Eschenbachgasse, 1010 Wien

In contrast to the times of the avant-gardes, artistic claims of innovation today are premised less on the cutting-off of lines of tradition but rather on the rediscovery and reinvention of precursors. What is it that prompts artists to increasingly turn towards their role models and how are the corresponding homages, references and quotations revealed in their works? Which continuities, and also breaches, become apparent when it comes to creating a guiding figure?

Based on the eponymous essay “Meine Herkunft habe ich mir selbst ausgedacht” [My Origins? I Made Them Up] by the author, journalist and cultural critic Diedrich Diederichsen, curated by_vienna explores questions like these in its eighth year. The participating galleries conceptualize exhibitions on this theme in cooperation with international curators.

curated by_vienna has been initiated and organized by the Vienna Business Agency with its creative center departure since 2009 to support cooperation between Viennese galleries and international curators.

Eine Hommage darf nicht nur Abbild sein. Sie muss die Referenz, auf die sie sich bezieht, stets zerteilen, zerstückeln und zerlegen. Sie muss ihre Bestandteile akribisch und liebevoll sezieren, um daraus etwas eigenes Neues zu schaffen.

Jeder versucht sich zumindest einmal im Leben an dem Prinzip „Hommage“. Der Ort, an dem er es tut, ist das Jugendzimmer. Ein Raum, eine Höhle, ein Schauplatz der Werdung eines Menschen. Aus Einzelteilen, aus Fundstücken, aus Symbolen, aus Fotos von Idolen oder Freunden, rumliegenden Style-Items oder feinsäuberlich sortierten Lieblingsplatten schichtet sich ein neuer Charakter. Diese vielen kleinen, täglichen Hommagen an große Vorbilder, an scheinbar oder tatsächlich Bedeutendes füllen das Jugendzimmer und formen das eigene Ich.

Genau diesen Ort – das Jugendzimmer – stellt Dirk Schönberger in den Mittelpunkt der von ihm kuratierten Ausstellung.

Er zeigt unter anderem eine große, aus 17 Einzelteilen bestehende Wandarbeit der deutschen Künstlerin Rosemarie Trockel, die im unmittelbaren Zusammenhang mit den Begriffen „Hommage“ und „Jugendzimmer“ gesehen werden kann. Trockel hat die Wandkomposition eigens zusammengestellt, es finden sich darauf ausschließlich Fotos und Collagen von Freunden, Weggefährten und anderen Personen, die für die Künstlerin in irgendeiner Weise von Bedeutung sind. Da entdeckt man Jugendbildnisse ihrer Galeristinnen Monika Sprüth und Philomene Magers, der Künstler Isa Genzken und Marcel Odenbach, einer unbekannten Schönen und eines Mönchs. Wie Poster wirken sie, wie ein Rückgriff auf die eigene Jugend und die Jugend der Abgebildeten, wie eine Referenz oder Würdigung dessen, was wichtig ist oder wichtig scheint.

Man könnte das Sammelsurium, das jedes anständige Jugendzimmer füllt, als eklektische Annäherung an das eigene Ich bezeichnen. Eklektisch jedenfalls geht Schönberger im zweiten Raum der Ausstellung vor. Er setzt Arbeiten von Wolfgang Tillmans und Andy Warhol, von Elisabeth Peyton und Kai Althoff – allesamt mit unmittelbaren Bezug zu Versatzstücken der Jugendkultur – in einen direkten Kontext zu Versatzstücken eines gewöhnlichen Jugendzimmers, mixt sie mit Postern von Popstars und Sportidolen, platziert sie neben Kultlabels, Filmikons und Gamersymbolen. Irgendwo steht ein Skateboard rum, bemalt von Albert Oehlen.

Als Kontrapunkt zeigt Schönberger im hintersten Raum der Galerie das Video „La dolce Siria“ des syrischen Künstlers Ammar al-Beiks: Man sieht Jugendliche mit Waffen, mit Bomben, mit Granaten. Man sieht sie schießen, andere töten, sich ergeben. Man sieht sie bei Hubschrauberangriffen, beim Weglaufen, beim Zurückschlagen.

Man sieht: Die Straßen von Aleppo. Das andere Jugendzimmer dieser Welt.

Quellenangabe: Pressetext von Jugendzimmer. Curated by Dirk Schönberger, Galerie Crone, Wien, 2016

Jugendzimmer
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Courtesy: Galerie Crone; Foto: Matthias Bildstein, (c) 2016

www.galeriecrone.com

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PW-Magazine is a Vienna-based online magazine for contemporary culture. By giving voice to a wide array of cutting-edge personas in art and culture, the magazine promotes diversity and a broad mix of artistic expression. The editorial team is tasked not only with reflecting current cultural production, but also with creating new visual content. The platform works with open structures and attaches great importance to collaborations that create new links between cultural creators and the public.
PW-Magazine was founded in May 2016 by Christian Glatz and Phil Koch.

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