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Ex-PRATERSAUNA Chef Stefan Hiess öffnet sein Tagebuch

May 10, 2016
Text by Stefan Hiess
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Sieben Jahre hat der ehemalige Pratersauna Besitzer Stefan Hiess Tagebuch geführt. Für uns hat er seine Aufzeichnungen über die ersten Jahre öffentlich gemacht.

Pratersauna by Christian Guzy
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Sonntag, 14.02.2009, ca. 01:30

Payback läuft im Fernsehen. Ich penne schon mehr oder weniger auf der Couch, als es bei mir an der Tür läutet. Eigentlich erwarte ich niemanden. Nach dem zweiten Mal Läuten raffe ich mich auf, gehe zur Tür und schaue durch den Spion. Ein Mädchen, das ich noch nie zuvor gesehen habe steht vor der Tür, in Ihrer Hand eine halbvolle Flasche Wodka. Sie ist relativ groß für meinen Geschmack, aber nicht unattraktiv. Also mache ich die Tür auf. Neben ihr steht meine Nachbarin Patrizia und kichert. Beide sind voll fett, alles klar. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde drängen sich die Damen zu mir in die Wohnung. Ich, seit Tagen nicht mehr geduscht, bin so gar nicht auf Besuch eingestellt und leiste keinen Widerstand.

Das Trio Infernale schrumpfte bald zu einem Duo, weil Patrizia wieder rüber in ihre Wohnung musste - warum auch immer. Zugegebenermaßen machte mich das etwas stutzig und gleichermaßen auch nervös. Ein Umstand, der ihr anscheinend nicht verborgen blieb und den die beiden Fragen, „ob ich eine Freundin habe“ und „ob ich schwul bin“ nicht gerade besser machten. Die halbe Flasche Wodka kam mir zur Hilfe und war schnell geleert. Gras war alles, was ich zum Berauschen übrig hatte. Mich selbst knockt es eigentlich immer relativ aus, wenn ich fett bin und dann etwas rauche - so hoffte ich auch mein Gegenüber klein zu kriegen. Mein Besuch war erstaunlich sattelfest und bewies Stehvermögen, das mir in dem Moment fehlte.

Ich meine, dass alles war wie eine Szene aus einem Film und eine Situation, die man sich in seiner Fantasie ausmalt: Mitten in der Nacht läutet ein motiviertes, nettes Mädchen mit einer Flasche Wodka an deiner Wohnungstür und macht es sich ungeniert auf deiner Couch bequem! So was passiert nicht jeden Tag und hätte wahrscheinlich auch anders enden können. Letzten Endes haben wir die Flasche Wodka geleert, zwei oder drei Öfen geraucht und uns supernett unterhalten. Naja, zumindest eine Geschichte fürs Tagebuch.

Pratersauna by Christian Guzy
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Samstag, 28.02.09, 18:34

So, … Jetzt ist es fix: Wir kriegen die Pratersauna! Olé! Ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Damit hat das gutbürgerliche Leben ausgedient! Ich stürze mich in die Selbstständigkeit und mache das Feiern zum Beruf. Halleluja. Na das wird was werden. Für mich ist die Sache klar - ich will keine Minute meines Lebens weiter in einem Büro vergammeln und für irgendwen irgendwelche Verträge abschließen.  Montagmorgens noch „halbwaach“ mit sieben Kiberern am Tisch zu sitzen um die Konditionen ihres laufenden Mietvertrages zu besprechen, ist ja irgendwo ganz witzig, aber grundsätzlich nicht das was ich weiterhin machen möchte. Wenn schon hackeln, dann etwas, das für mich Sinn macht und das ich gerne tue. Nicht arbeiten um nebenbei leben zu können, sondern leben für die Arbeit. Das funktioniert aber nur, wenn ich für mich selbst arbeite. Deswegen musste ich nicht lange überlegen und es war nicht schwer den Hans zu überreden. Also, ab die Post!

Pratersauna by Christian Guzy
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Sonntag, 01.03.09, 19:28

Gestern war mir dann nach Feiern. Mit der Suche nach Ausreden, um sich wieder mal die Kante zu geben, war ich schon immer recht kreativ. In diesem Fall musste ich aber gar kein Kaninchen aus dem Zylinder zaubern, denn die Sache war klar: Die Zusage für die Pratersauna ist selbst für mich eine vertretbare Ausrede für einen kurzen Rückfall. Clubbetrieb und das einhergehende Umfeld ist generell nicht besonders ideal für die Gesundheit. Nicht zu feiern wird schwer bis unmöglich werden, so ehrlich muss ich schon sein. Allerdings gehe ich das Risiko lieber mit einer Arbeit ein, die mich erfüllt, anstatt aus dem Frust heraus jeden Tag zurück ins Hamsterrad zu müssen.

Pratersauna
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Dienstag, 19.05.2009, 00:01

Mit der Pratersauna erfüllen sich Hans und ich den langgehegten Traum vom eigenen Club! Dafür möchte ich mich an dieser Stelle schriftlich bedanken. DANKE! Danke, dass ich meinen Traum leben darf. Nun liegt es an Hans und mir, etwas Sinnvolles daraus zu machen und mit dem Schiff in den Sonnenuntergang zu segeln und nicht damit unterzugehen.

Die Sauna ist ein Fass ohne Boden - soviel ist mir jetzt schon klar. Das sieht man wahrscheinlich aber auch, ohne Immobilienexperte zu sein. Leicht wird das nicht - könnte schon sein, dass unser Schiff auf der einen oder anderen Sandbank kurz aufläuft, aber bei Flut muss es weitergehen. Das könnte ich mir sonst nie verzeihen.

Die Bude ist noch nicht mal offen und es ist mir jetzt schon zu viel Gerede. Die Erwartungshaltung ist groß - trotzdem sehe ich es jetzt noch einigermaßen entspannt. Ich hoffe, das bleibt so. Man kann es eh nie allen recht machen und die Leute zerreißen sich immer das Maul, egal was man macht und wie man es macht. Bringt man nichts weiter, ist man der Loser - hat man Erfolg, dann kommen die Neider und tuscheln. Ist man zu erfolgreich, „dann kriegst a Hackl ins Kreuz“. Wie man es also auch anstellt, es ist oasch!

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Freitag, 03.07.2009, 13:31

Verdammt schwüler Tag… Heute Vormittag war ich beim AMS. Nicht hackeln und Geld kassieren, yeah! Obwohl das ja gar nicht stimmt. Ich hackle mich deppert. Dazu können wir ein bisschen Unterstützung vom Staat gerade jetzt in der Gründungsphase sehr gut gebrauchen. JAAAA – die Gründung!

Am Mittwoch war es endlich so weit. Wir haben im Beisein des Notars den Gesellschaftsvertrag unterschrieben und sind jetzt Gesellschafter und Geschäftsführer der Pratersauna Betriebs GmbH. Das Ziel eines langen und beschwerlichen Weges. Wirklich leicht gemacht wird es jungen Firmen-Neugründern ja nicht unbedingt. Da wundert es mich nicht, dass es sich kaum jemand selbstständig macht.

Jetzt fehlt noch der Pachtvertrag und die Finanzierungszusage der Bank, dann sind die wichtigsten Probleme vom Tisch und wir können Mitte Juli die Bude endlich aufsperren!

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Freitag, 25.09.2009, 01:23

Pratersauna, Pratersauna, Pratersauna. Das Thema Pratersauna ist abendfüllend und bedarf eines eigenen Buches. Vielleicht schreibe ich ja irgendwann mal eins darüber. Hier und jetzt nur soviel: Wir sind in aller Munde und in allen Medien. So omnipräsent, dass es fast schon unangenehm ist. Nach außen hin läuft es sicher gut und das schon nach drei Monaten!

Hinter den Kulissen sieht es leider nicht ganz so rosig aus… Die Kohle geht uns aus, wir haben noch Schulden, die weitere Finanzierung ist noch nicht gesichert, wir liegen nicht im Zeitplan und Genehmigungen haben wir auch noch keine. Im Prinzip könnte uns das Magistrat jederzeit die Bude zudrehen…

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Donnerstag, 23.09.2010, 05:12

Nachtschwimmer. Ich sitze im Büro und kann nicht nach Hause fahren. Solomun musste ich in meiner Wohnung einquartieren und ihm mein Bett borgen, weil aufgrund des scheiß Ärzte Kongresses in Wien kein einziges Zimmer mehr frei war. Soweit so schlecht. Trotz guten Wetters waren bestenfalls 200 Gäste da. Ich hätte mir mehr erwartet, aber was soll’s.

Größtenteils freue ich mich, dass die Sommersaison fürs erste vorbei ist. Es war schon sehr anstrengend jeden Mittwoch einen internationalen Act zu Gast zu haben – ihn abzuholen, gemeinsam essen zu gehen und dann denn ganzen Abend über zu betreuen und gleichzeitig Techniker zu spielen. Natürlich war es zeitweise auch sehr nett. Wenn es nur die Mittwoche wären, wäre alles nur halb so schlimm. So bald man sich aber wieder einigermaßen erholt hat, ist schon wieder Freitag und das Spiel beginnt aufs Neue.

Bar25 Closing in Berlin – Erholung sieht anders aus! Oh, welch Überraschung. Der Sommer dauert einfach zu lang. Zu lang. Obwohl die einzelnen Wochen rasend schnell an mir vorbei zogen. Ich glaube, ich bin wirklich knapp an einem Burnout vorbei geschrammt und völlig gebannt ist die Gefahr noch nicht.

Die letzte Woche, meine „Urlaubswoche“, hat mir echt gut getan. Ich konnte endlich wieder lachen und zwar richtig - nicht nur aufgrund von Galgenhumor. Schlussendlich war ich jeden Tag in der Sauna. Nur zwei Nachmittage habe ich mir frei genommen und Nachtdienst habe ich gar keinen gemacht. Das war allein schon eine große Entlastung. Ich denke, ich werde ab jetzt generell etwas kürzer treten, sonst zerstört mich die Sauna noch - psychisch und physisch. Viel fehlt nicht mehr und wir befinden uns gerade mal im zweiten Jahr! Fünf Jahre müssen wir es zumindest noch durchziehen. Na habe die Ehre, das kann noch was werden…

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R.I.P.
PRATERSAUNA
2009 - 2016

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PW-Magazine was founded in May 2016 by Christian Glatz and Phil Koch.

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