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Radio 80000: »Wir wollen Plattform für Menschen kreieren, die gerne gute Musik hören«

September 11, 2016
Text by Susanna Eder
Radio 80000

Ihr wollt keinen Nischensender, sondern für jeden hörbar sein. Welche Musikrichtung ist egal, bei Radio 80000 wird man fündig?

FF: Das wäre natürlich schön, aber so ganz ist das wahrscheinlich nicht der Fall. Es gibt sicher noch irgendwelche Leute, deren Musikgeschmack wir nicht vertreten.

LB: Aber in der Theorie geht es genau darum. Wir wollen die Shows nicht in Genres aufteilen und montags nur Hip Hop oder dienstags nur Techno spielen. Das ist Quatsch - qualitativ hochwertige Musik ist der gemeinsame Nenner. Wer seinen Horizont erweitern will und unvoreingenommen an die Sache rangeht, kann bei uns jede Show anhören!

FF: Wir wollen ja auch nicht unbedingt ein Musikdienstleister sein. Radio 80000 soll eher eine Ausdrucksform sein für alle, die mitmachen wollen. Wenn sich davon jemand angesprochen fühlt, ist das natürlich super. Wenn nicht, kann man nichts machen.

Radio 80000 gibt es jetzt knapp über ein Jahr. Habt ihr das Gefühl, dass ihr schon jetzt einen Mehrwert für die Musikszene in München liefert?

FF: Ja, auf jeden Fall: Vielfalt. In München geht es immer darum, ob sich eine Sache lohnt. Kannst du die Miete der Konzert Location zahlen? Kannst du dich mit einem Club finanziell über Wasser halten? Dadurch greifen auch Clubs, die anfänglich progressiv in ihrem Programm waren früher oder später auf massentauglichere Bookings zurück. Bei uns ist das anders. Wir kommen ursprünglich aus dem Designbereich. Radio 80000 soll nicht unser Business sein. Es soll nur um die Musik gehen. Das ist auf jeden Fall etwas, was wir zur Szene beitragen können.

Ich könnte mir auch vorstellen, dass wir in Zukunft Leute aus der ganzen Welt nach München holen, die sonst nie hier auflegen würden. Ob das jetzt Bands oder DJs sind. Wir wollen einfach eine kreative Plattform kreieren für Menschen, die gerne gute Musik hören. So bilden sich auch neue Connections zwischen Leuten, die zuvor nicht miteinander gearbeitet haben.

LB: Es geht uns darum Filter und Ventil zu sein für Sachen, die in München bisher nicht stattfinden.


Gibt es eine Radio 80000 Utopie – wo soll es in der Zukunft hingehen?

LB: Darf ich? - Natürlich wäre es cool, wenn jemand irgendwann damit sein Geld verdienen könnte. Das müssen jetzt nicht Felix und ich sein. Aber wenn durch Radio 80000 einmal ein Arbeitsplatz geschaffen wird und wir nur noch die Schirmherrschaft haben, wäre das toll!

Wenn nicht nur die Hörer von kultureller Vielfalt profitieren, sondern jemand sein Leben aus dieser Sache finanzieren könnte. Wie auch immer die Mittel dafür zustande kommen, vielleicht durch Merchandise oder Events – nur bloß keine Werbung. Das ist bloß ein Gedanke. Ich will die Idee nicht relativieren, aber ich sehe es eher als großes Ziel, dass man nicht unbedingt erreichen muss.
 Wir wollen einfach möglichst viel auch offline stattfinden lassen und mit möglichst vielen Leuten zusammenarbeiten, das ist auf jeden Fall ein Ziel.

FF: Das ist dann aber keine Utopie, weil wir ja schon dabei sind genau das umzusetzen. Ich denke, unser Ziel ist einfach weiterhin aktiv sein zu können. Sich nicht demotivieren zu lassen, sondern einfach Kultur für München zu machen. Oder wo anders. In Wien vielleicht? Wer weiß…

Leo: “Gotta roll with the punches. The secret is not to get rich quickly, get rich slow and you earn every single dime.” – Das ist mir gerade dazu eingefallen. Reich natürlich im Sinne von beliebt, bekannt oder was auch immer.

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