Inner Tongue by Helmut Berger

Nackte Musik für’s iPhone – Inner Tongue im Interview

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Inner Tongue by Helmut Berger
Foto von Helmut Berger

Über das vermehrte Aufkommen von Solokünstlern, die Vor- und Nachteile der österreichischen Musikszene anzugehören und seine gesellschaftlichen Visionen klärt uns der Hypno-Popper Inner Tounge auf.

Wer ist Inner Tongue?

Das ist der Output meiner Songs aus einem Kreis von Leuten die verrückt nach Musik und Studioengineering sind.

Deine Songtexte sind in Englisch geschrieben, wieso?

Geprägt vom Musikgeschmack meiner Eltern, die große The Cure, Pink Floyd und David Bowie Fans sind, war das von früh an völlig natürlich für mich. Ich sang bereits „Fantasie-Englisch“ bei Aufnahmen am Kassettenrekorder mit 4 Jahren.

Ist es von Nachteil als Musiker aus Österreich zu kommen?

Man kann das so oder so sehen. Der Vorteil ist, dass man sich in einer überschaubaren Szene entwickeln kann, ohne sofortigem Erfolgsdruck. Der Nachteil ist, nur wenige kommen in den Genuss des Erfolgsdrucks, weil die nationalen Grenzen spürbar nahe sind. In den letzten Jahren werden sie aber zunehmend bedeutungsloser.

Vertrittst du als Musiker eine gesellschaftliche Vision?

Auf jeden Fall. Ich glaube an kein fertiges System, keine Religion und keine Grenzen. Aber ich glaube an die stetige Weiterentwicklung des sozialen Zusammenlebens, das notwendige Zusammenwachsen der Kulturen und daran, dass nicht jeder Schritt einer gesellschaftlichen Evolution von innen heraus als positiv gewertet werden kann.

Welcher künstlerische Stellenwert nimmt Visuelles in Kombination mit deiner Musik ein?

Im Pop ist Visuelles wie Kleidung für den Menschen. In erster Linie schreibe ich Musik aber für ihre pure Form. Nackte Musik, wenn man so möchte.

Während lange Zeit die mehrköpfige Band die gängige Größe des Indies war, dominieren mittlerweile Solomusikerinnen die Szene? Warum?

Diese generelle Entwicklung würde ich dem Homestudio zuschreiben. Man kann sich sogar ein Orchester in Garage Band per Klick dazu holen. An der Qualität der Idee ändert das ja nichts. Aber solo ist relativ. Zumeist entstammen die guten Solokünstler einem Kollektiv oder einem spannenden Umfeld. Bei uns arbeitet jeder parallel an seinen eigenen Ideen und wir treffen uns um über Musik zu diskutieren oder im Studio um verschiedene Sounds und Ideen auszuprobieren. Wir haben also großen Einfluss aufeinander und Inner Tongue ist mein Output daraus ist.

Gehört deine Musik auf die Bühne oder auf das iPhone?

Zuerst auf das iPhone, dann auf die Bühne.

Welche Künstlerinnen faszinieren dich momentan?

Frank Ocean, Jai Paul, Bilderbuch, gerade habe ich wieder viel Björk gehört. Das letzte Dirty Projectors Album ist auch richtig gut. Im Sommer war ich in Kopenhagen und hörte während des Radfahrens The Doors.

Wie geht es mit Inner Tongue weiter? 

Ich schreibe noch 3-6 Alben und bringe mindestens eines davon raus. Ansonsten weiß ich es selbst noch nicht.