viennacontemporary Marlies Wirth ZONE1

viennacontemporary 2017: Marlies Wirth im Interview

Features By
viennacontemporary Marlies Wirth ZONE1
Marlies Wirth. Foto von Anastasia Ekhlakova

Wir sprachen mit der Kuratorin Marlies Wirth über ihre Auswahl für die ZONE1 – das Format für junge KünstlerInnen aus Österreich auf der viennacontemporary.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit zwischen Ihnen und der Kunstmesse viennacontemporary?

Die viennacontemporary hat die ZONE1 seit 2013 im Programm. Da es sich um Einzelpräsentationen junger österreichischer KünstlerInnen beziehungsweise KünstlerInnen, die in Österreich studiert haben, handelt, werden jedes Jahr österreichische KuratorInnen eingeladen, diese Auswahl zu treffen.
Heuer wurde ich darum gebeten, meine Auswahl zu präsentieren. Ich habe mich darüber sehr gefreut und hatte schnell meine Liste der WunschkandidatInnen zusammen – die ZONE1 konzentriert sich auf 10 Positionen, die ihre Arbeiten in den „Solo-Booths“ ihrer Galerievertretungen präsentieren.

viennacontemporary Marlies Wirth ZONE1
Maria Anwander und Ruben Aubrecht, Just Another Work of Art

Wiens junge Kunstszene genießt wieder internationale Beachtung. Kann und möchte ihre Auswahl für die ZONE1 diese repräsentieren?

Es steht außer Zweifel, dass die junge österreichische Szene international Stand halten kann. Die 10 Positionen zeigen einen Querschnitt unterschiedlicher Medien und Herangehensweisen: Von Selbstoptimierung, Datentransfer im Internet, Materie als Informationsspeicher, der Erweiterung des Malereibegriffs, bis hin zur Verhandlung der Grundbedingungen künstlerischen Schaffens und der politischen und soziologischen Dimension von Kunst selbst.
Viele der ausgewählten KünstlerInnen haben bereits mehrfach im Ausland ausgestellt, Preise beziehungsweise Nominierungen erhalten und an internationale Sammlungen verkauft. Christian Falsnaes war heuer für den Future Generation Art Prize nominiert, und hat Einzelausstellungen in Buenos Aires und Baku. Peter Jellitsch hat 2016 im SFMOMA in San Francisco ausgestellt und ist nun in der dortigen Sammlung vertreten. Sarah Pichlkostner hat Galerievertretungen in Wien, London und Amsterdam.

Vier von zehn der Galerien in der ZONE1 haben keine Dependance in Wien. Wie kam es zu der Auswahl?

Obwohl Wien als Hotspot ja gerade sehr im Kommen ist, findet Kunst nicht nur hier statt. Mit der Teilnahme der Galerie Lisi Hämmerle und den beiden in Innsbruck geborenen KünstlerInnen Maria Anwander und Ruben Aubrecht ist der Westen Österreichs sehr gut vertreten.
Es ist immer schön zu beobachten, wenn die heimischen KünstlerInnen auch Galerievertretungen im Ausland haben. So vertritt die Kölner Galerie Philipp von Rosen schon seit vielen Jahren den österreichischen Künstler Florian Schmidt.
Peter Jellitsch, der 2014 im Rahmen des Schindler Stipendiums in Los Angeles war, hat im selben Jahr den STRABAG Award gewonnen und seine erste Vertretung fand er in der Zürcher Galerie Clemens Gunzer.
Mit der Möglichkeit, auch KünstlerInnen auszuwählen, die zwar nicht ÖsterreicherInnen sind, aber hier studiert und ihr Studium in Wien abgeschlossen haben, dachte ich sofort an Christian Falsnaes. Dessen Galerie PSM hat ihren Sitz in Berlin und ein sehr spannendes und mutiges zeitgenössisches Programm. Ich freue mich sehr, dass die Galerie PSM anlässlich meiner Einladung zur ZONE1 heuer zum ersten Mal an der viennacontemporary teilnehmen wird.

viennacontemporary Marlies Wirth ZONE1
Christian Falsnaes, Influence, 2012

Existiert ein relevanter Markt für Arbeiten junger KünstlerInnen in Wien?

Natürlich, und es ist schön zu sehen, dass auch eine jüngere Generation an SammlerInnen zusammen mit den aufstrebenden jungen KünstlerInnen „heranwächst“.
Da auch die etablierten Galerien in den letzten Jahren zunehmend auch „emerging artists“ repräsentieren hat sich das Vertrauen der SammlerInnen auch in diesem Bereich bewährt: Viele erweitern ihre Sammlungen auch um relevante junge Positionen, die sich in Zukunft noch weiterentwickeln.

Sie selbst arbeiten als Kuratorin im MAK. Ist es auch die Aufgabe der Museen, durch Ankäufe oder Ausstellungsbeteiligungen, junge KünstlerInnen zu fördern oder nur Entwicklungsströmungen zu reflektieren?

Selbstverständlich ist es auch Aufgabe der Museen, die zeitgenössischen Positionen zu stärken, sei es durch Ausstellungen, Stipendien oder im besten Fall durch einen Ankauf. Gerade die Arbeiten der jüngeren Generation von KünstlerInnen sind für Museen noch leistbar.
Mit der österreichischen Galerienförderung und der Stiftung Ludwig werden Institutionen bei Ankäufen von Arbeiten der heimischen Kunstszene unterstützt.

viennacontemporary Marlies Wirth ZONE1
Flora Hauser, O'Hara, über die Alpen schreitend, 2016, Detail

Wessen Arbeiten dürfen wir auf keinen Fall verpassen?

Die ganze ZONE1 natürlich! Nahezu alle KünstlerInnen werden anlässlich der Präsentation auf der viennacontemporary neue Arbeiten zeigen.
Sarah Pichlkostner beschäftigte sich in ihrer letzten Ausstellung in der Galerie Hubert Winter mit Apps zur Selbstoptimierung und entwickelt nun rund um das Thema Eifersucht einen neuen Aspekt in ihrer konzeptuellen Narration heraus.
Auch auf die neuen Arbeiten der Künstlerin Flora Hauser, die noch dazu die jüngste im Bunde ist, freue ich mich schon sehr. Die von Robby Greif geleitete „Dependence“ der Christine König Galerie, KOENIG2, wird mit Thilo Jenssen heuer im Rahmen der ZONE1 erstmals an der Messe teilnehmen, und auch die neue Galerie Zeller van Almsick (mit Kay Walkowiak) wird dort ihr Debut feiern. Ich bin sehr gespannt!

Vielen Dank!