Ola Maciejewska Bombyx Mori Photo by Martin Argyroglo

Ola Maciejewskas hypnotisierende Performance beim Impulstanz Festival

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Ola Maciejewska Bombyx Mori Photo by Martin Argyroglo
Impulstanz Festival: Ola Maciejewska, Bombyx Mori. Foto von Martin Argyroglo

Ola Maciejewska verwandelt den Lebenszyklus des Seidenspinner Schmetterlings in eine Choreographie und erweckt Loie Fullers Serpentinentanz wieder zum Leben.

Die polnische Performerin Ola Maciejewska beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit der amerikanischen Tanzpionierin Loie Fuller. Fullers hypnotischer Tanzstil mit dem Serpentinenkleid ist bis heute bekannt. Das Kostüm aus meterlangen Stoffbahnen erlaubt es, hybride Formationen zu tanzen, die den menschlichen Körper unter dem Stoff verschwinden lassen und mit ihrem Tempo in den Bann ziehen.

Ola Maciejewska Bombyx Mori Photo by Martin Argyroglo
Impulstanz Festival: Ola Maciejewska, Bombyx Mori. Foto von Martin Argyroglo

Bombyx Mori, der botanische Name des Seidenspinner Schmetterlings, dient Maciejewska als Titel und Motiv. Zu Beginn betreten die drei PerformerInnen die Bühne und breiten ihr Kostüm – das Serpentinenkleid – sorgfältig und minutenlang am Boden aus, bevor sie hineinschlüpfen. Das ordentliche Auslegen der Stofffalten wirkt wie ein Ritual und die PerformerInnen kriechen richtiggehend in das Kostüm hinein. Der Übergang vom am Boden robbenden TänzerInnen hin zu aufrecht stehenden wirkt wie die Entwicklung von der Raupe zum Schmetterling. Die überwältigenden Stoffbahnen bilden eine unsichtbare Architektur und lassen die menschlichen Körper unter dem Stoff sehr schnell verschwinden. Subjekt und Objekt sind nicht mehr zu unterscheiden, die Körper der TänzerInnen verschmelzen mit dem Kostüm und auf der Bühne sind keine Personen mehr zu sehen, sondern fluide Figurationen. Unterstützt durch die düstere Beleuchtung, setzt die hypnotische Wirkung des Serpentinentanzes ein. Die TänzerInnen bewegen sich mitunter unglaublich schnell. Der Logik des Kostüms ist kaum mehr zu folgen. Körper und Objekt verschmelzen und alle drei Körper bilden einen gemeinsamen Organismus.

Maciejewskas Produktion bewegt sich fern von Binaritäten wie Natur/Kultur, Tier/Mensch oder Subjekt/Objekt. Die Seidenspinner Schmetterlinge leben nur durchschnittliche zehn Tage und pflanzen sich deshalb schon kurz nach dem Schlüpfen fort. Die Performance bildet diesen kurzen Lebenszyklus ab und denkt dabei auch über die eigene Vergänglichkeit nach.

Text von Wera Hippesroither