Jojo Gronostay Dead White Men's Clothes

Jojo Gronostay präsentiert
„Dead White Men’s Clothes“

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Jojo Gronostay Dead White Men's Clothes
Jojo Gronostay Dead White Men's Clothes

Wer definiert den Wert von Kleidung im jeweiligen Kontext? Diese und mehr Fragen stellt Jojo Gronostay mit seiner Modekollektion „Dead White Men’s Clothes“.

Der Künstler Jojo Gronostay studiert seit 2015 an der Akademie der Bildenden Künste in Wien in der Klasse von Martin Goodman. Er hinterfragt in seinen Arbeiten das Wertesystem unserer Gesellschaft. Beispielsweise untersuchte er die Verwendung von Kunstwerken in Werbekampagnen der Modemarke „Comme des Garcons“.

Inspiration für sein aktuelles Projekt fand Jojo Gronostay in Ghana. In Ghanas Hauptstadt Accra existiert eines der größten Annahmestellen von Second-Hand-Kleidung weltweit: der Kantamanto Markt. Dort verkaufen über 30.000 Händler europäische Altkleidung und billig produzierte Replika-Kleidung aus China an die Bevölkerung. Ein großer Teil der Kleidung aus Europa wurde gespendet, tritt dort aber wieder in den Kreislauf des Kapitalismus ein. In den Kleiderbergen finden sich vorwiegend Produkte internationaler Sportartikelhersteller. Die Weiterverwendung bietet einerseits vielen Menschen ein Einkommen, bedroht andererseits auch die lokale Textilindustrie.

Die gebrauchte Kleidung wird in der Landessprache auch „Obroni wawu“ genannt, was soviel heißt wie „Kleidung toter weißer Menschen“ oder eben „dead white men’s clothes“. Die Bezeichnung hat ihren Ursprung in den 70er Jahren, als die ersten großen Wellen der Second-Hand Waren Ghana erreichten. Verwundert darüber, dass jemand solche schöne Kleidung wegwerfe, gingen die Ghanaer davon aus, dass die Kleidung von Verstorbenen stamme.

Aus Fundstücken, die Jojo Gronostay selbst auf dem Kantamanto Markt erwarb, entwickelte er die Modekollektion „Dead White Men’s Clothes“ – kurz DWMC. Er näht und druckt den Kleidungsstücken Logos auf und setzt sie mithilfe des Fotografen Lukas Gansterer in Szene. Der Künstler eignet sich die ausrangierte Massenware an, macht sie zu Einzelstücken und führt sie dem europäischen Markt zurück. Aus beinah wertloser Ware werden Objekte der Begierde.

Jojo Gronostay thematisiert damit wesentliche Aspekte unserer Konsumgesellschaft. Was passiert mit den Dingen, die wir täglich wegwerfen? Wie entsteht Wert? Warum sehnen wir uns nach Authentizität und Individualität?

Am 29. April präsentiert Jojo Gronostay seine Kollektion mit einem Pop-Up Store Event im Wiener Kunstraum Kevin Space.

Text von Christian Glatz

Jojo Gronostay Dead White Men's Clothes
Jojo Gronostay Dead White Men's Clothes
Jojo Gronostay Dead White Men's Clothes
Jojo Gronostay Dead White Men's Clothes
Jojo Gronostay Dead White Men's Clothes

Fotos: Lukas Gansterer
Styling: Max Märzinger
Hair & Make Up: Lydia Bredl
Models: Alexandra Myshalov und Martin Grandits