Federico Prottos SS18 zwischen Mythos und Popkultur

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Mit seiner Diplom-Kollektion gelingt dem jungen Designer Federico Protto die Symbiose von ländlichem Chic und städtischem Style. Wir haben ihn getroffen.

Irgendwie düster und doch romantisch, seltsam rural aber unglaublich verführend – das ist es, was mitschwingt, wenn man die letzte Kollektion von Federico Protto zu Auge bekommt. Das wohl unter anderem aufgrund ihrer geradezu schamanischen Natur. Entstanden ist sie im Zusammenhang mit seinem Abgang aus der Modeklasse der Universität für Angewandte Kunst Wien. Im Mittelpunkt der gesamten Arbeit steht die Beschäftigung mit seiner eigenen uruguayischen Herkunft. So haben den gebürtigen Montevideoaner neben südamerikanischen „Gauchos“ auch diverse Tiere und Mythen inspiriert. Wir haben den jungen Designer und Künstler getroffen um nochmal genauer nachzuhaken.

Du hast für diese Kollektion deine Inspiration aus verschiedenen Bereichen gezogen. Welche Aspekte haben dich beim Anfertigen am meisten beschäftigt? Was sollte am Ende spürbar sein?

Ich liebe den Mix von Mythos und Popkultur, ich habe mir viele Mythen angesehen, die mit der Kuh zu tun haben. Wie Hathor im alten Ägypten und Prinzessin Europa, unter anderem im antiken Griechenland.
Die Idee der Kollektion war es, das Thema Ursprung zu untersuchen. Meine Wurzeln in Uruguay verbildliche ich mit dem Kuhfell, die Ursprungsuniform ist somit die des Gauchos. Aber weil ich auf historische Kleidung stehe habe ich dem ganzen einen utopischen, gender-fluiden und barocken Twist gegeben.

Die ganze Fotostrecke hat ein bisschen was von einem Ritual und das Wort „Spirit“ begleitet dein ganzes Schaffen. Was hat es damit auf sich?

Ich befasse mich ständig mit schamanischen, spirituellen und heidnischen Themen. Weil ich ein schamanischer Sammler bin mache ich auch schamanische Sammlungen. Die Stücke werden somit viel mehr zu spirituellen Artefakten als zu kommerziellen Kleidern. Das Ziel ist es, dass der/die TrägerIn durch die Artefakte in einen geistigen Stand kommt um die Kraft der Natur in und um sich heraufbeschwören zu können – egal wo man ist!

Die Sonnenbrillen sind zum Beispiel ein echter Hingucker und auch in den Fotos oft im Fokus. Hast du ein Lieblingsteil aus der Kollektion?

Die Sonnenbrillen liebe ich auch heiß wie die Sonne selbst. Danke hier an Silhouette für die tolle Kollaboration!

Du machst nicht nur Mode, es gibt auch ein begleitendes Gedicht (s. unten). Und auch die Fotos sind von dir, in Kooperation mit einer Freundin entstanden. Arbeitest du immer mit Gesamtkonzepten?

Ja, ich muss! Viel mehr interessiert mich die Interdisziplinarität, Ambivalenz und Symbiose. Auf dem Weg des Sammlers trifft er auf viele Dinge: kleine Steinchen, Talismane und schöne Blumen. Aber auch die anderen Magier und Menschen um ihn bewirken Großartiges und zusammen schaffen sie Neues und Tolles.

Wie geht es für dich nun weiter als Designer und/oder Künstler?

Ich arbeite gerade mit einigen Freunden an einem online Archiv, es heißt fashion & ______. Es legt den thematischen und theoretischen Fokus auf Mode und unsere Umwelt: alles was wir sehen ziehen wir an oder wird von uns angezogen.

Ich arbeite auch an einer neuen Kollektion die ich nächstes Jahr in Wien performativ präsentieren werde – ich glaube es wird dunkel und nass.

I come from different places

I Step into the unknown.
We created our own rules and lived far away in the wilderness,
we didn’t care much about
Society and civilization
to sing and evoke the good spirits, to tell the future,
to give advice, to teach new rituals.
My uniform, I put it on to evoke ghosts,
to feel more inside the element, to understand more about
the past and the present and the future.
I come from different places,
I am a traveler, a hunter, a collector.

– Federico Protto, Poem, 2016

Text von Julius Pristauz
Fotos von Federico Protto und Anna-Sofie Lugmeier (Model: Diana Gil)