Victor Lizana Andy Schumacher Parallel Vienna 2017

Artwork of the Month: Expanded Pictorial Memetics

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Victor Lizana Andy Schumacher Parallel Vienna 2017

In der Reihe „Artwork of the Month“ laden Amar Priganica und Marie-Claire Gagnon zur näheren Betrachtung einer in Wien ausgestellten Arbeit ein.

Victor Lizana und Andy Schumacher
Expanded Pictorial Memetics
Intervention, Parallel Vienna

Beim Betrachten der Installation fällt der Blick zunächst auf drei Säulen, die subtil auf den Biennale-Beitrag Heimo Zobernigs für den Österreichischen Pavillon im Jahr 2015 verweisen. Anders als Zobernig, der den Raum bewusst entleerte, ist „Expanded Pictorial Memetics“ eine sehr geladene, konstruierte Landschaft, bestehend aus skulpturalen Objekten und Malerei.

Durch die in der Decke verwurzelten Säulen, erkennt man bereits aus der Ferne das Kernstück der Intervention – eine über die ganze Bodenfläche gewundene Schlange. Sie ist dermaßen mit Farben und kleinen Gebilden überhäuft, dass es von Weitem wie das absolute Chaos scheint. Traut man sich jedoch durch die aus „Found Objects“ und buchstäblichem Müll geformten, monumental weißen Säulen, findet man hinter dem vermeintlichen Chaos ein fein kuratiertes Universum. Landschaften aus dicker Acrylfarbe, Zuckerhaufen wie Berge aus Koks, akribische Portraits auf nassen Notizblättern, diverse Arbeiten aus dem Archiv der beiden Künstler und viele Objekte, die sich nicht wirklich zuordnen lassen. Immer wieder sticht Yung Chong Bad Boi hervor, der Hauptcharakter der Memes von Victor Lizana, welche fast täglich auf seinem berüchtigten Instagram-Account geteilt werden. Das Digitale wird hier ins Analoge übersetzt: die Memes sind ausgedruckt und unscheinbar zerknüllt unter Schichten von Silikon auf dem Körper der Schlange platziert. Lizana rekontextualisiert seine digitalen Arbeiten, indem er sie selbstironisch und humorvoll entwertet.

Der Doppelcharakter der Landschaft auf der Schlange, und auch der Schlange in der Landschaft, wird dadurch unterstrichen, dass die Künstler herkömmliche Steine im ganzen Raum platzieren. Zwar bewusst gesetzt, wirken sie dennoch belanglos.

Victor Lizana Andy Schumacher Parallel Vienna 2017

Im Dialog mit den skulpturalen Arbeiten der Installation, steht die erhabene Wandarbeit von Andy Schumacher. Die primitiven Malereien zeigen Fratzen und Haie, den Teufel und dinosaurierartige Wesen, die von einer schwebenden Figur gefüttert werden. Die Charaktere wirken gefährlich und liebenswürdig zugleich. Wie schon bei der Bodenarbeit, entdeckt man auch an der Wand ständig Neues: aufgeklebtes Papier, bekritzelte Karteikarten, verlaufene Farbe. Die Installation ist harmonisch und zugleich im Ungleichgewicht – Victor Lizana und Andy Schumacher ergänzen sich, ohne direkt aufeinander Bezug zu nehmen.

„Expanded Pictorial Memetics“ ist erfrischend unprätentiös. Monumentales trifft hier auf Banales. Die griechisch anmutenden Säulen sind nicht aus Marmor, die raumeinnehmende Schlangenskulptur besteht größtenteils aus Zucker, die Dinosaurier an der Wand sind alle befreundet und die Steine – die sind einfach nur da.

Victor Lizana Andy Schumacher Parallel Vienna 2017
Victor Lizana Andy Schumacher Parallel Vienna 2017
Victor Lizana Andy Schumacher Parallel Vienna 2017
Victor Lizana Andy Schumacher Parallel Vienna 2017
Victor Lizana Andy Schumacher Parallel Vienna 2017
Victor Lizana Andy Schumacher Parallel Vienna 2017
Victor Lizana Andy Schumacher Parallel Vienna 2017
Victor Lizana Andy Schumacher Parallel Vienna 2017
Victor Lizana Andy Schumacher Parallel Vienna 2017
Victor Lizana Andy Schumacher Parallel Vienna 2017

Die Intervention „Expanded Pictorial Memetics“ von Victor Lizana und Andy Schumacher ist noch bis 24. September 2017 im Rahmen der Parallel Vienna im 2. OG der Alten Sigmund Freud-Universität zu sehen.