Artwork of the Month Hannah Black mumok

Artwork of the Month: Hannah Black’s Beginning, End, None

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Artwork of the Month Hannah Black mumok

Die Reihe „Artwork of the Month“ lädt zur näheren Betrachtung einer in Wien ausgestellen Arbeit ein. Elisabeth Falkensteiner schreibt warum sie bewegen und was sie bedeuten können.

Hannah Black
Beginning, End, None, 2017
Videoinstallation 10:22 min

„There has never been a world“, „It is the beginning of the world“,  „It is the end of the world“. Aussagen, die den Auftakt der Videoinstallation auf drei nah beieinander stehenden im Raum versetzten Screens bilden. Diese sich widersprechenden Hypothesen über die (Nicht)-Existenz unserer Welt scheinen direkt ins All projiziert zu sein. Mit der einsetzenden Kamerafahrt bricht die Science-Fiction-Ästhetik und führt uns in ein 3D-animiertes menschenleeres Gefängnis, durch Wände hindurch in eine einzelne Zelle.

Die Zelle, die kleinste Einheit der biologischen Existenz. Mikroskopbilder von Bakterien, 3D-Renderings von DNA-Strängen und Aufnahmen von Zellwänden wechseln in einem experimentellen Setting einander ab. Ein Voice-over liest aus einem lexikalischen Eintrag den Aufbau einer Zelle und die Funktion der bildlich dargestellten Zellmembran. Eine kurze Unterwasseraufnahme erscheint, eine weibliche Stimme stellt sich die Frage nach dem Tod. Der Tod, resümiert sie, existiere in der biologischen Zelle nicht, demnach sei das Konzept des Todes als solches obsolet. Gleich einem Retro-Computerspiel erscheint eine Fabrik, zudem eine männliche Erzählstimme, die über den Beginn der Industrialisierung, die darauf folgende Massenproduktion und den Kapitalismus spricht und letzteren auch als Verursacher der modernen Sklaverei anprangert. Von Hannah Black selbst gedrehte Kameraaufnahmen setzen ein. Wir erkennen eine Zugfahrt, Musik-Schnipsel ertönen. Eine Handinnenfläche ist zu sehen. Darunter ist ein Text zu lesen, in welchem über die Entstehung eines Super-Menschen durch die Zusammenfügung von Genen spekuliert wird.

Artwork of the Month Hannah Black mumok

Die Bilderreise führt uns durch einen fiktiven Schnelldurchlauf vom Beginn bis zum Ende unserer Existenz und zeigt uns die dazwischen liegenden parallelen Entwicklungen. Die großen Fragen über den Ursprung unserer Existenz bis hin zur kleinsten Entität organischen Lebens und den politischen Implikationen in derselben offenbaren Blacks Auseinandersetzung poststrukturalistischer Theorien. Unzweifelhaft erkennen wir das Benthamsche Panoptikum der im Kreis angeordneten Gefängniszellen, welches auf die Disziplinargesellschaft verweist, die ihre Wirkungsmacht in der Reglementierung unserer Gesellschaft auch noch im postindustriellen Zeitalter entfaltet und moderne ArbeitsklavInnen hervorbringt. Durch Anspielungen auf gentechnische Eingriffe in menschliche Zellen wirft Black Fragen nach biopolitischen Machttechniken auf und zeigt nicht nur wie aktuell Foucaults Begriff der Bio-Macht im gesamtgesellschaftlichen Kontext ist, sondern wie soziale Normierung, kulturelle oder geschlechtliche Zuschreibungen in den kleinsten Teil des organischen Lebens, in die menschliche Zelle eindringt.

Hannah Blacks Videoinstallation ist in ihrer Einzelausstellung Small Room noch bis zum 18. Juni 2017 im mumok zu sehen. Kuratiert von Marianne Dobner.