Wael Shawky at Kunsthaus Bregenz

Wael Shawky at Kunsthaus Bregenz

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Wael Shawky at Kunsthaus Bregenz

Wael Shawky

Artist: Wael Shawky (*1971 in Alexandria, lives and works in Alexandria)

Duration: July 16 – October 23, 2016

Location: Kunsthaus Bregenz, Karl-Tizian-Platz, 6901 Bregenz

“Saladin is still considered an Arab hero. He managed to return Jerusalem to the Muslims. The story is a topic in any Muslim nationalist discussion. It is the same language Pope Urban II used in 1095. He said, ‘if you go to Jerusalem, you will have more food and a better life and if you die, you will go to heaven.‘ You can still hear these words today.”
– Wael Shawky, Bregenz, April 2016

The foreign and the other are currently topics of fierce discussion. The Egyptian artist Wael Shawky (born 1971) uses his filming of puppet theater to tell the story of the Crusades. In his film trilogy ‘Cabaret Crusades’, based on a book by the French-Lebanese writer Amin Maalouf, the story of the war is told from an Arab perspective. The puppets are clad in sumptuously oriental clothing, their heads evoking molten crystal rocks or honey-colored amber, which Shawky has had fabricated from Murano glass.

Two parts of the ‘Cabaret Crusades’ trilogy are being screened in Bregenz: part three, ‘Secrets of Karbala’, tells the story of the second (1147 — 1149) and third (1189 — 1192) Crusades, which finally ended in 1204 with the destruction of Constantinople. Pope Innocent III had called for the conquest of the Holy Land, using the Venetian fleet.

However, the enterprise faltered in the Adriatic, as the negotiated sum had not been paid, the Christian army then looting Zadar in order to generate funds. Christians murdered Christians in order to subsequently murder Muslims.

Whether Saladin or Richard the Lionheart, the Frankish kings or the Muslim leaders, there are no heroes. The earthen architecture on a revolving stage creates cinematic movement whilst also symbolizing the world as a flat disk. The scenes are accompanied by a compilation of the songs of Arabian pearl fishers and Egyptian electronic music. The second part of the trilogy, ‘The Path to Cairo’ (2012), features handmade ceramic creatures.

On the upper floor of Kunsthaus Bregenz four glass panels are on display in which a historical map from the Orient has been cut. Adjacently a kind of flying object is both a metaphor for the 9/11 attacks and the Hajj pilgrimage to Mecca. In the same space a flag has been spread on the floor. A second hangs over the façade of KUB, itself a pale green Kaaba, announcing the exhibition inthe form of a symbol of victory enveloping the chain mail façade.

Reference: Press release from Wael Shawky, Kunsthaus Bregenz, Bregenz, 2016

Fremdheit und Anderssein werden heftig diskutiert. Flüchtlingswellen aus dem Nahen Osten prägen die Debatten. Bilder und Berichte von humanitären Katastrophen im Mittelmeer und entlang der Schlepperrouten flackern über die Kanäle. Islamistische Terroranschläge suchen Europa heim. Es geht um die Reibeflächen der Kulturen, die Differenz von Ost und West, nicht zuletzt um die Vorherrschaftsansprüche von Religionen und Rechtsordnungen. Kunst kann Probleme nicht lösen, sie kann jedoch Perspektiven eröffnen, existenzielle Fragen in ein anderes Licht zu rücken.

Der ägyptische Künstler Wael Shawky (geb. 1971) erzählt die Geschichte der Kreuzzüge als verfilmtes Marionetten-theater. Mit der Filmtrilogie ‘Cabaret Crusades’, basierend auf einem Buch des französisch-libanesischen Autors Amin Maalouf, wird die Geschichte der Kriege aus der Sicht arabischer Quellen gezeichnet. 2011 wurde der aus Alexandria stammende Shawky mit dem ersten Teil, ‘The Horror Show File’ (2010), schlagartig berühmt. Die Schauplätze der Filme heißen Damaskus, Mossul, Jerusalem und Aleppo — es sind zugleich die Brandherde der Gegenwart. […]

In Bregenz werden zwei Teile der Trilogie ‘Cabaret Crusades’ gezeigt, neben dem zweiten Teil der dritte, erst 2014 fertiggestellte Schlussteil ‘Secrets of Karbala’, der die Geschichte des Zweiten (1147—1149) und Dritten (1189—1192) Kreuzzugs erzählt. Die Kreuzzüge enden mit der Zerstörung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer im Jahr 1204. […]

Ob Saladin oder Richard Löwenherz, die Frankenkönige oder die muslimischen Anführer, hier gibt es keine Helden. Licht, Nebel, Papplandschaften und fantastische Puppen hüllen die Ereignisse dennoch in einen träumerisch-unwirklichen Dunst. Eine auf eine Drehbühne gesetzte Lehmarchitektur ist Mittel zur filmischen Bewegung und zugleich Sinnbild für die Vorstellung von der Welt als flacher Scheibe. Begleitet werden die Szenen von einer aus Liedern von arabischen Perlenfischern und ägyptischer Elektronik zusammengestellten Musik. Der zweite Teil der Trilogie, ‘The Path to Cairo’ (2012), ist zwei Jahre zuvor entstanden. Handgefertigte Keramiken, halb Mensch, halb Tierwesen, stellen die Ereignisse der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts dar. Shawky vermeidet die Zentral-perspektive, so ensteht symbolisch der Raum der Geschichte. Wael Shawky ist es wichtig zu analysieren, wie und warum wir an den historischen Text glauben.

Im obersten Stockwerk des Kunsthaus Bregenz sind vier Glasplatten zu sehen, deren Rückseiten verspiegelt sind. In die Glasplatten sind historische Landkarten aus dem Orient eingefräst. Die Stadt Babylon, das heutige Bagdad, ist zu erkennen, aufgeklappt als perspektivische Ansicht einer orientalischen Stadt. Im selben Geschoss ist ein Art Flugobjekt aufgestellt, Sinnbild sowohl für die Anschläge von 9/11 als auch für die legendäre Pilgerfahrt nach Mekka, den Hadsch. Die raumgroße Skulptur ist extra für das Kunsthaus Bregenz entstanden. Es ist ein Vogel, vielleicht ein Drachen, ein riesenhaftes Insekt, ein märchenhaftes Ungetüm oder ein Flugzeug. In diesem Stockwerk ist zudem eine Fahne auf dem Boden ausgebreitet. Sie hängt auch an der Außenhaut des Kunsthaus Bregenz von der Fassade herab. Das KUB, selbst eine blassgrüne Kaaba, wird für die Dauer der Sommerausstellung mit einem farbenprächtigen Überwurf versehen. Weithin sichtbar kündigt sich die Ausstellung an, wie ein Zeichen auf einer mittelalterlichen Zitadelle.

Quellenangabe: Pressetext von Wael Shawky, Kunsthaus Bregenz, Bregenz, 2016

Wael Shawky at Kunsthaus Bregenz
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Photos by Markus Tretter
Courtesy of Wael Shawky
© Wael Shawky/Kunsthaus Bregenz