Salto Capitale

Die Boys von Salto Capitale im Interview

Interviews By
Salto Capitale

Wir haben uns mit Salto Capitale im Park getroffen und mit ihnen über das Veranstalten, Partys außerhalb des Clubkontextes und Phil Collins gesprochen.

Wollt ihr euch erst mal kurz vorstellen? Wer sind Salto Capitale?

Lenny: Salto Capitale sind Marie und Erdball. Das ganze Projekt haben wir Ende 2015 gestartet und es kam eigentlich daher, dass wir mit der Situation in Wien etwas unzufrieden waren.

Philipp: Es gab schon Partys zu denen wir gerne gegangen sind und bei denen wir die Musik mochten. Dennoch gab es viel zu wenige Veranstaltungen, die wirklich unserem Geschmack entsprochen haben. Daraus ist die Idee entstanden, Musik die wir gerne hören in den Clubkontext zu bringen.

Wie habt ihr zueinandergefunden?

P: Durch gemeinsame Freunde. Wir haben uns gut verstanden und dann auch im Mai letzten Jahres bei der ersten Brüterei Party im transporter b2b aufgelegt – was super funktioniert hat.

L: Ursprünglich waren von meiner Seite nur Visuals für die Party geplant. Philipp kannte aber mein Soundcloud und wusste, dass ich selber auch auflege. So hat sich das Ganze dann ergeben. Ab dem Zeitpunkt haben wir gemerkt dass wir uns super austauschen können und auch weiterhin kollaborieren möchten.

P: Jetzt hosten wir ein mal im Monat die Kitchen in der Grellen Forelle. Dafür haben wir uns mittlerweile einige Wiener Leute wie z.B. RANAH GEIST, Waxter Dancel, KobermannNoel D und PLASTIKPAKT dazu geholt. Unser erster eigener Abend unter dem Thema Salto Capitale war mit nixxon aus Kopenhagen.

Salto Capitale

Salto Capitale als Thema… Für was steht Salto Capitale? Der Name bleibt auf jeden Fall im Gedächtnis.

L: Wir wissen auch nicht ganz genau was er bedeutet und das finde ich eigentlich ganz gut.

P: Ich finde es auch nicht wirklich förderlich, wenn man sich einen ganz konkreten Rahmen setzt. Salto Capitale steht für unsere Kreativität und das, was wir spielen wollen. Das kann irgendeine absurde Disco-Nummer sein, über weirden Krautrock bis hin zu hartem Industrial-Techno Sound.

L: Die Namenswahl haben wir eigentlich sehr schnell getroffen. Jetzt im Nachhinein bin ich aber sehr zufrieden, dass es so gelaufen ist und noch alles ein bisschen unklar ist. Es spiegelt unseren Zugang zu der ganzen Sache gut wieder. Eigentlich geht es nur darum die Platten, die wir lieben und sowieso ständig zuhause spielen, mit den Leuten da draußen zu teilen.

P: Und das ganze ohne kommerziellem Interesse, der Spaß steht im Vordergrund. Wir spielen einfach das, was wir wollen. Und wenn es ein Publikum dafür gibt und wir positives Feedback bekommen, ist es umso toller.

Das heißt musikalisch wollt ihr euch nicht auf eine gewisse Richtung einschränken?

P: Ich würde sagen, dass wir uns nach unseren eigenen Vorlieben einschränken. Jeder steht so für seinen Sound. Lenny spielt nicht den selben Sound wie ich, aber unsere Geschmäcker ähneln sich sehr. Es gibt also durchaus eine Rollenverteilung, die aber eher natürlich entsteht.

L: Es ist jetzt nicht so, dass Philipp nur draufballert und ich softe Nummern spiele, es kommt immer drauf an wie man sich gerade fühlt. Manchmal komme ich in den Club rein und würde es gar nicht aushalten die ganze Nacht draufzuballern. Das geht uns beiden so, dadurch verschiebt sich diese Rollenverteilung auch immer wieder.

Mir fällt es auch extrem schwer uns einem Genre zu zuordnen. Ich entdecke ständig neue Tracks aus musikalischen Bereichen, mit denen ich mich vorher nie wirklich beschäftigt habe und die mich dann plötzlich voll umreißen. Das war auch eine der Sachen, die ich zu Philipp gesagt habe, als wir über unser Konzept gesprochen haben: Gar nicht lang drüber nachdenken – das worauf wir Bock haben ist der Standard der Party. Genau das ist Salto Capitale.

Habt ihr bei euren Partys feste Set-Zeiten oder läuft das alles genauso spontan wie bei der Musikwahl ab? Und wie ist es wenn ihr b2b auflegt?

P: Wir schauen immer wie es gerade für uns passt. Wenn der eine auflegt und der andere eine Platte hat, die gerade dazu passt, dann ist das natürlich voll in Ordnung. B2b funktioniert in den meisten Fällen echt gut, klar kommt es manchmal vor, dass man aneinander vorbei spielt. Aber das ist nicht schlimm, so ein Bruch kann auch total interessant sein. Wenn jetzt z.B. eine schnelle Nummer mit hartem Bass in eine Disco Nummer übergeht, kann das den Abend in eine komplett andere Richtung bringen. Aber es kann natürlich auch voll nach hinten losgehen.

L: Bei unseren Partys geht es darum die Leute zu überraschen. Unser Wunsch ist es, dass die Leute nicht in den Club reinkommen und ein vorgefertigtes Produkt im Kopf haben, dass sie sich für 10 Euro an der Kassa abholen können. Man schaut, wie die Leute drauf sind und wie voll es gerade ist. Ist die Halle vor einem leer oder stehen Leute da, die es genießen? Je nachdem greifen wir dann auch ein und fühlen ob das Publikum gerade einen harten Sound will oder einen Umbruch.

P: Ich finde es auch spannend nicht so einen geraden Spannungsbogen für die Nacht zu fahren – dass man z.B. ganz langsam anfängt und sich dann immer weiter zum Höhepunkt hocharbeitet, den man dann versucht bis zum Ende der Party zu halten. Dieser Ansatz kann nämlich oft sehr schnell monoton werden und hat uns an der bestehenden Clubszene oft gelangweilt. Wir gehen auf und ab, setzen auf Abwechslung.

L: Gerade wenn wir 7 Stunden am Stück spielen, gibt es auch Momente, in denen ich nicht nur auf’s Publikum achte, sondern mehr auf mich selbst. Manchmal pack‘ ich einfach das Draufgeballer nicht mehr und entweder ich geh dann aus dem Club raus oder ich breche das ganze mit einer langsameren Nummer um. Das Ganze hat so seine natürliche und impulsive Eigendynamik, ohne viel vorzuplanen.

Salto Capitale

Ihr seid ja jetzt von Anfang an in der Forelle gewesen. Eigentlich ein recht ungewöhnlicher Start, sofort in so einem großen Club aufzulegen.

P: Es ist ja auch nicht so, als ob wir auf dem Mainfloor unsere eigenen Partys hosten. Wir hatten das Glück, dass Johannes Laminat uns gut gefunden hat und wir dadurch die Chance bekommen haben, die Kitchen einmal im Monat zu bespielen. Das war schon ein arger Sprung, weil wir davor immer nur in kleineren Locations wie dem transporter aufgelegt haben. War schon ein ziemlich krasser Startschuss in dem Club aufzulegen in den wir auch sonst immer zum Fortgehen waren. Ein Startschuss, der vielleicht etwas zu schnell gegangen ist aber dann super funktioniert hat.

Aber wie habt ihr das mit euch vereinen können, dass ihr euren ersten Salto Capitale Abend mit dem größeren Mainfloor teilen müsst? Quasi als Teil einer Party.

L: Das haben wir anfangs überhaupt nicht bedacht. Es war so ein großes Ding, in der Forelle auf einer richtig guten Clubanlage zu spielen. Und das auch noch vor Leuten, die wirklich zum Tanzen gekommen sind. Das war so besonders für uns, dass wir das gar nicht so gesehen haben. Wir haben uns ziemlich schnell entschieden Ranah zu buchen, weil sie ganz genau weiß was sie will und wir sie wirklich super finden. Das erste Ding sollte wirklich dick sein und deshalb haben wir noch Paul dazu geholt, der meiner Meinung nach einer der besten DJs in Wien ist. Also ja, anfangs war gar nicht der Gedanke da, dass wir Teil einer größeren Sache sind. Die erste Party lief so gut – die Kitchen war einfach von 12 bis 6 Uhr in der Früh knackevoll und die Leute haben es echt genossen.

P: Da drüben war irgendein großes Booking, wofür die meisten Leute eigentlich gekommen sind. Sie haben dann aber vom Mainfloor zu uns gefunden und weitergetanzt. Im Nachhinein gab es viel positives Feedback.

L: Es ist schön zu sehen, dass Leute, die wegen einer ganz anderen Sache da sind, sich für das begeistern, was wir so machen.

P: Ich würde sagen die Musik, die wir spielen, ist nicht so groß vertreten. Viele Leute haben so was noch nicht gehört und haben da nicht so den Zugang zu.

L: Und viele sehen so eine Musik auch nicht im Clubkontext. Die können sich gar nicht vorstellen in einem Club wie der Grellen Forelle zu stehen und plötzlich zu einer Phil Collins-Nummer zu tanzen. Aber ganz wichtig ist auch, dass Partys wie ErdbahnkreuzerAscending Waves und BASIC RHYTHM ein Anstoß für uns waren in der Richtung selber aktiv zu werden. Wir sind nicht die Typen, die kamen und das erfunden haben. Es sind Leute da, die richtig Bock haben die Szene aufzumischen und das motiviert uns voll.

Also habt ihr auf jeden Fall Lust in der Grellen Forelle weiter zu machen?

P: Ja, wir werden sehen, es ist auf jeden Fall eine coole Plattform. Ich mag auch die Kitchen sehr gerne, weil es dort so klein und intim ist. Schade, dass es sie bald nicht mehr geben soll.

L: Ich möchte hier auch definitiv nochmal sagen, dass es eigentlich ein Wahnsinn ist, was der Johannes da für ein Vertrauen in uns hatte. Du hast ja vorhin gesagt, dass das alles vielleicht sogar ein bisschen zu schnell ging. Aber ich hab das Gefühl, dass wir diesen riesigen Sprung eigentlich ganz gut hinbekommen haben.

Er hat euch ja auch bis zu diesem Grad vertraut, dass er euch einen ganzen Abend gegeben hat. Das war ja auch an einem Donnerstag, hat das einen Unterschied gemacht? Wie war es für euch, einen ganzen Abend in der Forelle selbst zu gestalten?

L: Es war schön! Donnerstage in Wien sind aber sehr schwer, speziell auch in der Spittelau. Aber an und für sich war der Abend wirklich besonders und ich bin froh, dass wir uns für nixxon entschieden haben. Er ist ein super Typ und es war sehr toll ihn kennen zu lernen und seinen Zugang zu der ganzen Sache mitzubekommen. Das alleine macht den Abend für mich schon zu einem Erfolg. Wir konnten ihm die Stadt zeigen und dann auch noch ein Wahnsinns-Set von ihm genießen.

P: Aber dadurch, dass wir immer die Kitchen-Hostings hatten und kein wirklich fixes Publikum aufbauen konnten, war leider nicht so viel los.

L: So was entsteht ja auch nicht von einem Tag auf den anderen. Das war jetzt unser erster eigener Abend und wir sind super zufrieden. Der Nikolaj hatte auch eine gute Zeit hier, das ist wichtig und jetzt geht es weiter.

Salto Capitale

Also plant ihr auch neue Locations auszuprobieren?

L: Es ist definitiv in Planung, dass wir das Ding weiterführen, aber wir werden uns auch außerhalb der Grellen Forelle umschauen. Wir müssen uns jetzt einen Plan machen und schauen, wie sich das ganze für uns anfühlt und in welche Richtung es gehen soll. Ich bin derzeit auch sehr interessiert daran aus dem Club-Kontext rauszukommen. Vielleicht einmal im Monat eine kleine Location ohne riesigen Druck bespielen. Wir wollen einfach weiterhin unsere Musik teilen.

P: Genau, Musik zum Anhören. Wenn sich daraus dann Tanzen und Stimmung und vielleicht eine Party ergibt, dann passiert das halt. Wir wollen das organisch aufbauen und Leuten die Chance geben uns kennenzulernen – auch außerhalb der Grellen Forelle.

Das hört sich an wie in der Brunnengasse 62 (R.I.P). Also quasi in so einem entspannten Kontext, einer Wohnung, einer alternativen Location. Habt ihr da schon was in Aussicht?

P: Gar nicht konkret, aber es gibt eben die einschlägigen Bars, zu denen unsere Musik auch passen würde. Aber da müssen wir uns jetzt erst mal umschauen. Noch ist nichts fix.

L: Locations wie das Schikaneder oder der Elektro Gönner wären sicherlich gute Orte. Seit Neustem hab ich den echoraum, der in keiner Weise ein Partyraum ist, im Kopf. Der Sound ist dort so super, dass ich mir überlegt hab, da in kleiner Runde Abende zu veranstalten. Das fände ich sehr schön – einen Ort an dem es wirklich darum geht, den Sound an den Mann zu bringen. Wo es dann gar nicht um das Party-Ding geht sondern darum zusammenzukommen, sich auszutauschen und Musik zu hören. Aber das ist alles noch sehr vage. Da müssen jetzt auf jeden Fall Pläne geschmiedet werden.

Ihr wollt aber nicht komplett aus der Clublandschaft verschwinden, oder?

L: Nein, gar nicht, das wollen wir auf jeden Fall beibehalten. Das eine soll das andere bedienen. Unsere Sammlung deckt mittlerweile so ein breites Feld ab, dass es für beide Situationen Material gibt.

Uns gefällt euer Online-Auftritt gut, ihr scheint einen hohen ästhetischen Anspruch zu haben.

P: Wir haben die Seite erstellt, weil Facebook das Medium ist, wodurch wir ganz viele Leute einfach und ohne Kosten auf uns aufmerksam machen können. Wir finden viele Party Flyer ein bisschen langweilig. Da wir beide einen kreativen Background haben, können wir uns da auch visuell ausleben. Das geht von Flyern über die Promo bis zu den Visuals von Lenny, die wir beim Event projizieren. Es ist uns wichtig die Musik auch visuell zu reflektieren.

L: Es war definitiv von Anfang an der Plan, dass der visuelle Output von Salto Capitale high end ist. Anfangs haben wir gemeinsam an diesen Sachen gearbeitet aber irgendwann haben wir gemerkt, dass es mehr Sinn macht, die Arbeit aufzuteilen. Jetzt wechseln wir uns einfach ab, damit jeder seine Ideen verwirklichen kann und keine Kompromisse eingehen muss. Wir vertrauen uns da auch absolut.

Danke für das Gespräch!

Salto Capitale sind Erdball und Marie aus Wien. Das Format bietet ihnen eine Plattform, um Stücke aus den eigenen Musiksammlungen und die Musik Gleichgesinnter zu teilen. Sie experimentieren hauptsächlich im Kontext tanzbarer Musik.

Text von Amar Priganica und Marie-Claire Gagnon
Fotos von Laura Schaeffer