Aus dem Bauch heraus – Amal Khalaf und Monira al Qadiri in der TBA21

Aus dem Bauch heraus – Amal Khalaf und Monira al Qadiri in der TBA21

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Aus dem Bauch heraus – Amal Khalaf und Monira al Qadiri in der TBA21

Ephemeropteræ, das Sommer-Format für Sprechperformance im Garten der TBA21 lädt für seine siebente Version Amal Khalaf und Monira al Qadiri ein, welche auf ihren Bauch hören und mit einer Sound Installation ihre Heimat und die Kunstwelt des Arabischen Golfs erforschen.

Die Thyssen-Bornemisza Art Contemporary – kurz TBA21 – bespielt den Augarten über den Sommer mit dem Format Ephemeropteræ und bietet eine Bühne für unterschiedliche Interpretationen des Begriffs ’spoken word performance‘. Kuratiert von Daniela Zyman und Boris Ondreička erforschen einzigartige Performances das gesprochene Wort und bewegen sich dabei an der Schnittstelle zwischen künstlerischer Praxis und philosophischer Fragestellung. ‚Ephemeropteræ‘ bezieht sich auf eine Spezies, die nur für einen kurzen Augenblick lebendig ist und gibt somit das Programm vor: ephemer, also flüchtig und somit einzigartig und nur in diesem besonderen Moment erlebbar.

Der bereits siebente von neun Abenden wird von den bildenden Künstlerinnen Amal Khalaf und Monira al Qadiri gestaltet, welche sich in ihrer Arbeit mit ganz ähnlichen Fragen des Seins beschäftigen. Beide Künstlerinnen beschäftigen sich mit der Welt des Arabischen Golfs. Khalaf ist in Bahrain aufgewachsen, al Quadiri in Kuwait, doch was die beiden verbindet, ist eine komplexe Herkunft, welche sich von Singapur und Tokio bis über Senegal erstreckt. Ihre künstlerische Arbeit ist geprägt von sozialen Fragen der Zugehörigkeit und Entstehung von Staaten. Es geht um die Bedeutung von Heimat, ein flüchtiger und fluider Begriff, der immer und überall etwas anderes meint und durch bestimmte Mechanismen gebildet wird. Al Qadiri setzt sich bislang vor allem mit der maskulinen Seite des ’nation branding‘ auseinander und Khalaf beleuchtet die Hintergründe ihrer künstlerischen Arbeit auch als Forscherin und Kuratorin.

Unter dem Titel ‚Hamad and the Gastromancer‘ lassen Khalaf und al Qadiri für Ephemeropteræ ihren Bauch sprechen und beschäftigen sich mit der Bedeutung ihrer Heimat. Die Künstlerinnen werden zu Bauchrednerinnen und nehmen Bezug auf eine uralte Technik der rituellen Magie, die Gastromantie. Die einzigartige Performance macht die beiden selbst zu magischen Gefäßen der Weissagung und öffnet die Möglichkeit zum Dialog über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Gestalt des Arabischen Golfs.

Als Gründungsmitglieder des Künstlerkollektivs GCC beschäftigen sich Khalaf und al Qadiri besonders intensiv mit der Definition der Region des Arabischen Golfs, nicht nur im künstlerischen Sinne, sondern vor allem auch im sozialen. Die Bezeichnung des Kollektivs nimmt Bezug auf den ‚gulf cooperation council‘, ein politischer Zusammenschluss zur gemeinsamen Arbeit der Arabischen Staaten im Golf. Das künstlerische Kollektiv bildet sich nach Selbstbeschreibung 2013 in der VIP-Lounge der Art Dubai und setzt sich aus Fatima Al Qadiri, Abdullah Al-Mutairi, Amal Khalaf, Aziz Al Qatami, Barrak Alzaid, Khalid al Gharaballi, Monira Al Qadiri, Nanu Al-Hamad und Sophia Al-Maria zusammen. Die KünstlerInnen stammen aus unterschiedlichen Disziplinen und verfolgen, wie auch der politische ‚council‘, einheitliche Zusammenarbeit von Individuen.

In der gemeinsamen Arbeit geht es um die Beleuchtung des ’nation building‘, also die Frage danach, wie das Bild des Arabischen Golfs entsteht und aufrecht erhalten wird. Denken wir an die Wolkenkratzer und den ausufernden Lifestyle wie beispielsweise in Dubai, spielen Kapitalismus, Konsum und vor allem Luxus eine große Rolle in der Außenwirkung und Selbstdarstellung. Das Kollektiv untersucht diese Mechanismen des ’self brandings‘ in künstlerischen Darstellungen, typischer Architektur und sozialen Verhaltensweisen und entdeckt die Marke ‚Arabischer Golf‘. Der Staat als Marke, die international verkauft wird: Dieser Mechanismus wird vom GCC-Kollektiv befragt und verarbeitet. In der Londoner Ausstellung für die Frieze Art Fair halten die KünstlerInnen unter dem Titel ‚Achievements in Swiss Summits‘ ein Gipfeltreffen ab. Die Besucher werden in einem Rolls Royce herumgeführt, der mit einer Sound Installation ausgestattet ist. GCC treiben ein Spiel mit der westlichen Vorstellung von Luxus und bedienen sich selbst der Mittel des Kapitalismus.

Wie uns von der TBA21 erreicht, müssen Amal Khalaf und Monira al Qadiri ihren Besuch bei Ephemeropteræ aus persönlichen Gründen leider absagen. Nächste Woche sind die Künstler und Aktivisten Jakob Jakobsen und Heinrich Dunst gemeinsam mit Musiker Andreas Remmer zu Gast, um eine andere Ebene des Seins zu erforschen. Das Trio nimmt in einer textlich-tonalen Performance die Subjektivität und deren Beziehung zu Institutionen unter die Lupe. Am 2. September ab 19:00!

Text von Wera Hippesroither
Fotos © 2015 MoMA PS1 – Museum of Modern Art, Ausstellung: GCC ‚Achievements in Retrospective‘, kuratiert von Christopher Y. Lew